Das Mahnmal ist ein in Stein gemeißelter Lernort – ein Denk-mal

Das Mahnmal in Lippramsdorf fordert wieder einmal zum Widerspruch heraus. Geht von ihm immer noch kriegsverherrlichende Aggression aus? Ein Kommentar dazu.
Einen Tag des stillen Gedenkens und der Nachdenklichkeit ist alljährlich der vom Schützenverein gestaltete Volkstrauertag mit Kranzniederlegung am Mahnmal. © Archivfoto Elisabeth Schrief

Das Mahnmal in Lippramsdorf ist das Zeugnis einer Epoche, in der die Niederlage des Ersten Weltkrieges durch in Stein gemeißelte Entschlossenheit wett gemacht werden sollte. Soldaten sinnen heroisch auf eine Revanche. Eine offene Kriegsbotschaft. Geplant war allerdings ein anderes Motiv. Die Lippramsdorfer Bürger wollten damals Krieg darstellen, wie er wirklich war: schrecklich brutal. Der Steinmetz sollte die Bergung eines gefallenen Soldaten durch seine Kameraden darstellen. Eine solche Optik aber passte nicht zur nationalsozialistischen Propaganda und wurde verboten. Unter diesem Aspekt ist das Mahnmal ein Stück unrühmliche Zeitgeschichte.

Zugleich hat das Ehrenmal, wie es genannt wurde, etwas Trostreiches. Jede Familie, die im Ersten und dann im Zweiten Weltkrieg Angehörige verloren hatte, hatte hier einen Ort der Trauer. Denn die Gräber lagen irgendwo unerreichbar am Rande der Schlachtfelder. Es war selbstverständlich, sich an Volkstrauertagen hier gemeinschaftlich gedenkend zu versammeln.

Ein Denkmal hat immer etwas Zeitgebundenes, das in Folgejahren einer Kommentierung bedarf. Längst ist aus dem Ehrenmal ein Mahnmal geworden und längst ist es in einen zeitgemäßen Kontext gesetzt. Das bezeugt nicht nur eine Tafel, das bezeugen auch die Reden, die zu Volkstrauertagen dort gehalten werden. Die Redner erinnern an die gestorbenen Soldaten ebenso wie auch an die vielen Opfer des Nationalsozialismus: Zwangsarbeiter und verfolgte Gruppen. Das Mahnmal ist heute ein Lernort – und keine Schande!