Büro-Kollege auf vier Beinen ist eher die Seltenheit

hzHunde am Arbeitsplatz

„Hunde können Großes bei Patienten bewirken“, sagt eine Expertin. Auch am Arbeitsplatz sorgen sie für eine positive Stimmung, heißt es. Wir haben bei Halterner Arbeitgebern nachgefragt.

Haltern

, 29.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Tiere erfolgreich bei der Behandlung von Patienten eingesetzt werden können“, sagt Dr. Anette Borchert, Chefärztin in der Klinik für Akutgeriatrie und Palliativmedizin am Gertrudis-Hospital Westerholt, das wie das Halterner Sixtus-Hospital zum Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord (KKRN) gehört. Gerade Hunde könnten bei Erkrankten Großes bewirken. „Sie verschaffen emotionale Nähe und Wärme, sie motivieren und beruhigen“, erklärt Borchert. In den Häusern des KKRN sind Hunde daher regelmäßig im Einsatz.

In der Westerholter Einrichtung versieht Hovawart Oscar seinen Dienst als Therapiehund. Im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus ist Labrador-Rüde Marty für den Besuchsdienst zuständig. Auch das Halterner Sixtus-Hospital verfügt über einen Therapiehund. Der fünf Jahre alte Elo-Rüde Balu hat allerdings zurzeit aufgrund der Elternzeit seiner Besitzerin sozusagen Zwangsurlaub.

Freude, Zärtlichkeit und Anerkennung

Therapiehunde setzten vor allem bei demenziell erkrankten Patienten ungeahnte Ressourcen frei, führt Dr. Anette Borchert aus. „Sie geben Freude, Zärtlichkeit und Anerkennung, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.“ Menschen, die sonst in sich gekehrt seien, öffneten sich plötzlich. Auch auf den Blutdruck wirke sich ein Hund positiv aus.„Tiergestützte Therapie bewirkt bei Patienten mit Demenz eine Verbesserung der seelischen und der körperlichen Verfassung“, weiß die Medizinerin.

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Im Sixtus-Krankenhaus ist Balu normalerweise einmal pro Woche im Einsatz. In kleinen Gruppen von drei bis vier Demenz-Patienten ergänzt er die herkömmliche medizinische Therapie, sagt KKRN-Sprecherin Birgit Böhme-Lueg. Manchmal gehe es einfach nur ums Streicheln des Tieres. Doch auch dabei schon werden mitunter motorische Fähigkeiten des Patienten trainiert. Wie auch beim Ballwerfen für den Hund.

Hygienestandards müssen eingehalten werden

Grundsätzlich sei natürlich Voraussetzung, dass der Patient keine Angst vor Hunden habe. „Und auch Hygienestandards müssen eingehalten werden.“ Vor und nach dem Kontakt seien beispielsweise die Hände zu desinfizieren. Zudem hätten Hygienefachkräfte die Einsätze der Hunde begleitet „und alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die gesetzlichen Regelungen zum Besuch von Hunden im Krankenhaus eingehalten werden“, betont die KKRN-Sprecherin.

In der Verwaltungsabteilungen des Katholischen Klinikums Ruhrgebiet Nord hingegen sind Hunde nicht zugelassen. „Viele Mitarbeiter von uns haben Hunde“, erklärt Birgit Böhme-Lueg. Der Rahmen werde gesprengt, wenn alle ihre Tiere zur Arbeit mitbrächten.

Hunde verbessern die Stimmung

Dabei können Hunde natürlich auch im Büroalltag die Stimmung verbessern. So wie in der Redaktion der Halterner Zeitung. Hündin Stella wird dort ab und an zum Dienst mitgebracht. Die Kollegen freut es. „Durch ihre leise Art hat sie eine sehr beruhigende Wirkung“, erklärt Elisabeth Schrief. Der Hund sei „vornehm zurückhaltend“, man bemerke ihn kaum. Und nach einer kleinen Streicheleinheit für den Hund fühle sie sich stets wieder geerdet, so die Redakteurin, selbst ebenfalls Hundebesitzerin.

Natürlich hätten alle Mitarbeiter der Redaktion vorher zustimmen müssen, sagt Redaktionsleiter Benjamin Glöckner. Sobald ein Kollege Angst vor dem Tier habe, möglicherweise sogar allergisch darauf reagiere oder Hygienebestimmungen nicht eingehalten würden, sei dem Tier der Zutritt zum Arbeitsplatz untersagt.

„Mitarbeiter haben noch nie nachgefragt“

Bei den Halterner Stadtwerken - 60 Mitarbeiter sind in der Verwaltung tätig - gibt es keine Hunde. „Das war bisher auch noch nie Thema bei uns“, sagt Sprecher Thomas Liedtke. Daher gebe es auch keine Grundsatzentscheidung in dieser Sache. In den Kundenservice-Büros hingegen seien Hunde inzwischen verboten. „Einige Mitarbeiter fühlten sich von den mitunter großen Tieren bedroht.“

Auch im Halterner Rathaus ist kein Hund zu finden. „Seitens der Mitarbeiter ist aber auch noch nie nachgefragt worden, ob ein Tier mit zur Arbeit genommen werden darf“, führt Sprecher Thomas Gerlach aus. Grundsätzlich aber müsse es auch eigentlich „aus dem gesunden Menschenverstand heraus“ selbstverständlich sein, dass man seine Hunde nicht mit an den Schreibtisch bringe.

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