Corona-Infizierte aus Haltern: „Es hat mir die Schuhe ausgezogen“

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Angela Baumann aus Haltern hatte sich Anfang März als einer der ersten Menschen aus Haltern am See mit dem Coronavirus infiziert. Nun berichtet sie, wie sie die Erkrankung erlebt hat.

Haltern

, 23.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit ihrem Mann Peter und Tochter Cora lebt Angela Baumann in Haltern. Er war von 2017 bis 2019 amtierender König der Schützengilde Haltern. Sie arbeitet an einem Gymnasium in Recklinghausen und betreut dort einen autistischen Schüler. Das Frühjahr 2020 wird die kleine Familie vermutlich noch lange in Erinnerung behalten.

Denn: Anfang März hatte sich die 36-Jährige überraschend mit dem Coronavirus infiziert. „Warum es mich erwischt hat, weiß ich bis heute nicht. Ich war nicht im Skiurlaub und hatte nach meiner Erinnerung auch keinen Kontakt zu einer infizierten Person“, blickt sie zurück. Begonnen habe ihre Erkrankung mit einem „ganz leichten Husten“.

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„Abends wollten wir eigentlich mit Freunden in ein Restaurant nach Münster fahren, wir haben uns dann aber dagegen entschieden und uns stattdessen in kleiner Runde privat getroffen“, erinnert sie sich. An Corona habe zu diesem Zeitpunkt niemand gedacht. „Wie sich später herausstellte, hat sich eine Freundin an diesem Abend wohl bei mir angesteckt, weil sie mit meinem Löffel etwas Sahne von meinem Eis probiert hatte. Sie hat es zum Glück nicht ganz so hart erwischt.“

„Schlecht Luft bekommen“

Bei ihr selbst seien die Symptome in den darauffolgenden Tagen immer ausgeprägter gewesen, erzählt Angela Baumann. „Der Husten wurde deutlich schlimmer. Es kamen extreme Kopfschmerzen und Fieber dazu. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr riechen und schmecken. So habe ich noch nie gelegen. Es hat mir die Schuhe ausgezogen“, sagt sie. Richtig erholt habe sie sich erst nach mehr als zwei Wochen. „Ich konnte zwischenzeitlich kaum noch aufstehen, habe auch schlecht Luft bekommen.“

Als Asthma-Patientin gehöre sie zur Risikogruppe. „Meine Familie hat sich schon große Sorgen gemacht. Mein Mann wollte mich sogar ins Krankenhaus bringen.“ Für die 36-Jährige, die früher auch als Krankenschwester auf einer Isolierstation gearbeitet hat, sei die Erkrankung eine „komplett neue Erfahrung“ gewesen. „Ich war in der Vergangenheit eigentlich nie krank, hatte immer gute Abwehrkräfte.“

Ihren Corona-Test, so berichtet die Halternerin außerdem, habe sie „heimlich“ machen müssen. „Es wurden damals zunächst nur Personen getestet, die aus Risikogebieten kamen. Aber dazu zählte ich ja nicht. Irgendwann hat mein Hausarzt den Test dann aber doch gemacht, weil es mir immer schlimmer ging.“ Erst nach mehreren Tagen habe sie dann von ihrem positiven Ergebnis erfahren.

Aufhebungsbescheid der Stadt

Mit dem Gesundheitsamt des Kreises habe sie dann regelmäßig in Kontakt gestanden. „Man hat mich täglich kontaktiert und mich gefragt, wie es mir geht. Aber es war etwas chaotisch. Zwischenzeitlich hatten mich drei unterschiedliche Personen angerufen, um mir die selben Fragen zu stellen. Das war schon komisch und hat mich sehr irritiert“, erzählt die gelernte Heilerziehungspflegerin. „Als ich 48 Stunden symptomfrei war durfte ich die häusliche Isolation wieder aufgeben. Da kam dann auch ein offizieller Aufhebungsbescheid der Stadt.“

Einen weiteren Test habe sie nicht machen müssen. Seit ihrer Wiedergenesung Ende März fühle sie sich „topfit und gesund“, sagt sie. „Spätfolgen sind mir bisher jedenfalls nicht bekannt. Mir geht es gut.“ Einen Antikörpertest habe sie nicht machen lassen. „Insgesamt war es eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen möchte“, sagt sie abschließend.

In Haltern sind seit Ausbruch der Pandemie vom Kreis insgesamt 87 positive getestete Fälle bekannt geworden. 86 davon gelten als genesen. Eine Person ist aktuell mit dem Virus infiziert.

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