Bürgermeister räumt nach harscher Kritik Versäumnisse bei Sythener Bau-Großprojekt ein

hzBetreutes Wohnen Sythen

Bürgermeister Bodo Klimpel hat auf die massiven Vorwürfe von Politik und Bürgern reagiert und zum Thema Betreutes Wohnen in Sythen Stellung bezogen. Seine Aussagen überraschen.

Sythen

, 18.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Debatte über das Bauprojekt Betreutes Wohnen in Sythen reißt nicht ab. Nach der massiven Kritik von Anwohnern im Baugebiet Elterbreischlag sowie fast aller Fraktionen im Halterner Rat sieht Bürgermeister Bodo Klimpel sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Seine Worte fallen ebenso deutlich wie die seiner politischen Gegner aus.

Bei der Entwicklung des Bauprojekts Betreutes Wohnen räumte das Stadtoberhaupt am Dienstag schwere Versäumnisse ein. Im Zusammenhang mit der beantragten Änderung des Bauvorhabens durch die TSC Osmium GmbH hätte er Anwohner und Politik mit einbeziehen müssen, gab Bodo Klimpel am Dienstag gegenüber der Halterner Zeitung zu. Die Vorgehensweise der Verwaltung sei „sehr unsensibel“ gewesen. „Dafür kann ich mich im Nachhinein nur entschuldigen“, so der Bürgermeister.

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Die TSC Osmium zählt zusammen mit der TSC Real Estate, dem Bauherr und Manager des Sythener Bauprojekts, zu einem weit verzweigten Firmengeflecht.

Insgesamt 35 Wohnungen für das Betreute Wohnen entstehen derzeit in fünf Einzelhäusern zwischen Dietrich-Bonhoeffer-Weg und Eltritt in Sythen. Durch komplett verglaste Treppenhäuser sollten diese ursprünglich miteinander verbunden werden. Insbesondere bei den drei Häusern am Eltritt hatten sich Anwohner und Politik vom Baustoff Glas eine auflockernde Wirkung versprochen.

Stadt entschied im Alleingang über Treppenhaus-Änderungsantrag

Im Juni 2019 allerdings stellte die TSC Osmium Berlin, die 2017 die beiden Grundstücke für die Altenhilfe-Einrichtung und das Altenheimgebäude von der Alloheim in Düsseldorf erworben hatte, einen Nachtragsantrag zur Baugenehmigung Betreutes Wohnen. Die in den städtischen Plänen als Laubengänge bezeichneten Treppenhäuser sollten plötzlich nicht mehr aus Glas gebaut werden. Stattdessen gab der Investor dem Baustoff Beton den Vorzug. Diesen Antrag genehmigte die Stadt Haltern im Alleingang. Dadurch entsteht nun eine 52 Meter lange Häuserfront. Die Anwohner des überwiegend mit Einfamilienhäusern bestückten Wohngebiets sprechen von einer „Großstadtfassade“ und fühlen sich von der Stadt hintergangen.

Änderung aus Kostengründen

Bürgermeister Bodo Klimpel, Baudezernent Siegfried Schweigmann und Kämmerer Dirk Meussen sahen sich am Dienstag zwar hinsichtlich der Rechtmäßigkeit dieser Genehmigung auf der sicheren Seite. Baufachlich und bauordnungsrechtlich gebe es überhaupt keine Bedenken, betonte das Trio. Der Bauherr habe einen „Genehmigungsanspruch“ gehabt.

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Ein Baustoffwechsel sei legitim. Die TSC Osmium habe sich aus Gründen des Schallschutzes für den Baustoff Beton entschieden, erklärte Siegfried Schweigmann. Geänderte Richtlinien hätten ansonsten dickeres Glas als geplant erfordert und damit wohl höhere Kosten verursacht.

Bürgermeister Klimpel übernimmt die „volle Verantwortung“

„Die Grundzüge der Planung waren dadurch dennoch nicht tangiert“, erklärte Klimpel. Es habe keinen Anlass gegeben, den Nachtragsantrag nicht zu genehmigen. Zugleich stellte der Christdemokrat klar: „Es war aber sehr unsensibel, Anwohner und Politik nicht schon im Vorfeld über diese beantragte Änderung zu informieren.“ Die Anwohner seien jetzt wegen der massiven Gebäudefront sauer, das könne er auch gut nachvollziehen. Für die „mangelnde Kommunikation“ übernehme er die volle Verantwortung.

Bauaufsicht ist eingeschaltet worden

Um erneuten Ärger zu vermeiden, will der Bürgermeister die weitere Entwicklung des Bauprojekts in Sythen „absolut transparent“ gestalten. Außerdem hat er die Bauaufsicht des Kreises Recklinghausen eingeschaltet. Die SPD-Fraktion hatte in der vergangenen Woche eine entsprechende Forderung gestellt. Die Recklinghäuser Behörde soll die gesamte Baumaßnahme nun baurechtlich prüfen. Bauakten und Gutachten stellt die Stadt dafür zur Verfügung. In vier bis sechs Wochen können laut Klimpel erste Ergebnisse aus Recklinghausen vorliegen.

Alle Beteiligten sollen zusammenkommen

Auch die Politik und die Anwohner im Elterbreischlag will der Bürgermeister mit ins Boot holen. Zwar könnten die Planungen nicht mehr rückgängig gemacht werden, hieß es. „Wir wollen aber versuchen, das Beste aus diesem Schaden herauszuholen“, betonte Klimpel. Möglicherweise könne der gesamte Komplex beispielsweise mithilfe farblicher Gestaltungen oder Grünbepflanzungen aufgelockert werden. Einen ersten Farbentwurf habe der Architekt der Stadt inzwischen zukommen lassen. Bodo Klimpel will alle Beteiligten im Januar zusammenbringen und über die weitere Vorgehensweise zu beraten.

Verwaltung der Stadt Haltern

Politik und Anwohner wurden nur zu Beginn miteinbezogen

Die Stadtverwaltung Haltern hatte im Juni 2016 sowohl im Ausschuss für Generationen und Soziales als auch im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss über das Bauprojekt Betreutes Wohnen in Sythen informiert. Der Fokus habe dabei aber auf den Wohnungen an sich gelegen, räumt Bodo Klimpel ein. Über den Änderungsantrag hinsichtlich der Treppenhäuser und die entsprechende Genehmigung dagegen informierten die Verantwortlichen nicht.
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