Bombenverdacht sorgt für Unruhe am Bahnhof Haltern - Unmut über Schienenersatzverkehr

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Am Bahnhof Haltern wird gebaut, das ist nicht zu übersehen. Am Wochenende wurde wegen aufwendiger Arbeiten Schienenersatzverkehr eingesetzt. Reisende und Bahnhofsmitarbeiter waren genervt.

Haltern

, 03.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ungewohnt ruhig am Sonntag im Halterner Bahnhofsgebäude. Keine Jugendlichen, die sich aus den umliegenden Orten auf den Weg zu den Seen machten. Keine Familien, die das Wochenende auf dem Kettler Hof verbringen wollten. Grund dafür war die Sperrung der Gleise im Rahmen der Umbauarbeiten. Statt Zügen pendelte von Freitagnacht bis Sonntagnacht der Schienenersatzverkehr zwischen Marl, Haltern und Sythen.

Bahn meldete „voraussichtliche Entschärfung einer Fliegerbombe“

Bei so manchen Reisenden sorgte das für ein Augenrollen. Dabei drohte am Freitagabend noch ein viel größeres Problem am Halterner Bahnhof. Die Deutsche Bahn meldete die „voraussichtliche Entschärfung einer Fliegerbombe“. Auch eine weiträumige Evakuierung des Fundorts ist in einem solchen Fall nötig.

Vorerst konnte Frank Fiege von der Polizei-Leitstelle jedoch beschwichtigen. Ein verdächtiger Gegenstand sei zwar gefunden worden, doch der könne „auch ein Römerhelm oder eine verbuddelte Badewanne sein“. Bis zum Sonntag änderte sich an diesem Stand nichts. Die Feuerwehr bekam keine weiteren Informationen und geht deshalb nicht davon aus, dass am Bahnhof wirklich ein Blindgänger gefunden wurde. Weder Bezirksregierung (mit Kampfmittelräumdienst), noch die Deutsche Bahn waren am Wochenende für Anfragen zu erreichen. Polizei und Bundespolizei verwiesen an die Halterner Feuerwehr als Wochenend-Vertretung des Ordnungsamtes.

Ruhe nach dem Sturm am Sonntag

Am Sonntag war von Aufregung nicht mehr viel zu sehen am Busbahnhof. Während der eine Bussteig von Menschen mit Badehandtüchern und Flipflops auf dem Weg zum Silbersee belagert war, standen auf der anderen Seite die Reisenden, die eigentlich mit dem Zug in Richtung Münster oder Recklinghausen fahren wollten.

Einer davon war August Burdinski. Nach dem Wochenendbesuch bei Freundin Dagmar Brunn wollte ihn die Halternerin wie gewohnt zum Zug bringen. Vom Schienenersatzverkehr haben die beiden nichts gewusst. Und auch am Bahnhof sei es nicht einfach gewesen, etwas herauszufinden, berichtet die Halternerin: „Man findet die Informationen - aber eben nur, wenn man sie sucht. Das ist anstrengend.“

Bombenverdacht sorgt für Unruhe am Bahnhof Haltern - Unmut über Schienenersatzverkehr

Regelmäßig fuhren die Busse des Schienenersatzverkehrs am Halterner Bahnhof. © Johanna Wiening

Doch trotz ihres Unmuts: Mit Einschränkungen müsse man bei einem solchen Umbau leben, findet sie: „Natürlich ist das doof, aber es wurde jetzt schon so lange drauf gewartet. Da nehmen wir dann auch den Schienenersatzverkehr in Kauf.“

Einschränkungen für den Zeitungskiosk

Für die Mitarbeiterinnen des Zeitungskiosks bedeutet der Schienenersatzverkehr vor allem eins: deutlich weniger Kundschaft. Nur selten verirre sich mal jemand in den Laden. „An diesem Wochenende merkt man das schon extrem“, berichten sie.

Aber auch wenn die Züge wieder rollen, sei seit der Nutzung der Behelfsbrücke ein Unterschied spürbar: „Wer zu Gleis Zwei muss, kommt nur selten hier rein. Die gehen zur Brücke alle an dem Gebäude vorbei.“ Und die Kunden, die dann doch für eine Zeitung oder ein Getränk in den Kiosk kommen, klagen immer wieder über die Behelfsbrücke. Doch die Verkäuferinnen wissen: „Das wird ja jetzt erst mal nicht enden, also muss man das Beste daraus machen.“

Kommentar von Redakteur Kevin Kindel

Die Sache mit dem Bombenverdacht war kommunikationsmäßig an diesem Wochenende eine echte Katastrophe. Freitagabend meldete die Deutsche Bahn öffentlich voreilig „voraussichtlich Entschärfung einer Fliegerbombe ab 22 Uhr“. Anwohner waren verunsichert, ob sie aus ihren Häusern müssen. Ein Anruf bei der Polizei ergab, dass noch gar nicht sicher war, ob es sich bei dem gefundenen Gegenstand überhaupt um eine Bombe handelte. Und dieser Stand von Freitag 19 Uhr war alles, was es bis Sonntag gab. Die Anwohner wurden komplett hängen gelassen. Eine Frau meldete sich bei unserer Redaktion zum Beispiel besorgt, weil sie für Sonntag 25 Gäste zur Kommunionsfeier erwartete. Niemand gab ihr die Entwarnung, dass ihr Haus nicht plötzlich evakuiert werden muss. Und das war kein Einzelfall. Hätte es sich um eine 500-Kilo-Fliegerbombe gehandelt, wie sie häufig gefunden werden, wäre wohl ein Gebiet von der Sportanlage Conzeallee bis jenseits der Rochford- und der Recklinghäuser Straße evakuiert worden. An alle beteiligten Behörden geht der Appell: Denken Sie beim nächsten Mal an die Sorgen der betroffenen Anwohner.
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