Corona bei Westfleisch: Peter Heckmann in Sorge um Coesfelder Modehaus

hzModeunternehmen Heckmann

Seit sich das Corona-Virus unter Westfleisch-Mitarbeitern ausgebreitet hat, sind die Einkaufsstraßen in Coesfeld leer. Für Modeunternehmer Peter Heckmann aus Haltern ist das ein Dilemma.

Haltern

, 15.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der ersten Mai-Woche wurde bekannt, dass das Coronavirus sich unter den Mitarbeitern des Betriebs von Westfleisch in der Stadt Coesfeld verbreitet hat. 268 von 1033 Mitarbeitern steckten sich mit dem Virus an. Dadurch stieg die Zahl der Neuinfektionen im Kreis Coesfeld rasant - die Marke von 50 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Kreis-Einwohner wurde überschritten, deshalb traten die Lockerungen im Kreis Coesfeld am 11. Mai anders als in Haltern am See nicht in Kraft. Für Peter Heckmann, der neben Haltern seit 2018 auch ein 2000 Quadratmeter großes Modehaus in der Innenstadt von Coesfeld führt, ist das bitter.

„Die Menschen in Coesfeld sind total verunsichert“

„Die Menschen in der Stadt und im Umkreis sind total verunsichert. Die Straßen sind deshalb leer“. Peter Heckmann sieht die Entwicklung mit großen Sorgen. Wieder darf er nur auf 800 Quadratmetern Mode verkaufen. Und das, obwohl das Modehaus voller Ware ist und andere Großflächen wie Baumärkte trotzdem in Gänze öffnen dürfen. „Das macht einfach keine Freude“, sagt Peter Heckmann frustriert.

Umso erleichterter war er, als Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Freitagnachmittag ankündigte, dass die NRW-weiten Lockerungen ab Dienstag (19. Mai) auch im Kreis Coesfeld gelten.

Sorgen bleiben dennoch. 2019 sei die Innenstadt Coesfelds eine große Baustelle gewesen, was bei allen Geschäftsleuten zu Umsatzeinbußen geführt habe. „Wir hofften, in diesem Jahr nun in ruhiges Fahrwasser zu geraten. Und dann kam Corona.“ Die schwierige Situation in Coesfeld belaste natürlich auch das Gesamtunternehmen Heckmann, gibt der 52-Jährige unverblümt zu.

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Die Investitionen in Coesfeld sind auf eine Perspektive von mindestens zehn Jahren ausgelegt. Der Frequenzverlust jetzt in der Krise stellt die Pläne in Frage und die Corona-Pandemie insgesamt versetzt Heckmann und die gesamte Modebranche generell in einen Zustand der Unsicherheit.

Dominanz der Filialisten verhindert Standort-Entwicklung

Es brauche, da ist Peter Heckmann überzeugt, starke Innenstädte mit einem guten Stadtmarketing. Das aber fehle Coesfeld in entsprechender Konsequenz. In der Kreisstadt dominierten die Filialisten, es gebe viel zu wenig Inhaber-geführten Einzelhandel. „Filialisten kümmern sich nicht nachhaltig genug um den Standort, entwickeln keine gemeinsamen und zukunftsorientierten Konzepte“, bedauert Peter Heckmann. Potenzial für die Stadt im Münsterland sieht der Unternehmer durchaus, in Coesfeld stecke viel Kaufkraft. Sie müsse „nur“ deutlich besser entwickelt werden, um Begehrlichkeiten für einen Besuch zu wecken.

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In Haltern ist Peter Heckmann mit seinem Team und nach dem Umbau der beiden Stores stark und mit einer „deutlich positiven Entwicklung“ ins Jahr gestartet - bis zum Lockdown. „Wir liegen nun deutlich hinter den Vorjahreswerten, dieses Defizit werden wir nicht mehr aufholen“, sorgt sich der Unternehmer. Aktuell erziele das Haus zwar durch „Privat Shopping Abende“ tolle Erfolge, aber das sei nur „ein Tropfen für ein riesiges Fass“.

Aktuell sind alle Mitarbeiter noch in Kurzarbeit, aber von Kündigungen wurde bislang Abstand genommen. Allein die Besetzung auf den Flächen und die Öffnungszeiten (verkürzt um eine Stunde täglich) wurden der Situation angepasst.

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