Bürgermeister blickt auf 2019: „Wir brauchen Kita-Plätze und mehr Platz zum Bauen“

hzBodo Klimpel

Vom TuS Haltern hätte Bürgermeister Bodo Klimpel gern jetzt eine Entscheidung, ob der Verein eine Kita baut oder nicht. Was sonst noch wichtig in 2019 ist, erklärt er in einem Interview.

Haltern

, 25.01.2019 / Lesedauer: 6 min

Die Stadt Haltern steht im Jahr 2019 vor alten und neuen Aufgaben. Was wichtig bleibt und wird, darüber sprach Bürgermeister Bodo Klimpel mit der Halterner Zeitung.

Für das neue Jahr wünschten Sie Ihren Gästen neben Gesundheit auch Glück. Dazu brachten Sie den Vergleich zur Titanic: An Bord des Luxusdampfers waren viele gesunde Menschen, aber ihnen fehlte zum Überleben das Glück. Von welchem Glück würden Sie sich gern durchs Jahr tragen und retten lassen?

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe und immer die richtigen Entscheidungen treffe. Wichtig ist mir auch, dass wir die Stadt Haltern am See gut und vernünftig weiterentwickeln.

Welche Themen werden denn in diesem Jahr für Haltern wichtig?

Die Themen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen des letzten Jahres. Es wird wichtig sein, dass wir uns um Kindergartenplätze kümmern, die OGS in den Grundschulen aufrüsten und erste Entscheidungen bezüglich der Entwicklung von G9 am Joseph-König-Gymnasium treffen. Betreuung und Bildung werden 2019 klar im Vordergrund stehen. Unser Bestreben ist außerdem, dass alle Schulen zu Beginn des neuen Schuljahres am Netz sind und wir die Glasfaserstadt Nummer eins im Kreis Recklinghausen werden. Bisher sind schon 87 Kilometer Tiefbauarbeiten in den Ortsteilen erledigt worden; in der Innenstadt werden bis Februar 89 Kilometer geschafft sein. Manchmal treten unschöne Begleiterscheinungen auf, aber die werden sicherlich bald vergessen sein.

Bürgermeister blickt auf 2019: „Wir brauchen Kita-Plätze und mehr Platz zum Bauen“

In den letzten drei Jahren sind 200 neue Kindergarten-Plätze in Haltern entstanden, die Stadt hat über fünf Millionen Euro investiert. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, sagt Bürgermeister Klimpel. Aber die Nachfrage steigt rasant weiter. © picture alliance/dpa

Das Thema Kindergarten wird zum Reizthema. Sie sprachen in Ihrer Neujahrsrede davon, dass die Regeln eines zivilisierten Umgangs teilweise vergessen werden. Wird der Umgangston rauer?

Tatsächlich nehme ich wahr, dass viele Menschen ungeduldiger und unhöflicher werden. Das ist teilweise verständlich. Manchen Bürgern fällt es einfach schwer, eine nicht positive Antwort zu akzeptieren. Das stelle ich im Verwaltungsalltag immer wieder fest. Ich habe die große Hoffnung, dass sich das bessert. Eine schwierige Situation macht man nicht besser, indem man sich gegenseitig beschimpft.

Warum, glauben Sie, ist es so schwierig, Eltern die städtischen Anstrengungen zu vermitteln? Sind die Erwartungen der Eltern zu hoch oder ist die Verwaltung mittlerweile zu gereizt?

Ich glaube, dass die Erwartungen der Eltern bezüglich eines Betreuungsplatzes nicht zu hoch sind. Aufgrund des Rechtsanspruches gehen die Eltern verständlicherweise davon aus, dass sie auch einen Platz erhalten. Leider überholt uns das Tempo. Obwohl wir in den letzten Jahren über 200 neue Plätze geschaffen haben, können wir den Wünschen nicht nachkommen. Wir haben über 70 Prozent U-3-Plätze und über 90 Prozent Ü-3-Plätze. Aber das sind nicht hundert Prozent, von daher wird es immer wieder zu Konflikten kommen. Wir müssen versuchen, möglichst alle Wünsche zu erfüllen.

