Bewerbungs-Experte Dehn: „So kurz wie möglich, so lang wie nötig“

hzExperten-Interview

Ben Dehn arbeitet beim Dienstleister „Die Bewerbungsschreiber“. Das Team hat bereits über 25.000 Bewerbungen für Kunden realisiert. Wir haben nachgefragt, worauf es bei Bewerbungen ankommt.

Haltern

, 06.03.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie das Wort „Bewerbung“ schon sagt, sei es wichtig, Werbung für sich selbst zu machen und sich in einem bestmöglichen Licht zu präsentieren. Wie das gelingt, berichtet Experte Ben Dehn im Interview.

Warum ist ein Unternehmensbezug so wichtig?

Mit einem konkreten Bezug zum Unternehmen zeige ich als Bewerber dem Empfänger auf, dass ich mich ganz bewusst für sein Unternehmen entschieden habe. Anschreiben, die nach der Anrede direkt in einen standardisierten „hiermit bewerbe ich mich“-Tonus übergehen, wirken sehr schnell unpersönlich und zeugen eher von mangelnder Motivation. Was wirkt überzeugender? Ein Text der lediglich besagt, dass ich mich bewerbe, oder ein Text, der gleichzeitig die passenden Argumente dafür mitliefert, warum ich mich bewerbe? Leider gestaltet sich die aktuelle Situation so, dass viele Bewerber lieber 50 Bewerbungen mit dem gleichen Anschreiben versenden und hoffen, dass irgendein Unternehmen „anbeißt“, anstatt sich besser auf ihre favorisierten Stellen beziehungsweise Unternehmen zu fokussieren und dabei mehr Zeit in die Vorarbeit und Recherche zu investieren.

Was ist der Unterschied zwischen einem normalen Anschreiben und einem Motivationsschreiben?

Das Anschreiben oder auch Bewerbungsschreiben ist das erste Dokument in der Bewerbung. Es ist quasi die Einladung an den Empfänger, sich die restlichen Unterlagen im Detail anzuschauen. Gerade deshalb muss hier alles sitzen, insbesondere der individuelle Unternehmensbezug und die damit einhergehende Motivation, für das Unternehmen tätig werden zu wollen. Nach dem anschließenden Lebenslauf haben Bewerber die Möglichkeit, ihre Bewerbung um ein weiteres Dokument anzureichern, weshalb man hier oftmals auch von der „dritten Seite“ der Bewerbung spricht. Dies kann zum Beispiel eine Projektliste sein, oder eben das angesprochene Motivationsschreiben.

Bewerbungs-Experte Dehn: „So kurz wie möglich, so lang wie nötig“

Ben Dehn © Privat

Wenn das Motivationsschreiben als dritte Seite der Bewerbung verwendet wird, kann hier zum Beispiel der individuelle Unternehmensbezug weiter konkretisiert werden. Ich kann als Bewerber zudem auf die Frage eingehen, wo ich mich beruflich in den nächsten fünf Jahren sehe oder auch auf ein ganz spezielles Vorhaben des Unternehmens eingehen und aufzeigen, wie ich zur erfolgreichen Realisation beitragen kann. Allerdings fragen viele Unternehmen inzwischen nicht ausdrücklich nach Anschreiben und Motivationsschreiben, sondern erwähnen nur Letzteres in der Stellenausschreibung. Damit ist dann in der Regel das klassische Anschreiben der Bewerbung gemeint. Personalentscheider möchten damit verdeutlichen, dass sie bereits im Anschreiben etwas zu den Beweggründen und der Motivation der Bewerber lesen möchten und vorbeugen, dass sie unmotivierte Texte erhalten.

Gibt es eine optimale Länge für ein Bewerbungsschreiben?

Das Anschreiben einer Bewerbung darf eine maximale Länge von einer DIN-A4-Seite nicht überschreiten. Generell sollte für den Text folgender Leitsatz gelten: „So kurz wie möglich, so lang wie nötig“. Ich muss dem Empfänger in dem mir zur Verfügung stehenden Platz aufzeigen, dass ich mich ausreichend informiert habe und motiviert bin. Zudem muss ich auf die Anforderungen aus der Stellenanzeige eingehen und passende Beispiele für meine beruflichen und sozialen Kompetenzen liefern. Dazu werde ich wahrscheinlich noch mitteilen müssen, wann ich anfangen kann und welches Gehalt ich mir vorstelle. Diese Inhalte sollte ich kurz und prägnant, jedoch in einem angenehm lesbaren Text zur Verfügung stellen.

Gibt es eine DIN-Norm, an die man sich halten sollte?

