Coronavirus: Stadt, Schulen und Altenheime stellen sich auf die neue Lage ein

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Das Coronavirus ist in Haltern angekommen und stellt Stadt, Schulen und Altenheime vor Herausforderungen. Der sachgerechte Umgang hat für die Verantwortlichen Priorität. Ein Überblick.

Haltern

, 11.03.2020, 17:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sei damit zu rechnen gewesen, dass das Coronavirus auch Haltern am See erreicht, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch unmittelbar nach der ersten Eilmeldung über zwei positiv getestete Männer in der Stadt auf Anfrage mit. Der Krisenstab sei bereits vorbereitet, hieß es. Schulen und Altenheime versuchen sich zudem, auf die neue Situation einzustellen.

  • Stadtverwaltung Haltern

Am Mittwoch wurde der Krisenstab der Stadtverwaltung kurzfristig von Bürgermeister Bodo Klimpel einberufen. „Wir stehen mit dem Kreisgesundheitsamt und der Kreisverwaltung in enger Verbindung. Insofern wollen wir auch beruhigend auf die Halterner Bürger einwirken. Sie können versichert sein, dass wir die Lage im Blick haben und auch in Abstimmung mit dem Kreis stets über aktuelle Entwicklungen berichten werden“, erklärte Sprecher Georg Bockey.

Am Donnerstag werde sich Landrat Kai Süberkrüb mit den Bürgermeistern des Kreises und dem Gesundheitsamt treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Dabei gehe es auch um den Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums, nach dem Großveranstaltungen ab 1000 Besuchern entweder abgesagt oder - beispielsweise bei sportlichen Veranstaltungen - ohne Publikum durchgeführt werden müssen.

Für die Zulassung von Veranstaltungen unter 1000 Gästen dagegen sind laut Erlass die Städte und Gemeinden verantwortlich. Hier gelte es nun, einen konkreten Kriterienkatalog zu entwickeln. Am Montag will die Stadt konkret über erste Veranstaltungen beraten.

Klar ist zum aktuellen Zeitpunkt lediglich, dass der Wochenmarkt weiterhin stattfindet. „Er dient der Versorgung der Menschen“, sagte Georg Bockey.

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  • Altenheime

Die aktuelle Lage wird in den Altenheimen der Stadt intensiv verfolgt. „Ältere pflegebedürftige Menschen brauchen jetzt unseren besonderen Schutz, um bei ihnen eine Infektion mit dem Coronavirus möglichst zu verhindern“, erklärte Johannes Böcker, Geschäftsführer der Altenwohnhäuser St. Sixtus.

Die Häuser beteiligten sich aktiv an der Vermeidung von Infektionen. „Deshalb bitten die Katholischen Altenwohnhäuser St. Anna und St. Sixtus alle Angehörigen und Gäste, das Haus nur zu bestimmten Zeiten aufzusuchen.“ Jeder Besucher bekäme dann kurz einige Verhaltenshinweise zum eigenen Schutz und zum Schutz der Bewohner mitgeteilt. Mit einem Stirn-Thermometer werde zudem die aktuelle Körpertemperatur gemessen.

Diese spezielle Maßnahme sei am Dienstag beschlossen worden, teilte Johannes Böcker mit. Ab 37,5 Grad Körpertemperatur werden Angehörige nun gebeten, auf einen Besuch zu verzichten. Die Häuser können nur noch morgens zwischen 10 und 11 Uhr sowie nachmittags von 14.30 Uhr bis 16 Uhr gesichert betreten werden. Die Aufenthaltsdauer ist nicht beeinträchtigt.

Von den Besuchern werden Namen und Telefonnummern notiert, um mögliche Infektionswege nachvollziehen zu können. Man hoffe auf das Verständnis der Angehörigen, richte an diese aber die Botschaft, Besuche insgesamt nicht einzuschränken.

Auch für Lieferanten, Zusteller und andere Partner der Häuser gelten besondere Regeln. So werden Lebensmittel nicht mehr in die Häuser geliefert, sondern außen abgestellt.

In der Seniorenresidenz Sythen am See verfolgt man, was die Besuche angeht, eine andere Strategie. „Wir haben die Angehörigen aufgefordert, ihre Besuche einzuschränken, um die Bewohner zu schützen“, erklärte Leiterin Carmen Susanne Liese im Gespräch mit der Redaktion. Darüber hinaus wurden auch hier umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um den Kampf gegen das Virus aufzunehmen.

Der Wochenmarkt wird auch nach den ersten positiv getesteten Fällen in Haltern stattfinden.

Der Wochenmarkt wird auch nach den ersten positiv getesteten Fällen in Haltern stattfinden. © Wolfgang Koehler

Dazu gehören beispielsweise Hinweisschilder mit den wichtigsten Hygiene-Tipps. An die Besucher werden auch Handzettel verteilt. An die Mitarbeiter wurden Desinfektionsflaschen für die Kitteltasche ausgegeben, die neben den üblichen Hygienemaßnahmen genutzt werden sollen.

Die Einrichtung sei mit allen Mitteln aufgerüstet, die zum Schutz vor dem Virus notwendig seien, darunter auch Schutzkleidung, ließ Carmen Susanne Liese wissen. Über die Intranetseite stünden neben Handlungsanweisungen täglich neue Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Verfügung.

  • Schulen

Am Joseph-König-Gymnasium fallen nun bis zu den Osterferien alle Aufführungen, Elternabende, Klassenfahrten und Schüleraustausche aus. Zunächst hatte es am Dienstag geheißen, dass das Gesundheitsamt des Kreises Ausflüge positiv bescheiden muss, damit diese stattfinden. Das werde jetzt aber in keinem Fall der Fall sein, teilte Schulleiter Ulrich Wessel einen Tag später mit.

Von dem Verbot betroffen sind Aufführungen des Literaturkurses Q1/Q2. Diese sollen am 4. und 5. Juni nachgeholt werden. Ebenfalls ausfallen müssen die Berufsfelderkundungen des Jahrgangs 8, der Boys‘ and Girls‘ Day, die Fahrt nach Ermelo der Klasse 9a (soll im Juni nachgeholt werden), der Elternabend der Q1 am 25. März sowie alle Wandertage und Exkursionen/Unterrichtsgänge.

Rein schulinterne Veranstaltungen wie Mathematik-Wettbewerbe sollen weiterhin stattfinden. „Ziel unserer Bemühungen ist es, Schulfremde möglichst nicht in die Schule zu holen“, so Wessel. Wie es nach den Osterferien weitergehe, sei derzeit noch nicht abzusehen. Man wolle auch keine verfrühten Entscheidungen treffen, so Wessel.

Auch an der Realschule wurde der Ausflug nach Ermelo in den Niederladen ohne Ersatz abgesagt, nachdem das Gesundheitsamt des Kreises erklärte, für keinen Ausflug grünes Licht geben zu können. Bis zu den Osterferien finden keine Wandertage und Ausflüge statt. „Wir haben noch mal unser gesamtes Programm auf den Prüfstand gestellt“, sagte Schulleiter Frank Cremer.

Auch das dreitägige Berufsfeldpraktikum des Jahrgangs 8 Ende März habe man zum Wohl der Schüler abgesagt. Wie es nach den Osterferien weitergeht, ist derzeit noch nicht klar. Cremer: „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“

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