Wurden die Daten eines Halterners aus einem Sonnenstudio geklaut? © picture alliance / dpa

Datenklau im Sonnenstudio: Falsche Frau angeklagt?

Eine Frau holt mit einer gefälschten Vollmacht ein Paket ab. Vor Gericht behauptet sie jedoch, selbst getäuscht worden zu sein.

Das muss ein Schock gewesen sein: Aus heiterem Himmel hat ein Angestellter aus Haltern im vergangenen Jahr Post von einem Inkasso-Büro erhalten. Die Forderung: knapp 300 Euro. Nun beschäftigt der Fall das Recklinghäuser Amtsgericht.

Angeklagt ist jedoch nicht der Mann aus Haltern, sondern eine 24-jährige Frau aus Recklinghausen. Sie hatte in seinem Namen ein Paket mit Turnschuhen und Kleidung abgeholt. Die Lieferung war an einen Paketshop in Recklinghausen geschickt worden. Das Problem: Der Mann hatte überhaupt nichts bestellt, die angeblich von ihm ausgestellte Vollmacht war eine Totalfälschung. Die Forderung des Inkassobüros wollte er deshalb verständlicherweise auch nicht begleichen.

Vorliebe für gebräunte Haut

Als sich die Angeklagte und der Mann aus Haltern nun vor Gericht begegneten, wurde die Verwirrung noch größer. Beide hatten sich noch nie zuvor gesehen, hatten überhaupt keine Überschneidungen in ihrem bisherigen Leben. „Für mich ist sie eine komplett fremde Frau“, so der Zeuge im Prozess. Wie überhaupt in seinem Namen etwas bestellt werden konnte, war ihm ein völliges Rätsel.

Die Auflösung könnte in einer früheren Vorliebe für gebräunte Haut liegen. Der Zeuge hatte vor langer Zeit tatsächlich in Recklinghausen gewohnt, bevor er schließlich nach Haltern umgezogen ist. Und ja, damals sei er dort auch Kunde eines Sonnenstudios gewesen. „Das ist aber schon ewig her“, erklärte er der Richterin.

Paket angeblich für einen Onkel

Um eine Kundenkarte zu erhalten, hatte er auch seinen Namen, seine E-Mail-Adresse und seine Anschrift hinterlassen.

Die Angeklagte wollte im Prozess auch gar nicht bestreiten, dass sie das Paket damals in seinem Namen abgeholt hat. Dabei habe es sich aber um einen Gefallen für eine Freundin gehandelt, die in genau dem Sonnenstudio gearbeitet habe, in dem der Halterner früher Kunde war.

„Meine Freundin hat mich angerufen und gefragt, ob ich schnell ein Paket abholen könnte“, sagte die Angeklagte der Richterin. „Es sollte für einen Onkel sein, auf den auch die Vollmacht ausgestellt war.“ Sie habe sich nichts dabei gedacht.

Falsche Frau auf der Anklagebank?

Sitzt also die falsche Frau auf der Anklagebank? War die 24-Jährige selbst nur Opfer einer Täuschung? Es könnte sein. Die Angestellte des Sonnenstudios soll nun als Zeugin geladen werden. Sollte sie allerdings tatsächlich in den Fall verstrickt sein, dürfte sie die Aussage komplett verweigern. Niemand muss sich schließlich selbst belasten.

Für den Mann aus Haltern ist der Fall damit aber auf jeden Fall erledigt. Er könnte höchstens noch darauf drängen, dass seine Daten im Sonnenstudio endgültig gelöscht werden.

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