Die DIN 5008 regelt das Aussehen und die Formatierung von Geschäftsbriefen. Aus meiner Sicht ist diese Norm für Bewerbungen jedoch nur bedingt zu gebrauchen. Logischerweise sollte der Text einheitlich formatiert sein und eine übersichtliche Struktur aufweisen. Doch gerade wenn wir uns unserem Wunscharbeitgeber präsentieren, möchten wir vielleicht auch von optischer Seite mit unseren Bewerbungsunterlagen positiv auffallen. Hier würde die DIN 5008 einen Riegel vorschieben, da über sie auch festgelegt wird, welche Schriftart und Schriftgröße ich verwende. Solange das Anschreiben ordentlich formatiert ist und eine übersichtliche Struktur aufweist, wird sich der Leser darin sehr gut zurechtfinden. Außerdem ist nicht davon auszugehen, dass sich irgendjemand mit einem Lineal an die Bewerbung setzt und gute Bewerbungen aussortiert, nur weil einzelne Abstände nicht auf den Millimeter genau zur DIN 5008 passen.

Sind ein Deckblatt und ein Design empfehlenswert?

Ja. Ein Deckblatt ist deshalb empfehlenswert, weil es mir zusätzlichen Gestaltungsspielraum ermöglicht. Ich kann verschiedene Fotogrößen und Fotomotive, wie etwa Porträt oder Szene, ausprobieren. Wenn ich das Foto in den Lebenslauf integriere, habe ich weniger Freiheiten. Da ich als Bewerber auf dem Bild erkennbar sein sollte, bliebe mir dabei außer dem Porträt nicht viel übrig. Des Weiteren kann ich auf dem Deckblatt bereits erste Informationen liefern, die meine Gesamtqualifikation umschreiben, um den Einstieg in den Lebenslauf zu vereinfachen und herauszustellen, inwiefern ich für die anvisierte Stelle qualifiziert bin. Hier reichen meist schon ein paar kurze Stichpunkte aus. Ein Design ist ebenfalls immer sinnvoll, wenn das Thema Design nicht direkt mit „bunt“, „verspielt“ oder „flippig“ assoziiert wird. Das Design einer Bewerbung sollte in erster Linie zum Bewerber passen, damit alles zusammen einen überzeugenden Eindruck hinterlässt. Zusätzlich sollten Bewerber natürlich ein Auge darauf haben, in welcher Branche sie sich bewerben. Aber selbst in eher konservativen Branchen hilft ein dezenter Einsatz von gedeckten Farben sowie die Verwendung unterschiedlicher Schriftschnitte (kursiv, fett, Anmerkung der Redaktion) dabei, die Inhalte der Bewerbung extrem übersichtlich zu halten, was Personalern die Sichtung der Unterlagen erheblich erleichtert.

Wie sieht das optimale Bewerbungsfoto aus?

Wie bereits erwähnt, der Bewerber muss zu erkennen sein. Das Foto darf also nicht verpixelt erscheinen oder eine schlechte Auflösung haben. Fotos von Partys oder anderen Events sind für Bewerbungen ebenso unbrauchbar wie klassische Passfotos. Für das optimale Bewerbungsfoto lohnt sich der Weg zu einem professionellen Fotografen. Durch das geschulte Auge erkennt dieser dann schnell, wie sich der Bewerber richtig präsentieren und die gewünschte Wirkung erzielen kann. Ob das Foto dann in Schwarz-Weiß oder Farbe, mit einem einfachen Hintergrund oder einer Business-Szenerie daherkommt, ist Geschmackssache und jedem Bewerber selbst überlassen. Sie sollten sich nur nichts aufdrängen lassen, womit sie sich nicht wohlfühlen. Das wird man sonst später auf dem Foto erkennen können.

Wie geht man idealerweise mit Lücken im Lebenslauf um?

Hier sei vorangestellt, dass eine Lücke im Lebenslauf ein Zeitraum ist, den ich als Bewerber nicht definieren oder beschreiben kann. Habe ich zum Beispiel nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses drei Monate gebraucht, um eine neue Arbeitsstelle zu finden, so ist dies noch im vertretbaren Rahmen. Dies muss nicht näher erklärt werden und wird auch nicht als Lücke angesehen. Habe ich Nachwuchs bekommen und mir eine berufliche Auszeit gegönnt, entsteht dadurch auch keine Lücke, wenn ich es im Lebenslauf entsprechend darstelle. War ich über einen längeren Zeitraum arbeitslos, ist das vielleicht unangenehm, jedoch immer noch keine Lücke, solange ich es nicht verschweige. Bewerber sollten selbstbewusst auftreten und vor allem ehrlich sein. Ein Arbeitsverhältnis sollte auf gegenseitigem Vertrauen basieren.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt