CDU-Bürgermeisterkandidat Stegemann will „ein Anwalt für die Bürger“ sein

hzInterview zur Kommunalwahl

Er will etwas bewegen, sich der Verantwortung stellen. Im Interview sprach CDU-Bürgermeisterkandidat Andreas Stegemann jetzt über seine Pläne für die „wunderschöne Stadt Haltern“.

Haltern

, 19.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Wir wollten Andreas Stegemann an seinem Lieblingsort treffen. Und so sprachen wir im Garten seines Elternhauses, umgeben von Bienen, Blumen und viel Grün, über seine Bürgermeisterkandidatur, über Politik und Problemlösungen für die Stadt Haltern.

Wir sind hier im Garten Ihres Elternhauses in Holtwick. Was macht diesen Ort zu Ihrem Lieblingsort?

Man sitzt hier mitten in der Natur. Das ist einfach ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Das zeichnet Holtwick aus. Wer die ruhige Erholung mag, ist hier sehr gut aufgehoben. In der Nähe sind die Hexenbuchen, das Naturschutzgebiet Richtung Lünzum, die Wacholderheide - das ist einfach ein schönes Fleckchen Erde.

Wie kamen Sie zu der Entscheidung, Bürgermeister-Kandidat zu werden?
Das ergab sich aus den Umständen. In der ehrenamtlichen Jugendarbeit hatte ich die ersten Berührungspunkte mit Politik. Ich war lange Zeit Landjugend-Vorsitzender und in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als sachkundiger Bürger im heutigen Ausschuss für Generationen und Soziales zu arbeiten. Ich dachte mir, klar, da kann man für Jugendorganisationen vielleicht auch etwas erreichen.

„Als Bürgermeister wäre ich auch Interessenvertreter - nicht von einem einzigen Mandanten, sondern von den Bürgern der Stadt. Letztendlich wäre ich dann so eine Art Anwalt für alle Bürger.“

Dann wurde ich gefragt, ob ich die Nachfolge von Jörg Erbguth, der bis dahin für die CDU Holtwick im Stadtrat saß, antreten würde. Ich habe zugesagt und wurde zweimal mit den meisten Stimmen in diesem Wahlkreis gewählt. In der Fraktion war ich dann fast zwei Perioden lang Geschäftsführer.

Bei den Vorbereitungen für Kommunalwahl stellte sich dann die Frage, wie man sich für die nächste Kommunalwahl und auch in der Fraktion aufstellt. Ich habe mich um den Fraktionsvorsitz beworben und wurde breit unterstützt. Und gefragt, ob ich mir auch vorstellen könnte, als Bürgermeisterkandidat anzutreten.

„Hätte Bodo mich nicht überzeugt, hätte ich wahrscheinlich meine Bereitschaft zur Kandidatur nicht erklärt“, meint Andreas Stegemann im Rückblick.

„Hätte Bodo mich nicht überzeugt, hätte ich wahrscheinlich meine Bereitschaft zur Kandidatur nicht erklärt“, meint Andreas Stegemann im Rückblick. © Ilka Bärwald

Das wäre nicht passiert, wenn Bodo Klimpel für eine weitere Amtszeit angetreten wäre.

Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen?

Es war eine schwierige Entscheidung für mich. Ich konnte mir das zwar grundsätzlich vorstellen, aber ich hätte gerne noch fünf bis zehn Jahre Zeit dafür gehabt. Aber wenn man wirklich etwas bewegen will, dann muss man sich der Verantwortung auch stellen.

Sie haben immer betont, dass Ihnen Ihr Job als Rechtsanwalt sehr gut gefällt. Würde es als Bürgermeister wohl noch schöner werden?
Anwalt ist immer mein Traumberuf gewesen. Mein jetziger Beruf unterscheidet sich gar nicht so groß von dem möglicherweise künftigen. Ich bin jetzt als Anwalt und Interessenvertreter meiner Mandanten tätig. Als Bürgermeister wäre ich auch Interessenvertreter - nicht von einem einzigen Mandanten, sondern von den Bürgern der Stadt. Letztendlich wäre ich dann so eine Art Anwalt für alle Bürger.

Von welchen beruflichen Erfahrungen könnten Sie als Bürgermeister profitieren?
Von meinem juristischen Werdegang. Ich mache bei uns in der Kanzlei auch die verwaltungsrechtlichen Mandate. Und die sachliche Konfrontation liegt mir. Auch Verwaltungssprache und Rechtssprache sind mehr oder weniger gleich.

„Den Charakter der Stadt baulich zu verändern, wäre nicht im Sinne der Einwohner“, sagt Andreas Stegemann.

„Den Charakter der Stadt baulich zu verändern, wäre nicht im Sinne der Einwohner“, sagt Andreas Stegemann. © Ilka Bärwald

Und die politischen Entscheidungen in unserer Heimatstadt sind mir ja auch aus meiner kommunalpolitischen Tätigkeit nicht fremd. Wenn man seit zwei Perioden im Stadtrat sitzt, hat man alle wesentlichen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit entweder mitgestaltet oder zumindest mitbekommen.

Wie würde sich Ihr Führungsstil von dem Bodo Klimpels unterscheiden?
Das ist eine schwierige Frage. Zunächst würde ich mir ein Bild von den Teilbereichen, Mitarbeitern und Strukturen machen. Ich bin eher ein kommunikativer Mensch, hierarchische Strukturen sind etwas für das letzte Jahrhundert.

Sie haben sich kommunalpolitisch hauptsächlich im Bereich Generationen und Soziales engagiert. Wo sehen Sie künftig Ihre Schwerpunkte?
Das ist auch weiterhin mein Schwerpunkt. Der soziale Bereich entspricht auch meinem Werdegang. Beruflich habe ich einen Schwerpunkt im Arbeits- und Sozialrecht. Ich sehe oft die Probleme, die man mit Behörden haben kann, wenn es um Fragen der Bedarfsdeckung geht, also im Rahmen der Grundsicherung oder im SGB-II-Bereich. Ich sehe den Schwerpunkt darin, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Haltern zu stärken, indem man die sozialen Grundvoraussetzungen stärkt.

„Es gibt zwei Arten von Tourismus“, betont Stegemann. Der eine bringe externes Geld für Gastronomie und Handel. „Diesen Tourismus brauchen wir.“

„Es gibt zwei Arten von Tourismus“, betont Stegemann. Der eine bringe externes Geld für Gastronomie und Handel. „Diesen Tourismus brauchen wir.“ © Ilka Bärwald

Es geht um Betreuungsplätze im Kindergartenbereich, um Unterstützung von sozial Schwächeren.

Und natürlich ist in Haltern auch immer die bauliche Entwicklung ein Top-Schwerpunkt.

Erklären Sie uns Ihren Standpunkt.
Wir brauchen mehr Fläche für Wohnraum und auch Gewerbe. Wir haben die höchsten Grundstückspreise, kein normaler Mensch kann sich hier ein Grundstück kaufen und ein Haus darauf bauen.

„Unser Ordnungsamt kann am Silbersee nicht mehr tun als bisher. Für die große Lösung brauchen wir polizeiliche Unterstützung in größerem Stil.“

Den Charakter der Stadt baulich zu verändern, wäre aber nicht im Sinne der Einwohner. Die Leute wohnen ja hier, weil wir eben nicht aussehen wie Teile von Marl. Deswegen sehe ich keine riesigen Klotzbauten mit extrem günstigem Wohnraum an einer gesammelten Stelle in der Stadt.

Wir könnten aber wieder soziale Kriterien anwenden, die im Stärkungspakt unter den Tisch gefallen sind. Ich könnte mir Sozialpunkte für Familien mit Kindern vorstellen, denen städtische Grundstücke dann verbilligt abgegeben werden.

Wie sieht es mit mehrgeschossiger Bebauung aus?

Die CDU steht für Eigenheime, für kleinteilige Bebauung, Ein- und Zweifamilienhäuser. Reihenhausbebauung, aber dann zwei- oder dreigeschossig, ist dort möglich, wo die Bebauung bereits so vorgegeben ist.

Woher wollen Sie die Flächen, vor allem bezahlbare, nehmen?

An der AV-8-Anlage zum Beispiel gibt der Rahmenbetriebsplan Bergrecht bis 2023 vor. Wir brauchen diese Fläche. Sie soll eben nicht renaturiert werden. Die Infrastruktur ist bereits da. Alles, was man für eine vernünftige Gewerbefläche braucht. Auch beim alten Dickerhoff-Gelände entsteht eine Bebauung auf einer Fläche, die zuvor gewerblich genutzt wurde. Das hat den Vorteil, dass es uns nicht angerechnet wird auf unsere zugewiesenen Wohnbauflächen. Es ist ein Bestandsgelände, das umgewidmet wird.

