Corona-Schulstart am Halterner Schulzentrum: „Es ist einfach viel zu heiß“

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Für etwa 2000 Schüler und ihre Lehrer am Halterner Schulzentrum hat am Mittwoch das neue Schuljahr begonnen - bei hohen Temperaturen und mit Maskenpflicht. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Haltern

, 12.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist neun Uhr am Mittwochmorgen und die Sonne prallt schon auf den Schulhof vor der Alexander-Lebenstein-Realschule. Hier haben sich die 150 neuen Fünftklässler zur Begrüßung durch ihren Schulleiter Frank Cremer versammelt.

Nur ein Elternteil darf sie hier begleiten und alle müssen Masken tragen. „Wir können euren Start an dieser Schule leider nicht so gebührend feiern wie sonst und sind ein gutes Stück weit weg von Normalität“, sagt Cremer mit dem Hinweis, dass eigentlich ein Einschulungs-Gottesdienst stattgefunden hätte. „Wir lassen uns das davon aber nicht verhageln und freuen uns trotzdem, dass ihr hier seid.“

Schulleiter Frank Cremer begrüßt die neuen Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof vor der Realschule.

Schulleiter Frank Cremer begrüßt die neuen Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof vor der Realschule. © Pia Stenner

Eltern loben Organisation der Einschulung

Etwas abseits stehen die beiden Mütter Stefanie Meertz und Anja Büsing-Bergmann. Auch wenn die Sorge über steigende Infektionszahlen im Hinterkopf mitschwinge: „Wir müssen da jetzt alle durch und dafür finde ich es super organisiert hier“, sagt Büsing-Bergmann. „Letztendlich haben unsere Kinder ja auch keinen Vergleich, wie die Einschulung normalerweise wäre, deshalb werden sie nichts vermissen“, meint Meertz. Dann geht es für die Kinder auch schon nacheinander in ihre neuen Klassen. „Am Eingang bitte die Hände desinfizieren, daran müssen wir uns jetzt gewöhnen“, erinnert Frank Cremer noch einmal.

Froh, die Mitschüler wiederzusehen

Auch die Schüler aller anderen Jahrgänge starten an diesem Tag in ein neues Schuljahr, in dem alle Fächer wieder nach Plan in der Schule unterrichtet werden. „Das war jetzt auch höchste Zeit“, meint Frank Cremer. „Es ist wichtig, dass wir jetzt wieder in normale Strukturen reingehen, denn das Lernen auf Distanz kann zwar auf Zeit gewisse Ausfälle kompensieren, aber der Präsenzunterricht ist die beste Form zur Wissensvermittlung“, meint er. Auch das soziale Miteinander an der Schule sei wichtig für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Das sehen auch die Schüler selbst so. In einem Klassenraum im ersten Stock wird gerade Englisch unterrichtet. „Wir sind froh, wieder hier zu sein und unsere ganze Klasse wiederzusehen“, sind sich die Zehntklässler einig. Es ist erst die zweite Schulstunde und dennoch ist die Luft im Raum bereits stickig. Die Fenster stehen offen, doch die Rollläden sind herunter gelassen, damit es nicht noch wärmer wird. Mit den Masken sei es sehr anstregend, beschwert sich ein Schüler. „Man kriegt da bei dem Wetter schnell Kopfschmerzen.“

Hitzefrei auch für die Oberstufe

Zwei Schulstunden später, um viertel nach elf, beginnt am Joseph-König-Gymnasium direkt nebenan die zweite große Pause. Die Schüler sollen sich draußen aufhalten und dort weiterhin die Masken tragen. Zwölftklässler Maxim Wachkowiak hat jetzt bereits Schulschluss - eigentlich hat er nur eine Freistunde, doch nach der fünften Stunde gibt es landesweit Hitzefrei. Normalerweise dürfen die Schulen für die Oberstufe kein Hitzefrei mehr geben, doch für diese heißen Tage gibt es wegen der Maskenpflicht eine Ausnahme.

„Es ist einfach viel zu heiß“, sagt Maxim. „Bei den Temperaturen hätte ich wirklich lieber wieder Online-Unterricht gehabt.“ Er findet, es sei eine ziemliche Zumutung, dass die Masken getragen werden müssten. Allerdings sei Abstand halten in der Schule auch überhaupt nicht möglich.

Kein „Corona-ist-vorbei“-Gefühl

Deswegen finden die Freundinnen Julia, Tabea und Jana, die alle in die elfte Klasse gehen, die Maskenpflicht eher gut. „Man macht sich schon Sorgen, hier jetzt wieder mit so vielen Menschen auf einem Fleck zu sein. Da gibt einem die Maske etwas Sicherheit“, sagt Julia.

Die Elftklässlerinnen Tabea, Julia und Jana vom Joseph-König-Gymnasium sind froh, dass es eine Maskenpflicht gibt.

Die Elftklässlerinnen Tabea, Julia und Jana vom Joseph-König-Gymnasium sind froh, dass es eine Maskenpflicht gibt - auch wenn es gegen Mittag immer wärmer und unangenehmer unter der Maske wird. © Pia Stenner

Schulleiter Ulrich Wessel sagt, er habe den Eindruck, dass das „Corona-ist-vorbei“-Gefühl an seiner Schule nicht vorherrsche und es Verständnis für die notwendigen Maßnahmen gebe. So sind auch die Lehrer verpflichtet, die Sitzpläne genau zu dokumentieren. Die Fünftklässler hat Ulrich Wessel am Morgen in der Aula begrüßt - dafür aber ohne Eltern. „Wir haben versucht, das durch Videogrüße der Kirche und von Mitschülern aufzufangen.“

Gerüstet für Rückkehr zum digitalen Unterricht

Direkt in den ersten Wochen an ihrer neuen Schule führe man die Fünftklässler nun auch in die neue Lernplattform des Gymnasiums ein, erklärt Ulrich Wessel. Die Coronapandemie habe in dieser Hinsicht dafür gesorgt, dass die Digitalisierung an der Schule einen Schub bekommen habe. „Für einen zweiten Lockdown wären wir gut aufgestellt. Aber es gibt Grenzen des Online-Unterrichts, die bleiben.“ Die Stadt kümmere sich gerade außerdem darum, dass im Bedarfsfall auch für Schüler, die sich sonst keine Computer leisten können, Rechner da seien.

Die Schulleiter beider Schulen am Schulzentrum hoffen zwar, dass der Unterricht so lange wie möglich in Präsenz weitergehen kann und keine Corona-Fälle auftreten. „Wenn es sein muss, sind wir aber jetzt vorbereitet, von einen Tag auf den anderen wieder zum digitalen Unterricht umschalten zu können“, bestätigt jedoch auch Frank Cremer von der Realschule.

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