Frust nach einem Aldi-Einkauf am frühen Samstagmorgen: Die Corona-Selbsttests waren arg rationiert. © Schrief
Corona-Selbsttest

Corona-Schnelltests bei Aldi: Kunden enttäuscht und verärgert

Warteschlangen vor dem Bäcker und Metzger auf der Weseler Straße, was sollten die Halterner erst beim Discounter Aldi erwarten, der mit Corona-Selbsttests lockte? Auf jeden Fall Enttäuschung.

Als Erster brachte Aldi an diesem 6. März günstige Antigen-Schnelltests in seine Läden. Die Ankündigung ließen Massenansturm und viel Aufregung erwarten. Man assoziierte sofort Erinnerungen an die 90er-Jahre, als Kunden vor den Aldi-Türen um Computer und Fernseher rangelten. Das war damals überall so, auch in Haltern. Aber nicht am Samstagfrüh.

Um kurz nach 7 Uhr sind die Parkplätze an den beiden Aldi-Geschäften an der Recklinghäuser Straße und an der Lohausstraße fast leer und die Lage in den beiden Läden völlig entspannt. Ein Ehepaar kommt gerade zur Tür heraus, beide haben je eine Packung mit fünf Kontrollkits für 24,99 Euro in der Hand.

Im Doppelpack auf früher Einkaufstour

Auf Nachfrage erzählen sie, dass sie ein Geschäft in der Innenstadt führen. Zu ihrem eigenen und zum Schutz der Kunden hätten sie sich eingedeckt. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. Verraten aber noch, dass sie von der Lohausstraße direkt zur Recklinghäuser Straße fahren wollen, um noch einmal den gleichen Einkauf zu tätigen.

Die Abgabemenge ist zunächst auf eine Packung pro Kunde begrenzt. Aber wie sollen das der Kassierer oder die Kassiererin kontrollieren?

Aldi verspricht Nachschub von Schnelltests. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Um 7.04 Uhr heißt es an der Lohausstraße bereits: Ausverkauft! Wie kann das sein? Die Filiale hat lediglich zehn Tests für eine Stadt mit rund 38.000 Einwohnern bekommen. Aber der Kassierer verspricht Nachschub im Laufe der Woche. Später erklärt Aldi Nord, dass die Märkte „in den nächsten Tagen“ mit neuen Selbsttests beliefert würden. „Daran arbeiten wir mit Hochdruck und setzen dabei auf die Lieferfähigkeit unserer Partner“, teilte der Sprecher mit.

Kunden fühlen sich auf den Arm genommen

Beim Aldi an der Recklinghäuser Straße sieht es nicht besser aus. Ein Kunde blickt kopfschüttelnd auf seine Armbanduhr. Wie das um diese Zeit schon möglich sei? Hier gibt es keine Auskunft zur vorrätigen Menge, nur ein ausdrucksloses „wenig“ als Mengenbeschreibung. Natürlich kann die Mitarbeiterin nichts für diese knappe Rationierung, aber der Kunde mochte sich kein Verständnis dafür abringen. Große Versprechen gemacht, wenig gehalten – ein Kunde fühlte sich an Lockvogel-Angebote früherer Jahre erinnert und auf den Arm genommen.

Ein Flaesheimer hat seinen Einkaufswagen prall mit Lebensmitteln gefüllt. Doch er war nicht wegen des Selbsttests gekommen. Den werde er sich auch niemals kaufen. Er sei auf der Hut vor Corona, nachdem er im Kollegenkreis gesehen habe, wie leidvoll ein schwerer Verlauf der Krankheit sein könne. Er trägt eine FFP3-Maske und verordnet sich eine strikt zurückgenommene Lebensweise: So wenig Kontakte wie eben möglich.

Eine andere Kundin macht gleich wieder kehrt, als sie hört, dass die Tests schon ausverkauft sind. Auch sie ärgert sich: Aldi habe großspurige Werbung gemacht und viele damit enttäuscht. Der „Lockvogel“ ist also ausgeflogen, aber er kommt wieder – in der nächsten Woche wollen unter anderem Drogeriemärkte und andere Discounter nachziehen.

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Elisabeth Schrief
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