Corona-Pressekonferenzen in NRW: Halternerin dolmetscht für Minister

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Alexandra Lorenz ist aktuell viel bei Pressekonferenzen des Landes NRW als Dolmetscherin tätig. Durch die Corona-Krise hat sich Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verändert, erzählt sie.

Haltern

, 30.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pressekonferenzen vom Land NRW gibt es derzeit viele aufgrund der Corona-Pandemie. Besonders NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) beantwortet dort aktuell viele Fragen zur Corona-Krise. Doch auch die Halternerin Alexandra Lorenz ist momentan regelmäßig bei den Pressekonferenzen zu sehen - als Gebärdensprachdolmetscherin.

Der Kontakt entstand über eine Kollegin, die für eine Pressekonferenz angefragt wurde, erzählt sie. Bei den Pressekonferenzen ist die Halternerin nicht alleine, immer zwei Dolmetscher seien vor Ort, um zu übersetzen, erklärt sie.

Übersetzungen benötigen eine hohe Konzentration

Die Übersetzung wird dabei nicht im Vorfeld vorbereitet, sie geschieht simultan zur Pressekonferenz. Die Gebärdensprachdolmetscher erhalten im Vorfeld auch nur die Informationen, die alle anderen auch aus den Ankündigungen der Pressekonferenzen lesen können. Das simultane Übersetzen sei manchmal schon schwierig, sagt Alexandra Lorenz. „Es ist eine hohe Konzentration dafür nötig.“ Das liege vor allem daran, dass beiden Gehirnhälften gleich stark beansprucht werden.

Für die Pressekonferenzen des Landes NRW ist die Halternerin immer vor Ort und steht dabei nur wenige Meter neben den Ministern, die gerade sprechen. „Das ist aber nicht in jedem Bundesland so“, erklärt sie. Genauso wie beispielsweise bei Unternehmensgesprächen gebe es bei Pressekonferenzen ebenfalls auch Ferndolmetscher, die über einen Laptop verbunden sind.

„Die hören dann den Ton und produzieren die Übersetzung“, sagt Lorenz. Dass sie bei NRW-Pressekonferenzen vor Ort sein kann, mache die Arbeit allerdings angenehmer. Der zweite Gebärdensprachdolmetscher positioniert sich dann immer so, dass er den jeweiligen Sprecher nicht nur hören, sondern auch dessen Lippen lesen kann. Denn sie selbst verstehe nicht immer alles, was die Person neben ihr sagt. „Die Lautsprecher sind ja nach vorne auf die Journalisten gerichtet“, erklärt sie. Somit kann sie immer auch auf die Übersetzung des zweiten Dolmetschers zurückgreifen, sollte sie mal etwas nicht verstehen.

„Wir stehen da und dann kommen die reingerauscht“

Das persönlich vor Ort sein habe aber noch einen zweiten Vorteil: Die Dolmetscher bekommen besser die Stimmung der Anwesenden mit. Das sei sehr hilfreich, erklärt Alexandra Lorenz. Für Minister Karl-Josef Laumann hat sie nun schon einige Male gedolmetscht. Seine Tonart und Redeweise sei normalerweise eher brachial, sagt sie. Als die Corona-Krise ihren Anfang nahm, sei er aber wie ausgewechselt gewesen. „Wir konnten an seiner Sprache, seiner Gestik und seinem Gang erkennen, das es ernst ist.“

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Diese drei Aspekte würden ihre Arbeit stark beeinflussen und einen großen Unterschied in der Übersetzung machen. Daran könne sie sehr gut erkennen, welche Aspekte ihm besonders wichtig sind, was sich dann auch auf die Übersetzung auswirkt.

Viel Kontakt mit den Personen, deren Worte sie in die Gebärdensprache übersetzt, hat sie derweil nicht. „Das ist auf die Minute genau getimt“, erklärt Alexandra Lorenz. „Wir stehen da und dann kommen die reingerauscht.“ Nachdem sie nun aber bereits häufiger bei den Pressekonferenzen dabei war, werde sie zumindest nett begrüßt, verrät sie.

Das Dolmetschen bei Pressekonferenzen ist aber nicht die einzige Tätigkeit von Alexandra Lorenz. Sie unterstützt Gehörlose in vielen Situationen, beispielsweise bei Arztbesuchen. Diese Termine habe es in den vergangenen Wochen aber deutlich seltener gegeben, sagt sie. Erst hätten die Ärzte die Termine oft abgesagt, dann die Patienten. „Arzttermine sind jetzt aber wieder im Kommen“, so Lorenz. Aktuell habe sie ohnehin viel zu tun: „In letzter Zeit ging es von einen Termin zum nächsten.“

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