Caritasverbände: „Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke“

Haltern und Dorsten

Immer mehr Menschen in Haltern und Dorsten lassen sich zu ihren Süchten längerfristig beraten. Das ist ein Ergebnis des Jahresberichtes, den die Caritasverbände nun veröffentlicht haben.

Haltern, Dorsten

, 04.07.2019 / Lesedauer: 2 min
Caritasverbände: „Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke“

Alkoholsucht ist laut den Caritasverbänden immer noch die Suchtform Nr. 1 im Einzugsgebiet. © picture alliance/dpa

„Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke“ - das ist ein Fazit des Jahresberichtes der Suchtberatungsstellen der Caritasverbände Haltern am See und Dorsten. Diese haben nun ihren Jahresbericht 2018 veröffentlicht.

2018 haben 820 Menschen die Beratungsangebote der Caritas genutzt - 477 Männer und 343 Frauen. „606 Personen waren von einer Suchtmittelabhängigkeit beziehungsweise Suchtgefährdung betroffen und 214 (2017: 217) nahmen als Angehörige Kontakt zu uns auf“, teilt die Caritas mit.

Insgesamt sei die Zahl der Personen, die systemisch beraten wurden - also mehrmals Kontakt zu der Beratungsstelle hatten - gestiegen. Waren es 2017 noch 333 Klienten, waren es im vergangenen Jahr insgesamt 401 Personen. Weniger als jeder Dritte habe die systemische Beratung abgebrochen.

Caritasverbände: „Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke“

Das Team des Caritasverbandes in Haltern am See © Caritasverband

Alkoholprobleme sind weiterhin Beratungsthema Nr. 1

Mehr als jede dritte Person, die wegen Alkoholproblemen in die Suchtberatung kam, war laut Caritasverband eine Frau. Insgesamt sei die Zahl der Menschen mit Alkoholproblemen leicht gesunken, während die Beratungsstelle heute öfter Kontakt mit Spielsüchtigen habe. Von den längerfristig betreuten Klienten war rund jeder Dritte bei Beratungsbeginn arbeitslos. „Fehlende Perspektiven am Arbeitsmarkt stellen für viele unserer Klienten eine große Belastung und damit auch ein Rückfallrisiko dar“, so die Caritasverbände. „Hier wären weitere zielgruppenorientierte Angebote und Hilfen zur Reintegration am Arbeitsmarkt wünschenswert.“

Die Suchtberatungsstelle der Caritas bietet suchtgefährdeten Menschen Unterstützung bei Problemen mit Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen (Haltern am See), Spielsucht und Essstörungen. „Es können sich sowohl Betroffene als auch mit einem suchtkranken Menschen verbundene Personen, also beispielsweise Partner, Familienangehörige, Freunde oder Arbeitskollegen an uns wenden“, teilt die Caritas mit. Die Beratungen geschehen zeitnah, kostenlos und auf Wunsch anonym.

„Je eher ein Mensch an seinem Suchtmittelmissbrauch oder der Sucht arbeitet, desto größer sind die Erfolgschancen auf ein selbstbestimmtes Leben“, teilen die Caritasverbände mit.

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Das Team des Caritasverbandes in Dorsten © Caritasverband

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