Bürgerinitiative macht sich stark gegen Bau eines Kohlekraftwerks

LIPPRAMSDORF Mit der Ankündigung, im Chemiepark ein Kohlekraftwerk zu bauen, war das Maß voll. Von Bergschäden schon arg getroffene Lippramsdorfer gründeten eine Bürgerinitiative. Wie ihre Ziele aussehen, berichten Heinz Stegemann und Markus Florin.

von Von Elisabeth Schrief

, 03.02.2009 / Lesedauer: 3 min
Bürgerinitiative macht sich stark gegen Bau eines Kohlekraftwerks

Markus Florin (l.) und Heinz Stegemann

Aus Marl und Haltern kam positive Resonanz, es gab viele Fragen, Spendenangebote und Beitrittsankündigungen. Zudem entsteht durch die Anerkennung als BI ein Netzwerk mit informeller als auch finanzieller Unterstützung durch andere Klima- und Umweltschutzorganisationen.

An unserem Info-Stand an einem verkaufsoffenen Sonntag in Haltern sind wir auf vielfaches Interesse gestoßen, auch bei Auswärtigen. Gesundheitliche Belastungen durch Schadstoffe und vor allem durch Feinstäube scheinen jedoch im Bewusstsein vieler Menschen nicht vorhanden zu sein. Hier müssen die Anrainerstädte, die sich auch als Naherholungsgebiete verstehen, massiv protestieren. Vor allem in Marl gibt es keine Informationen, die über die Dimensionen des Kohlekraftwerkes oder dessen Emissionen etwas aussagen. Im Stadtrat wurde etwas „durchgewunken“, das in der Öffentlichkeit keine Rolle spielt.

Ganz eindeutig, das Steinkohlekraftwerk darf nicht gebaut werden. Es widerspricht allen Klimaschutzzielen sowohl des Bundes, des Landes als auch der Stadt Marl. Mit dem Argument einer drohenden Stromlücke soll der Boden bereitet werden für das Kraftwerk.

Nirgendwo gehen wegen Energiemangels die Lichter aus. Bereits jetzt verfügt der Chemiepark mit seinen drei Kraftwerken über mehr als ausreichende Energie, so dass diese bereits anteilig in das öffentliche Netz eingespeist wird.

Wir wollen auf keinen Fall Arbeitsplätze gefährden. Aber laut E.ON findet Kraftwerksbau hier nahezu nicht mehr statt, es gebe keine Anbieter mehr, die entsprechende Qualität liefern könnten. China verfüge inzwischen beinahe über eine Monopolsituation. Deutsche Arbeitnehmer bauen stattdessen mittlerweile höchst effizientere Kraftwerke, die nicht mehr mit Steinkohle befeuert werden.

Fachleute weisen auf die Leitstudie 2008 des Bundesministeriums für Umwelt hin. Die Studie besagt, dass, wenn die Bundesrepublik und die Bundesländer die selbst gesetzten Klimaziele erreichen wollen, Kohlekraftwerke mit einer maximalen Gesamtleistung von 9,8 Gigawatt gebaut werden dürfen. Gegenwärtig befinden sich sieben Kohlekraftwerke im Bau. Bis 2012 sollen vier weitere in Betrieb genommen werden. Da selbst Bundesminister Gabriel, mehrmals sagte, dass höchstens neun Kohlekraftwerke in der Bundesrepublik gebaut werden sollen, sind das schon jetzt zwei Kraftwerke zuviel. In Deutschland stehen laut einer Studie der Umweltstiftung WWF mehr extrem klimaschädliche Kohlekraftwerke als in jedem anderen Land der EU. Das geplante Kraftwerk mit 900 Megawatt stößt 4,6 Millionen Tonnen CO2 aus.

Allergien und Infektionskrankheiten können zunehmen. Zunächst löst das CO2 allein als geruchs- und farbloses giftiges Gas aber spürbar für den Menschen scheinbar bei entsprechender Verdünnung keine direkten Folgen aus. Bedenklich sind aber andere Emissionen, die aus dem Kraftwerksschornstein bzw. dem Kühlturm (je nach Bauart) austreten: Staub, Kohlenmonoxid, Quecksilber und seine Verbindungen, Dioxine und Furane.

Neben den hochgiftigen Schwermetallen emittieren Steinkohlekraftwerke um das sieben-fache mehr radioaktive Stoffe als Kernkraftwerke bei störungsfreiem Betrieb. Damit erhöhen sie die Umweltradioaktivität in einem größeren Maße als Atomkraftwerke, wie eine Studie der Uni Siegen aus dem Jahre 1981 belegt.

Unser Primärziel ist, Bürger zu informieren und daraus resultierend Forderungen an Behörden, Unternehmen und Verbände zu formulieren, die die Lebensqualität der Bürger sicherstellt, und zwar nachhaltig und nicht als schneller Effekt.

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