Bundestagswahl

Das ist der Wahlkreis 122 – SPD-Hochburg seit den 1960er-Jahren

Der Wahlkreis 122 Recklinghausen II gilt seit den 1960er-Jahren als Hochburg der SPD. In der Tat hat hier zuletzt 1961 ein CDU-Direktkandidat bei der Bundestagswahl gewonnen.
Am 26. September wird ein neuer Bundestag gewählt. © picture alliance/dpa

Am Sonntag, 26. September, wird ein neuer Bundestag gewählt. Im Wahlkreis 122 Recklinghausen II, zu dem Haltern, Marl, Datteln, Oer-Erkenschwick und Herten gehören, sind neun Direktkandidaten zugelassen worden. Der bisherige Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis, Michael Groß (SPD), tritt nicht mehr an. Er hatte bei den letzten drei Bundestagswahlen seinen Sitz verteidigen können, zuletzt zog er 2017 mit 41,1 Prozent der Erststimmen wieder in den Bundestag ein (2013: 45,7 Prozent). Auch die Mehrheit der Zweitstimmen konnte sich seine Partei sichern.

Michael Groß, MdB, saß für die SPD drei Legislaturperioden im Bundestag. 2021 tritt er nicht mehr an.
Michael Groß, MdB, saß für die SPD im Bundestag. 2021 tritt er nicht mehr an. © Foto: Kevin Kindel © Foto: Kevin Kindel

Ihm unterlegen war die Halterner CDU-Bundestagsabgeordnete Rita Stockhofe mit 34,5 Prozent der Erststimmen. Auch über die Liste gelang ihr 2017 nicht mehr der Wiedereinzug ins Parlament. Bei den Zweitstimmen holte die CDU zuletzt aber auf – 2017 lagen nur noch 2,3 Prozentpunkte zwischen den beiden Parteien (SPD: 31,7; CDU: 29,4).

Die Dominanz der SPD in dem Wahlkreis – auch wenn sich dessen Zuschnitt über die Jahre immer wieder geringfügig verändert hat – geht bis in die 1960er-Jahre zurück.

58,3 Prozent für Günther Eckerland aus Marl

Erstmals konnte Günther Eckerland aus Marl 1965 den Sitz für die SPD im Bundestag erringen, damals hieß der Wahlkreis noch Recklinghausen-Land und umfasste die Gemeinden Marl, Dorsten, Herten, Westerholt und Kirchhellen. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Marl saß bis 1976 im Bundestag, 1972 erreichte er mit 58,3 Prozent der Erststimmen ein historisch hohes Ergebnis.

Auf ihn folgten Ulrich Steger (drei Legislaturperioden, späterer hessischer Wirtschaftsminister), der Dattelner Kommunalpolitiker und Gewerkschaftler Horst Niggemeier (1987 bis 1994) sowie Waltraud Lehn aus Marl (1994 bis 2009), die 2002 mit 56,6 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Seit 1969 waren SPD-Wahlerfolge über 50 Prozent die Regel, lediglich 1990 und 1994 fielen Niggemeier und Lehn knapp unter die 50er-Marke.

Michael Groß konnte an die goldenen Zeiten, als die Direktkandidaten der SPD verlässlich über 50 Prozent der Stimmen bekamen, später nicht mehr anknüpfen.

Ab 1980 wurde der Wahlkreis neu zugeschnitten und hieß 92 Recklinghausen II: Marl, Dorsten, Datteln, Haltern und Oer-Erkenschwick waren dabei.

1990 änderte sich der Zuschnitt erneut, 92 Recklinghausen II – Borken I wurde erweitert um die Gemeinden Heiden und Reken des Kreises Borken. 1998 kam außerdem Raesfeld hinzu.

Seit 2002 ist das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in 299 Wahlkreise eingeteilt, die alle eine vergleichbare Einwohnerzahl aufweisen. Laut Bundeswahlleiter sollte die Einwohnerzahl eines Wahlkreises „nicht mehr als 15 vom Hundert nach oben oder unten von der durchschnittlichen Bevölkerungszahl der Wahlkreise abweichen“. Tut sie es doch, muss der Wahlkreis neu eingegrenzt werden.

2002 verließen daher die Gemeinden des Kreises Borken den bisherigen Wahlkreis, auch Dorsten wurde einem anderen Wahlkreis zugewiesen. Dafür kam Herten dazu.

Er hieß bis 2009 123 Recklinghausen II und bestand aus Marl, Datteln, Haltern, Herten und Oer-Erkenschwick. Seit 2013 heißt er 122 Recklinghausen II, an der Einteilung hat sich nichts geändert.

Haltern ist eine Bastion der CDU

In den letzten beiden Bundestagswahlen konnte die SPD sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen die meisten Stimmen im Wahlkreis auf sich vereinigen. Während Oer-Erkenschwick, Marl, Datteln und Herten in der Mehrheit rot wählten, ist Haltern eine CDU-Bastion. Hier vergaben 2013 47,92 Prozent der Wähler ihre Erststimme an die CDU-Kandidatin, die Zahl der Zweitstimmen lag bei 44,85 Prozent. 2017 waren es immer noch knapp 46 Prozent der Erststimmen und 39 Prozent der Zweitstimmen, die die CDU in Haltern erringen konnte.

Auffällig ist, dass die Zahl der AfD-Wähler in Haltern mit gut 8 Prozent deutlich unter den Werten der Partei in den anderen Städten des Wahlkreises lag, die dort auf zweistellige Werte kamen. In Marl bekam die Partei 14,17 Prozent der Zweitstimmen, der höchste Wert für die Partei im Wahlkreis 122.

FDP und Grüne holten hier mit 13 und 7 Prozent der Zweitstimmen die besten Ergebnisse unter den Städten des Wahlkreises. Mit 4,51 Prozent der Zweitstimmen erzielten die Grünen in Marl das schlechteste Ergebnis im Wahlkreis 122. Auch die Wahlbeteiligung ist in Haltern bei der letzten Bundestagswahl mit 82 Prozent fast mehr als 10 Prozentpunkte höher gewesen als in den anderen Städten.

Der Wahlkreis 122 umfasste 2017 189.376 Wahlberechtigte. 140.795 von ihnen nahmen ihr Wahlrecht bei der letzten Bundestagswahl wahr, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 74,3 Prozent.

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