Den Tod ins Leben zurückholen

13.01.2008, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haltern Vor zehn Jahren trat der Ambulante Hospizdienst unter dem Dach des Caritasverbandes Haltern an, den Tod ins Leben zurückzuholen, dem Tabuthema seinen Schrecken zu nehmen und durch aktive Hilfe ein menschenwürdiges Sterben in der Familie möglich zu machen.

Am vergangenen Freitag feierten die über 40 ehrenamtlichen Kräfte mit ihrer Koordinatorin Verena Cornelius das Jubiläum im Franziskushaus. Eine illustre Gästeschar zollte der Arbeit des Hospizdienstes Anerkennung.

Enthusiasmus

Ulrich Löbbing erinnerte als erster Vorsitzender des Halterner Caritasverbandes daran, mit welchem Enthusiasmus die Freiwilligen, allen voran Renate Meussen und ihre Familie, Spenden für den finanziell nie auf Rosen gebetteten Dienst gesammelt haben. Beigeordneter Hans-Josef Böing würdigte den "hohen persönlichen Einsatz" der Helfer. Dechant Bruno Pottebaum hob hervor, dass die Sterbebegleiter jedem Menschen auf seinem schweren Weg das Gefühl vermittelten "Du bist wer. Und Du bist nicht allein." Sein evangelischer Amtskollege Andreas Becker lenkte das Augenmerk auf die enorme "psychische und physische Stärke", die für diese Aufgabe mitzubringen ist. Heiterkeit brachte der ehemalige Hausarzt Dr. Wilhelm Schlüter (Foto) mit in sein Grußwort ein. Diese habe er sogar Patienten in ihren letzten Stunden zuteil werden lassen. Dass es an Humor in den eigenen Reihen nicht fehlt, bewiesen Renate Meussen, Doris Thiele und Verena Cornelius, als sie "Die Legende von der Erschaffung des Hospizhelfers" vortrugen. Gott schuf ein Modell mit vier Händen (zum Zupacken), drei Ohren (zum Zuhören), einem Kopf wie ein Rathaus (für Selbstreflexion und Toleranz), einem ganz besonderen Herzen und jeder Menge Tränen.

Zuhören

Für die Ehrenamtlichen, die pro Jahr etwa 50 Halterner Familien oder Einzelpersonen betreuen, ergriff noch einmal Doris Thiele das Wort. Sie beschrieb die Begleitung eines 70-jährigen Krebspatienten. "Zuhören war meine einzige Tätigkeit", berichtete sie von einer besonders intensiven Begegnung. Am Tag vor seinem Tod hat der Sterbende mit ihr und seiner Ehefrau gefeiert und zum letzten Mal den geschätzten Rotwein auf Teelöffeln genossen. siwi

Lesen Sie jetzt