Was machen die TuS-Pläne, an der Stauseekampfbahn einen Kindergarten in privater Trägerschaft zu bauen?

Wir erwarten eine abschließende Entscheidung vom TuS Haltern, dann können wir die Plätze in den Kindergartenbedarfsplan aufnehmen. Es gibt noch keine konkrete Zusage. Das liegt daran, dass die Landesförderung für diesen privaten Kindergarten noch nicht abschließend geklärt ist. Wir brauchen dringend noch in diesem Monat eine Entscheidung. Vorsorglich machen wir uns natürlich auch schon Gedanken über weitere Alternativen.

Millionen-Investitionen in Kindergärten, neue Investitionen in den Ausbau der OGS – wird Haltern trotzdem 2019 weiter sparen können?

Am besten spart man, indem man Schulden abbaut. Dadurch generieren wir wieder finanziellen Spielraum. Wir sind auf einem hervorragenden Weg, den wollen wir konsequent weitergehen. Immerhin haben wir seit Beginn des Stärkungspaktes im Jahr 2013 einen bedeutenden Schuldenberg von fast 28 Millionen Euro abgetragen.

Wir sind schon bemüht, bei allen Investitionen, die wir tätigen müssen, Fördermittel zu generieren. Dann kann man sich Investitionen auch leisten. Ich lege großen Wert darauf, dass diese ausschließlich der Daseins-Vorsorge gewidmet sind. Denn wir möchten, dass Haltern eine liebenswerte Stadt bleibt, in der junge wie alte Menschen gerne leben. Momentan hat die Schaffung von Betreuungsplätzen oberste Priorität, aber wir investieren ja auch beispielsweise in Sportanlagen.

Sicherlich fehlt in der Bürgerschaft das Verständnis, wenn bei Investitionen nur eine Zielgruppe in den Blick genommen wird...

Das ist in der Tat so. Wir müssen auch noch Feuerwehrautos kaufen und unsere Verkehrsinfrastruktur verbessern. Auch da versuchen wir, Fördermittel zu bekommen. In Sythen hat der Kreis gerade den Hellweg saniert, aber es gibt auch noch städtische Projekte. Wir haben einiges vor der Brust, deshalb können wir uns nicht nur auf einen Bereich konzentrieren.

Gerade machen die Stadtplaner, die das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, kurz Isek, entwickeln, viele Vorschläge. Wo sehen Sie einen Anfang?

Persönlich priorisiere ich die Entwicklung des Graf-von-Galen-Parks und die Neugestaltung der Bürgersteige und Parkplätze ringsum sowie der Zubringerstraßen wie Koepp-, Holtwicker- und Schmeddingstraße. Da müssen wir dringend etwas machen. Das geht aber nur mit Fördermitteln.

Sie möchten in Haltern Lebensperspektiven für alle schaffen. Was beinhaltet ein solcher „Wohlstand“?

Es geht nicht um ein Rundum-Sorglos-Paket für alle, das ist damit nicht gemeint. Nach wie vor gilt: Es jedermann recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann. Wir müssen uns beispielsweise der Herausforderung des demografischen Wandels stellen, über 11.000 Halterner sind über 60 Jahre alt. Auch diese Altersgruppe hat Bedürfnisse und Ansprüche, die wir erfüllen möchten. Dazu gehört, dass die Halterner im Alter möglichst lange selbstbestimmt in ihrer Wohnung bleiben können oder zumindest bei Pflegebedürftigkeit in ihrem Ortsteil. Lebensperspektiven schafft deshalb auch der Wohnungsbau.

Bürgermeister blickt auf 2019: „Wir brauchen Kita-Plätze und mehr Platz zum Bauen“

Haltern hat attraktive Baugebiete geschaffen (wie hier im Grünen Winkel), aber der Flächennutzungsplan gesteht Haltern zu wenig Entwicklung zu, kritisiert Bürgermeister Klimpel. © Jürgen Wolter

Tatsächlich ist in Haltern eine bezahlbare Wohnung oder ein bezahlbares Grundstück für ein Eigenheim sehr wertvoll. Investoren und viele private Nachfragen lassen die Preise explodieren. Ist es da nicht verständlich, dass Bürger eine Regulierung durch die Stadt einfordern?

