Der Bootsverleih Meilenbrock an der Antoniusbrücke darf aufgrund der Corona-Schutzverordnung nur den Kiosk öffnen. © Elisabeth Schrief

Corona-Regeln vereiteln Tretboot-Touren auf dem Halterner Stausee

Unentwegt klingelt an diesem Sonntag das Telefon. Margret Meilenbrock gibt auf die immer wiederkehrende Frage die immer wiederkehrende Antwort: „Nein, Tretbootfahren ist noch nicht erlaubt.“

Seit drei Jahren führen Wigbert und Margret Meilenbrock den Bootsverleih an der Antoniusbrücke. Übernommen haben sie ihn von Ralf Meilenbrock, der wiederum ist in die Fußstapfen der Eltern getreten, die das Geschäft 1972 aufbauten. Ein beständiger Familienbetrieb also, der bislang hauptsächlich vom Wetter abhängig war, aber noch nie von andauernden Beschränkungen durch eine Pandemie.

Am Kiosk gibt es Getränke, Eis und Süßigkeiten, Wegzehrung für die Wanderer am Stausee. Die Terrasse darf nicht geöffnet werden.
Am Kiosk gibt es Getränke, Eis und Süßigkeiten, Wegzehrung für die Wanderer am Stausee. Die Terrasse darf nicht geöffnet werden. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Es sei gerade keine einfache Zeit, gesteht Margret Meilenbrock, während sie Eis an eine Familie verkauft. Zurzeit lebt das Ehepaar allein von den Kiosk-Einnahmen. Die Boote müssen in der Lagerhalle bleiben. „Wann sie zum Einsatz kommen dürfen, wissen wir nicht“, Margret Meilenbrock würde lieber eine andere Auskunft geben. Auch würde sie gern die Terrassen öffnen, dort die Gäste bedienen und sie die Einzigartigkeit dieses Ortes spüren lassen.

Ein Sinnbild für das, was hier sonst die Existenzgrundlage bietet: Die Tretboote, Paddelboote, Kanadier und Ruderboote sind bis auf diese beiden Exemplare alle noch eingelagert.
Ein Sinnbild für das, was hier sonst die Existenzgrundlage bietet: Die Tretboote, Paddelboote, Kanadier und Ruderboote sind bis auf diese beiden Exemplare alle noch eingelagert. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Dass der Ausblick hier Balsam für die Seele ist, merkt sie, wenn sie trotz allem Optimismus mal einer Niedergeschlagenheit nachhängt. Ihr Mann ermuntert sie dann, den Blick schweifen zu lassen: „Wir haben doch einen der schönsten Arbeitsplätze in Haltern“, lädt er sie ein, die Welt wieder mit anderen, offenen Augen zu sehen. Das hilft, denn eigentlich ist Margret Meilenbrock gerne hier.

Ralf Meilenbrock führte bis vor drei Jahren den Bootsverleih. Unberechenbar war für ihn bis dahin nur das Wetter. Jetzt kämpfen die neuen Pächter Wigbert und Margret Meilenbrock mit den Folgen der Pandemie.
Ralf Meilenbrock führte bis vor drei Jahren den Bootsverleih. Unberechenbar war für ihn bis dahin nur das Wetter. Jetzt kämpfen die neuen Pächter Wigbert und Margret Meilenbrock mit den Folgen der Pandemie. © Jürgen Wolter (A) © Jürgen Wolter (A)

Das Ehepaar braucht einfach nur wieder Verlässlichkeit. Sie hätten auf das Oster-Geschäft gehofft, auf den 1. Mai, auf Christi Himmelfahrt… „Hier ist kein Hot-Spot“, versichert die Geschäftsfrau. Aber der Betrieb ist gefangen in den Regeln wie alle anderen Freizeiteinrichtungen und die Gastronomie auch.

Als im vergangenen Sommer zwischendurch geöffnet war, hätten allein drei Mitarbeiter auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet. Diese Sorgfalt zählt aber jetzt nicht, nur die Inzidenzzahlen für den Kreis Recklinghausen. „Wir hoffen, dass die Lage bald besser wird.“

„Schön hier“ - das ist nicht übertrieben: Der Blick auf den Stausee vom Bootssteg aus ist für das Ehepaar Meilenbrock eine kleine Entschädigung in wirtschaftlich mauen Zeiten.
„Schön hier“ – das ist nicht übertrieben: Der Blick auf den Stausee vom Bootssteg aus ist für das Ehepaar Meilenbrock eine kleine Entschädigung in wirtschaftlich mauen Zeiten. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Der Bootsverleih am Halterner Stausee ist ein beliebtes Ausflugsziel, von hier aus starten Familien und Freunde Touren auf dem Wasser. Über 30 Tretboote, Kanadier, Ruderboote und Paddelboote liegen gewöhnlich in der kleinen Bucht. Margret Meilenbrock merkt, dass die Zündschnur der Psyche allmählich kürzer wird. „Die Ungeduld wächst“, sagt sie. Die Einen sind verständnisvoll, wenn sie sie vertröstet, die Anderen schimpfen aus Frust und Enttäuschung.

Margret Meilenbrock übt sich in Gelassenheit. Bei vielen Fragezeichen weiß sie doch eines ganz bestimmt: „Natürlich halten wir durch!“ Auf die dritte Saison am Stausee werden weitere folgen, da ist sie ganz sicher – während ihr Mann an diesem Sonntag zu Hause vorübergehend alle Hoffnung auf Bochum und den Aufstieg der Fußballmannschaft in die erste Bundesliga setzt. Anmerkung: Letztlich hat das 1:1 für eine Jubelfeier noch nicht gereicht – aber das ist eine andere Geschichte.

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Elisabeth Schrief