Zwei trockene Sommer in Folge und immer neue Vorschriften: Den Landwirten reicht es - auch in Haltern.

Haltern

, 21.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt immer neue Vorschriften und Regelungen, es hängt einem langsam aus den Ohren raus“, sagt Ludger Winkelkotte, Ortslandwirt in Haltern. Die Bauern artikulieren zurzeit ihren Protest gegen die Politik aus dem Bundesumwelt- und Landwirtschaftsministerium, die ihnen die Existenzgrundlage zu entziehen droht. Viele stellen als Mahnung grüne Kreuze auf ihren Feldern auf. „Wenn alle angedachten Neuregelungen in Kraft treten, wird es in Kürze mehrere Halterner Höfe nicht mehr geben“, sagt Winkelkotte.

Zwei Kreuze hat Luisa Maria Schroer auf den Feldern des Hofes in Tannenberg ausgestellt, dazu eine Textinfo und den Aufkleber: „Respektiere die Arbeit der Landwirte“ angebracht. Die 15-jährige Tochter von Hubert Schroer möchte damit dem stillen Protest der Landwirte Ausdruck verleihen und gleichzeitig über die Gründe für die Aktion informieren. „Da bleiben oft Wanderer stehen, die sich die Texte auch durchlesen“, sagt sie.

Landwirte sehen ihre Existenz gefährdet

Ihr Vater Hubert Schroer, Nebenerwersbslandwirt auf dem Hof mit 30 Hektar Fläche, prangert die zahlreichen Auflagen an, die den Landwirten das Wasser abgraben: „Ich soll 20 Prozent weniger Schweine halten, bekomme aber keine höheren Preise. Wie soll das gehen?“, fragt der Landwirt, der außer Schweinemast auch Getreideanbau betreibt.

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„Im Gegenteil, jetzt strecken die Einkäufer der deutschen Fleischproduzenten ihre Fühler in die USA aus, wo sie noch billigeres Fleisch einkaufen, das in keiner Weise den Tierwohlansprüchen oder unseren Umweltauflagen entspricht. Wenn wir die Auflagen umsetzen müssen, dann müssten die Grenzen für Importe geschlossen werden, sonst kostet es uns die Existenz“, betont Hubert Schroer.

Eine Abordnung der Halterner Landwirte war auch zur Großdemo nach Bonn Anfang der vergangenen Woche gefahren. Immer mehr von ihnen stellen jetzt die grünen Kreuze auf ihren Feldern auf, die symbolisieren sollen: Hier könnte es bald keine Landwirtschaft mehr geben.

Einbußen durch trockene Sommer

Die Landwirte sind sauer und protestieren mit grünen Kreuzen auf ihren Feldern

Die Kreuze sollen den stillen Protrest der Landwirte symbolisieren. © Jürgen Wolter

„Vier oder fünf Kreuze stehen inzwischen auf den Feldern rund um Haltern“, sagt Kreislandwirt Georg Schulte-Althoff, der bei seinen Kollegen nachgefragt hat.

Die beiden trockenen und heißen Sommer haben den Landwirten zugesetzt, jetzt drohen neue politische Verordnungen, die ihnen zu schaffen machen. Düngemittelverordnung, Tierwohl-Siegel, das sind einige Stichworte.

„Die Getreideernte verlief noch zufriedenstellend, weil es zwischenzeitlich noch ab und zu geregnet hat“, zieht Georg Schulte-Althoff ein Fazit des Sommers 2019.

Mais hat die Hitze nicht ausgehalten

„Schlechter ist die Situation beim Mais. Temperaturen über 40 Grad und Trockenheit hält auch diese eigentlich subtropische Pflanze nicht aus“, sagt er. Die Ernteerträge seien je nach Region unterschiedlich, in Haltern seien sie sehr schlecht ausgefallen. „Es gibt Einbußen bis zu 50 Prozent bei der Menge. Außerdem ist die Qualität schlecht, der Mais konnte kaum Früchte ansetzen. Das bedeutet, dass dazugekauft werden muss“, so Georg Schulte-Althoff.

Kartoffeln und Gemüse werden in der Regel beregnet, so der Kreislandwirt. Allerdings treibt das die Kosten in die Höhe. „Außerdem werden bei großer Hitze beispielsweise die Kartoffeln in der Erde auch heiß, da nützt das ganze Bewässern nichts.“

Immer höhere Hürden für Landwirte

Die Landwirte sind sauer und protestieren mit grünen Kreuzen auf ihren Feldern

Respektiere die Arbeit der Landwirte: Diesen Aufkleber hat Luisa Maria Schroer auf die Kreuze geklebt. © Jürgen Wolter

Schulte-Althoff und Winkelkotte befürchten, dass in dieser durch den Klimawandel schon schwierigen Lage durch weitere politische Entscheidungen immer höhere Hürden aufgebaut werden, die die Landwirte in ihrer Existenz bedrohen. „Gesetze zur Düngeverordnung, zur Silage und vieles mehr: Hier werden politische Entscheidungen gefällt, die wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen“, sagt Ludger Winkelkotte.

„Die Debatten um die Landwirtschaft werden heute vor allem emotional geführt, aber ohne fachliche Kompetenz“, sagt Georg Schulte-Althoff. „Wir fordern, dass nicht immer über uns, sondern wieder mit uns geredet wird, bevor Entscheidungen gefällt werden.“ Und Ludger Winkelkotte ergänzt: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass, wenn die jetzt geplanten Vorschriften umgesetzt werden, die Felder bald keine ausreichenden Erträge mehr bringen werden. Ohne Düngung funktioniert das nicht.“ Die Landwirte fordern, dass politische Entscheidungen wieder mit mehr fachlicher Kompetenz gefällt werden.

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