Die CDU schleppt die Kritik zum Wohnprojekt im Elterbreischlag als Last mit in den Wahlkampf. Würden Sie als Bürgermeister zulassen, dass eine solche Entscheidung erneut ohne Beteiligung der Politik durchgewunken wird?
Wenn Bodo Klimpel das gewusst hätte, hätte er es sicher auch nicht zugelassen. Natürlich es dort maximal unglücklich gelaufen. Die Politik bei so einem sensiblen Thema nicht zu beteiligen, insbesondere bei einer deutlichen Abweichung von den ursprünglich vorgestellten Plänen, geht gar nicht. Aber dafür hat sich der Bürgermeister entschuldigt. Wenn ich die Kenntnis in einer baulichen Phase eines solchen Projekts hätte, würde ich natürlich die Politik beteiligen.

Haltern hat Verkehrsprobleme. Mit Inbetriebnahme des neuen Bahnhofsparkplatzes wird sich die Situation an der Glashütte zuspitzen. Nun ist aber das Verhältnis zu Straßen.NRW nicht das Beste. Wie würden Sie mit diesem Konflikt umgehen?
Es ist nicht nachzuvollziehen, dass Straßen.NRW - letztendlich eine Tochter des Landes - Bauvorhaben so auf die lange Bank schieben kann. Mir fehlt das Verständnis, warum Straßen.NRW offensichtlich bei der Stadt Haltern solch hohe Maßstäbe ansetzt. Wenn der neue Bahnhofsparkplatz in Betrieb genommen wird, führt das zum Chaos. Wir haben eine vernünftige Lösung, den Wender, mit dem die Verkehrsströme gut geleitet würden.

Video
Wahl in Haltern: Bürgermeisterkandidaten im Kurzinterview

Die Landesregierung hat eine Umorganisation bei Straßen.NRW durchgeführt, sodass ich die Hoffnung habe, dass es nun anders laufen könnte. Wir werden alle politischen Kanäle, die wir spielen können, auch spielen.

Haltern lebt von Touristen und doch gibt es am Silbersee Spannungen. Wie ist das in Einklang zu bringen?
Wir müssen unterscheiden: Es gibt den Tourismus, den wir brauchen. Wir haben viele Gastronomen und einen gut aufgestellten Handel, eine lebendige Stadt. Und die lebt auch von externem Geld. Die Menschen aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland bringen Geld.

Dann gibt es den Tourismus, bei dem die zum Großteil aus südlichen Nachbarstädten stammenden Leute unsere Badeseen besuchen. Mit Online-Ticketing ist das Problem aber nicht zu lösen. Wenn der neue Betreiber des Silbersees II es schafft, dass die Besucher an der Stelle bei Ticket-Ausverkauf nicht mehr aufs Gelände kommen, ist das für Lehmbrakener Bürger erstmal eine Erleichterung, weil dort nicht mehr zugeparkt wird.

Problematisch ist es dafür an anderer Stelle...

Die Besucher sind jetzt illegal am Nordufer. Die können dort ertrinken, die lassen den Müll dort liegen, es besteht Waldbrandgefahr. Für die Stadt ist das eine Nummer zu groß. Unser Ordnungsamt kann nicht mehr tun als bisher. Für die große Lösung brauchen wir polizeiliche Unterstützung in größerem Stil. Sonst kriegen wir die Leute da nicht weg. Das Online-Ticket ist denen egal. Die kommen trotzdem.

Wie sähe Haltern nach Ihrer fünfjährigen Amtsführung aus?
Am besten noch schöner und besser (lacht).

Zur Person

Andreas Stegemann ist 40 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern (2/4/7). Nach der Schulzeit in Haltern und dem Abitur studierte er in Münster Jura. Sein Referendariat absolvierte er am Landgericht in Bochum. Mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Sozialrecht fing er schließlich als selbstständiger Rechtsanwalt in einer mittelständischen Kanzlei in Recklinghausen an. Bis heute ist er in der Kanzlei Dr. Tykwer, Mecke & Stegemann als Partner tätig. Stegemann lehrt zudem als Dozent an der Akademie für Notarfachwirte.
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