Es ist ein Spagat. Wir brauchen deutlich mehr Wohnbauflächen. Das, was uns im Flächennutzungsplan zugestanden wurde, reicht lange nicht. Acht Hektar für Wohnungsbau sind für Haltern absolut nicht ausreichend. Deshalb wollen wir Lücken füllen, ohne den Charakter der Stadt zu vernachlässigen. Das ist in der Tat sehr schwierig. Wenn wir zulassen, dass ein Grundstück maximal ausgenutzt wird, sagen die Bürger: Was ist das für ein Kasten? Andererseits fordern sie bezahlbaren Wohnraum. Wir müssen also den Spagat hinkriegen, dass wir einerseits den kleinteiligen und schönen Charakter unserer Stadt und der Ortsteile erhalten und andererseits an einigen Stellen eine sich einfügende Nachverdichtung ermöglichen, um allen Seiten gerecht zu werden.

Klingt gut, aber wie kann der Bürger sich das leisten? Indem die Stadt regulierend eingreift?

Die Stadt kann regulierend nur dadurch eingreifen, dass sie mehr Flächen zur Verfügung stellt. Wenn wir neue Baugebiete ausweisen und damit das Angebot erhöhen, wirkt sich das auf die Preise aus. Wir müssen eben auch Flächen, die wir sonst nicht nutzen können, entwickeln. Ein Beispiel ist Pastors Kamp. Wir haben Kontakt zur Uni Dortmund aufgenommen und Studenten gebeten, Vorschläge für eine Gestaltung als Wohnquartier zu entwickeln. Unser Problem in Haltern ist der Regionalplan, der die Bauentwicklung stark einschränkt. Es wäre klasse, wenn da mehr Flexibilität gezeigt würde. Wir brauchen keine Vorgaben aus Essen. Was für Haltern bedarfsgerecht ist, wissen wir in Verwaltung und Politik selber. Keiner von uns hat ein Interesse daran, dass Haltern 65.000 Einwohner hat. Es geht vielmehr um eine maßvolle Entwicklung. Und da möchten wir im Kommunalparlament festlegen, was richtig für Haltern ist. Alles andere ist nicht fair.

Stadtplaner Rogge hat zu bedenken gegeben, dass die Baukultur in der Stadt nicht mehr in Korrespondenz zur Historie steht. Können Sie diesen Einwand nachvollziehen?

Diesen Eindruck teile ich nicht. Ich glaube, der Stadtrat entscheidet da sehr verantwortungsvoll. Diese Wahrnehmung habe ich, auch wenn ich nicht jede Ecke Halterns schön finde und manches kann man aus heutiger Sicht sicherlich auch bedauern. Aber wir haben doch in den letzten Jahren tolle Baugebiete geschaffen, wie zum Beispiel in der Borg und auch im Elterbreischlag.

Sehnen Sie die Zeit herbei, in der wieder Spielraum für neue Projekte geschaffen werden kann? Welche drei Wünsche hätten Sie?

In den letzten Jahren haben wir mit wenig Geld und viel Fördermitteln Haltern deutlich verschönert. Bei mehr Spielraum würde ich mir wirklich für jedes Kind einen Betreuungsplatz wünschen und den Titel als Sportstadt Nummer eins im Kreis. Denn ich habe die feste Überzeugung, dass in Sportvereinen die beste Sozialarbeit geleistet wird.

Und der dritte Wunsch - der TuS mindestens in der dritten Bundesliga?

Das wäre wünschenswert, da wünsche ich dem TuS viel Glück!

Sie sind jetzt in der dritten Periode Bürgermeister von Haltern. Könnten Sie sich einen schöneren Arbeitsplatz vorstellen?

Ich bin gut zufrieden. Mein großer Traum als Kind war, Fußballprofi zu werden. Ich muss jetzt mit dem zweitbesten Job auskommen.

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