Die Brücke Walzenwehr ist stark sanierungsbedürftig und deshalb gesperrt. © Jürgen Wolter
Blaue Brücke

„Billige Brücke“, „Schrott“: Gutachter soll Entscheidung erleichtern

Sanierung, Abriss, Neubau: Die Politiker sind sich noch nicht schlüssig, was aus der Steverbrücke werden soll. Der Bauausschuss will ein neues, unabhängiges Gutachten. Es gibt Geschmäckle.

Für die Verwaltung war bis zur Sitzung des Ausschusses Bauen und Digitalisierung am 24. November klar, dass die Steverbrücke am Walzenwehr abgerissen wird. Entsprechend hatte sie den Beschluss-Entwurf geschrieben und ihre nachvollziehbaren Gründe dargelegt. Aber so einfach machte es ihr die Politik nicht.

SPD und Grüne war die Kostenabrechnung für Abriss einerseits und Neubau andererseits nicht detailliert genug. Die FDP fand sogar einen Haken: Ein jetzt eingeschaltetes Gutachterbüro war auch schon vor Jahren bei der Hauptabnahme der Blauen Brücke beauftragt. Das war der FDP zu viel Geschmäckle. Da konnte auch die Erklärung von Baudezernent Siegfried Schweigmann nichts retten, das Büro sei damals nicht haftungspflichtig gewesen.

„Brücke ist nur noch ein Haufen Schrott“

Die, die man heute zur Rede stellen könnte, sind nicht mehr greifbar. Die Brückenbau-Firma ist in die Insolvenz gegangen, der Prüf-Statiker hat sein Büro aufgegeben. Schonungslos richtete Detlef Berkels (FDP) über das Bauwerk: „Damals wurde die Brücke gefeiert, heute ist sie nur noch ein Haufen Schrott.“

Ausschussvorsitzender Wolfgang Kaiser (SPD) richtete seine erste Kritik an die Verwaltung. Politik und Bürger seien über den Zustand der Brücke viel zu spät informiert worden, das habe nicht eben das Vertrauen in die Stadt gefördert, sei der Demokratie nicht förderlich und wirke befremdlich. Bürgermeister Andreas Stegemann (CDU) wies diesen Vorwurf zurück: „Die Verwaltung hat nichts zu verbergen und die Brücke ist nicht von heute auf morgen einsturzgefährdet.“

„Die Brücke ist nicht von heute auf morgen einsturzgefährdet.“

Andreas Stegemann, Bürgermeister

Eine Stunde setzten sich die Politiker mit der Verwaltung über die Steverbrücke auseinander. Volker Klose (SPD) sprach von einem Skandal, weil die Brücke in Teilen nicht so gebaut worden sei wie geplant und sicherheitsrelevante Prüfungen nicht regelmäßig durchgeführt worden seien.

Gerd Becker, Leiter des Baubetriebshofes, bestätigte begrenzte Kontrollmöglichkeiten. Das sei der geringen Traglast der Brücke geschuldet. Es sei weder möglich, ein Gerüst an die Brücke zu hängen, noch mit einem Baufahrzeug auf die Brücke zu fahren. Ein Gerüst ins Steverbett zu stellen, koste sechsstellig. „Die Blaue Brücke ist ein hübsches, filigranes Bauwerk, aber für eine dauerhafte Nutzung ist sie zu schwach konstruiert“, sagte Gerd Becker, betonte aber auch, dass die Verwaltung die Brücke sehr wohl immer im Auge gehabt habe. Er favorisiert in jedem Falle eine neue Brücke mit höherer Traglast und geringeren Folgekosten.

Hat die Firma Haltern eine billige Brücke angedreht?

Doch Jennifer Freckmann (Die Grünen) beantragte eine detaillierte Kosten-Gegenüberstellung durch einen unabhängigen Gutachter, erst dann solle die Politik über Sanierung oder Neubau entscheiden. Diesem Vorschlag schlossen sich alle Parteien an.

Die CDU sieht mehr Sinn darin, Geld für eine neue Steverbrücke in die Hand zu nehmen, weil an der Blauen Brücke weiterhin mit einem hohen Verschleiß zu rechnen sei. „Wir könnten den Vorschlag der Verwaltung mittragen, aber ebenso auch den heute geänderten Beschluss“, sagte Markus Ernst. Dr. Ulrich Mast (WGH) rechnete vor, was von dem vielen Geld alles hätte finanziert werden können: eine Kita, die digitale Aufrüstung der Schulen, ein Projekt für die Innenstadtentwicklung…

Siegfried Schweigmann gab zu bedenken, dass ein neues Gutachten mit neuen Kosten und mit weiterem Zeitverzug verbunden sei. Gleichwohl ist auch ihm bewusst, dass 2006 eine wertigere Brücke hätte gebaut werden müssen. Ein Fachmann habe ihm gegenüber gesagt: „Wie konntet ihr euch so eine billige Brücke andrehen lassen?“

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Elisabeth Schrief

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