Von der erhöhten Terrasse blickt Jan Visser über das Grün hinweg direkt auf den Halterner Stausee. © Elisabeth Schrief
Aus Amsterdam nach Haltern

Das Haus am Halterner See: „Ich fühle mich wie ein Sonntagskind“

Halterns Haus am See ist optisch betrachtet nicht außergewöhnlich. Dennoch kennt es jeder. Halterns Haus am See ist phantastisch, sagt der Besitzer. Er gab sein Haus in Amsterdam dafür auf.

Jeder, der mit dem Zug nach Münster oder umgekehrt unterwegs ist, sieht es. Jeder, der durch den Westuferpark zur Stadtmühlenbucht spaziert, kommt direkt daran vorbei – am Haus von Jan Visser und seiner Frau Ingmarie.

Als erstes fallen die kleinen Holzfiguren auf, die auf Bohlen thronen und den Gartenzaun weit überragen. Als seien sie Hüter eines geheimnisvollen Ortes. Die graue Allerwelts-Fassade des 1916 gebauten Wohnhauses hingegen verrät nichts. Doch wen Jan Visser durch das Gartentor einlässt, der weiß, was der Eigentümer meint, wenn er von einem „phantastischen“ Wohnort schwärmt. Es ist das Tor zum Paradies.

Jeder, der mit dem Zug nach Münster oder umgekehrt unterwegs ist, sieht es. Jeder, der durch den Westuferpark zur Stadtmühlenbucht spaziert, kommt direkt daran vorbei – am Haus von Jan Visser und seiner Frau Ingmarie.

Rechts der Park, links das Maisfeld, vorn die Bahn, hinten, fast der Welt abgewandt, der Stausee: Mittendrin wohnen Jan und Ingmarie Visser. Der langgestreckte, wilde Garten führt direkt zum Ufer des Halterner Stausees, Wiese und Wasser sind nur durch einen leichten Zaun getrennt. Der See gehört dem Wasserversorgungsunternehmen Gelsenwasser, Zutritt ist nur an wenigen Stellen wie dem Strandbad oder der Stadtmühlenbucht möglich.

Garten liegt im Schutzgebiet, er darf nicht bebaut werden

Hier zu sitzen, die Lichtbrechungen auf dem Wasser und den aufsteigenden Mond zu beobachten, ist fast wie ein Ausflug in die Welt der Poesie. „Hier ist jeder Tag ein besonderer, vor allem im Sommer verspüre ich gar keine Lust, in Urlaub zu fahren“, erzählt Jan Visser bei einem Rundgang durch den 1500 Quadratmeter großen Garten. Der liegt im Trinkwasser- und Naturschutzgebiet und darf nicht bebaut werden.

Hier reifen Äpfel und Pflaumen an den Bäumen und Beeren an den Sträuchern, strahlen Stauden mit der Sonne um die Wette oder wiegen sich Hortensien im Wind. Er erzählt, dass Kinder, Enkel und Freunde gern zu Besuch kommen. Das verwundert nicht. Später bei einem Ingwer-Tee auf der Terrasse erzählt Jan Visser, warum er Amsterdam gegen Haltern getauscht hat.

Rechts die Holzskulpturen als Wächter des Paradieses, vorn der idyllische Garten, im Hintergrund der Stausee: Jan und Ingmarie Visser hoffen, noch lange an diesem Fleckchen Halterns wohnen zu können. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Jan Visser wuchs in Amsterdam auf, hier wohnte er später mit seiner Frau, die gebürtig aus Dorsten-Deuten stammt, in einem eigenen Haus. Ein Luxus, heute kostet dort ein Quadratmeter Eigentum mindestens 5500 Euro.

Vor zehn Jahren stand das Haus zum Verkauf

An Wochenenden war das Ehepaar Visser häufig in der Region des Ruhrgebietes und Münsterlandes, „mein Schwager wohnte direkt gegenüber unseres heutigen Hauses“, sagt der 70-Jährige. Wegen der einzigartigen Lage fand er die alte Immobilie schon immer schön. Als die Besitzerin, eine betagte Dame, vor zehn Jahren das Schild „zu verkaufen“ aufstellte, griffen Jan und Ingmarie Visser zu. Den Kauf haben sie nie bereut. „Wir wohnen schon sehr privilegiert.“ Man kann auch sagen: Exklusiv. Denn niemand sonst hat privat ein Grundstück so nah am See.

Der Blick von der Obstwiese zum Haus. Vissers haben viel Platz und immer gern Besuch. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Die erste große Renovierung galt dem Erdgeschoss der rund 200 Quadratmeter großen Immobilie. Aus kleinen Zimmern wurde – dem See zugewandt – ein großes Zimmer mit Küche, Essecke und Wohnbereich, verlängert durch eine schützende Terrassenüberdachung. Von hier blickt man durch Blumen, Sträucher und Bäume direkt aufs Wasser. „Wir leben wirklich ganz bequem“, das klingt fast wie ein Understatement. Vissers haben nur die Räume modernisiert, in denen sie täglich leben. Der Rest ist geblieben, wie sie ihn übernommen haben.

Ein Zaun trennt das Grundstück vom schmalen Seeufer. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Für den Soziologen ist Haltern Heimat, Amsterdam allerdings ebenso. „An Haltern gefällt mir die Lage zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, es ist interessant die Unterschiede der Kulturen zu entdecken. Und ich als komischer Holländer werde tatsächlich akzeptiert“, schmunzelt er.

Skulpturen stammen von einem „Wandergesellen“

Das Leben in Amsterdam sei hektischer und schneller, auch das mag er. Genauso liebt er es auf der anderen Seite, in Haltern wieder einen „Gang zurückschalten zu können“. „Ich bin nicht auf einem Sonntag geboren, aber ich fühle mich in diesem Domizil als Sonntagskind!“

Eine Holztreppe führt hinauf auf die Terrasse und ins Haus. Überall sieht der Gast Kunst und herrliches Grün. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Die Skulpturen im Garten stammen übrigens von einem Wandergesellen, der vor Jahren mal in Amsterdam bei Vissers übernachtet hat. Später stellte sich heraus, dass dieser Geselle aus Lüdinghausen stammt und Künstler und Schreiner ist. Die Vissers wollen mit diesen kleinen „Geistern“ so lange es geht, an diesem Ort bleiben. Denn hier sei jeder Tag ein besonderer.

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Elisabeth Schrief

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