Wenige Betonteile des Windrades stehen noch, darin liegt die herabgestürzte Gondel. © Bludau
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Bestürzung nach Windrad-Einsturz in Haltern: „Ein Werk der Zerstörung“

Fassungslos steht Dr. Bernhard Klocke, Geschäftsführer des Windparks Haltern AV 9, am Morgen vor den Trümmern des eingestürzten Windrades. „Das ist eine riesengroße Enttäuschung.“

Eigentlich sollten 60 geladene Gäste am 30. September mitten in der Hohen Mark die Einweihung der beiden neuen Windräder von RAG Montan Immobilien und Stadtwerke Haltern feiern. Das Zelt steht, die Rede ist fertig und dann funkt ein Ereignis dazwischen, das den Geschäftsführer des Windparks, Dr. Bernhard Klocke, fassungslos und traurig stimmt: Eines der beiden neuen Windräder des Typs Nordex N149/4.0 – 4.5 mit jeweils 4,5 Megawatt maximaler Leistung stürzte ein.

„Es war wie ein mächtiges Donnergrollen“, beschreibt Bürgermeister Andreas Stegemann am frühen Morgen an der Unglücksstelle, was er am Abend bis nach Haltern-Mitte gehört hatte. Der Turm brach bis auf 40 Meter zusammen, die Flügel zerbarsten, der Stahlturm kippte auf die Bäume, die Beton-Segmente verteilten sich zu allen Seiten, nur wenige blieben stehen, sie verbergen die herabgestürzte Gondel.

Bernhard Klocke blickt entsetzt auf die Trümmerlandschaft. „Ich war so froh und stolz, solch eine Vorzeige-Anlage mit ins Ziel getragen zu haben. Dass ausgerechnet uns dieses Unglück ereilt, ist so traurig und unglaublich“, sagt er am Windrad-Standort. „Was soll ich sagen, es ist ein Werk der Zerstörung.“

Gutachter müssen nun die Ursache finden

Über eine mögliche Ursache will er nicht spekulieren. Gutachter der verschiedenen Parteien wie RAG Montan Immobilien, Stadtwerke, der Banken und Turbinenbauer Nordex würden den Grund sicherlich herausfinden. Bis diese zu einem Ergebnis kommen, bleibt die Unfallstelle unberührt und weiträumig abgesperrt.

Die Flügel sind zerborsten, im Hintergrund liegt der Stahlbetonturm.
Die Flügel sind zerborsten, im Hintergrund liegt der Stahlbetonturm. © Bludau © Bludau

Bürgermeister Andreas Stegemann dankt den Feuerwehrkräften der hauptamtlichen Wache, der Löscheinheit Lippramsdorf sowie auch den Mitarbeitern der Stadt für den vorbildlichen Einsatz. „Dagegen war der Flügelabbruch in Bergbossendorf harmlos“, sagt Werner Schulte von der Hauptwache. Solch ein Szenario könne die Feuerwehr natürlich überhaupt nicht proben. Hilfreich war am Mittwochabend, dass es zu jedem Halterner Windrad einen Einsatzplan gibt, in den hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehrkameraden eingeweiht sind.

Trotz allem ein Bekenntnis zur Windenergie in Haltern

„Ich mache drei Kreuzzeichen, dass wir nur über Geld reden und niemand verletzt ist. Darüber bin ich heilfroh“, betont Bernhard Klocke. Dass das Windrad auch während der Feier hätte einstürzen können, das mochte er sich gar nicht vorstellen.

Dr. Bernhard Klocke und Bürgermeister Andreas Stegemann fuhren schon früh zur Unglücksstelle in der Hohen Mark.
Dr. Bernhard Klocke und Bürgermeister Andreas Stegemann fuhren schon früh zur Unglücksstelle in der Hohen Mark. © Schrief © Schrief

Die gerade erlebte Katastrophe werden die RAG Montan Immobilien und Stadtwerke nicht davon abhalten, weiterhin in Windenergie zu investieren, so Klocke. Doch einen Neustart in der Hohen Mark könne es nur mit einer anderen Anlage geben und dann wird eine Baugenehmigung neu beantragt werden müssen. Das Verfahren dauert mindestens zweieinhalb Jahre, wenn es gut läuft.

Die zweite Anlage der Windpark-Gesellschaft, wenige hundert Meter entfernt, wurde direkt abgeschaltet und abgesperrt. Bernhard Klocke: „Ich habe keine Lust, es wieder anzustellen.“

Es ist jetzt der zweite große Unfall an einem Windrad. Am 20. April 2020 war der Flügel eines Windrads an der Weseler Straße unweit von Bergbossendorf bei starkem Wind zerborsten und zu Boden gestürzt.

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Elisabeth Schrief

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