Die Volkshochschule Haltern feiert mit „Spontantheater“ doppelten Geburtstag

hzSchloss Sythen

Zum 40. Geburtstag gab es im vergangenen Jahr keinen Festakt, dafür hat die Volkshochschule Haltern jetzt den 41. Ehrentag groß gefeiert. Im Schloss Sythen gab‘s viele Erinnerungen.

von Stefan Gewecke

Sythen

, 09.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die deutschen Volkshochschulen werden in diesem Jahr 100 Jahre alt. Ein Jubiläum, welches mit diversen Aktionen - einer Sonderbriefmarke, einer eigenen Webseite, einem Dokumentarfilm, einem großen Festakt in der Frankfurter Paulskirche und vielen mehr - umfangreich gefeiert wird. Da ließ sich die Halterner VHS zum 41. Geburtstag auf einem großen Sommerfest auch selbst einmal hochleben.

Gut 120 Gäste, die städtischen Honoratioren, das VHS-Team, viele Dozenten und auch einige Kursteilnehmer hatten den Weg ins Schloss Sythen gefunden. „Wir feiern den 41. Geburtstag, da sich im letzten Jahr einfach nicht die richtige Gelegenheit bot“, sagte Dohmen: „Außerdem sind der 100. Geburtstag und das neue, diesmal jährliche Programm, tolle Anlässe zu diesem Fest.“

„Wir sind flexibler geworden“

Das Programmheft 2019/2020 bietet einiges Neues. „Organisatorisch hat sich am Kursangebot nichts geändert, wir sind aber flexibler geworden,“ erklärte Esther Joy Dohmen. „Kurse können wie immer für ein Semester, jetzt aber auch für zwei Semester gebucht werden. Bei Bedarf können wir im laufenden Semester neue Kurse anbieten.“

Der eigentliche Festakt fand im großen Gartenzelt statt. Die Bürgermeister der beteiligten Städte bedankten sich bei der VHS für ihre ausgezeichnete Arbeit und unterstrichen dessen Wichtigkeit für die Integration von Menschen aller gesellschaftlicher Gruppen in die Gesellschaft. Das eigentliche Highlight des Abends war der Auftritt des Spontantheaters „Piplies und LaMinga“ aus Köln.

Video
Festakt der Volkshochschule

Betty LaMinga und Katrin Piplies werden am Piano begleitet von Andreas Hirschmann. Beim Spontantheater wird der Rahmen einer Szene von den Akteurinnen festgesetzt. Zusätzliche Impulse kommen von Stichworten aus dem Publikum. Die eigentlichen Handlungen und Dialoge denken sich die Schauspielerinnen auf der Bühne spontan aus.

Die Damen taten das mit einer Genialität, die die Gäste schon nach wenigen Minuten fesselte und das Publikum im Laufe der zweistündigen Vorstellung zu Applausstürmen hinriss. Da ging es zum Beispiel um die Eichenprozessspinner, bei der die Schauspielerinnen spontan in Fantasiesprachen wechseln mussten, den nachgespielten Computerkurs, vorgetragen in verschiedenen musikalischen Genres - die Oper war der Hammer! - oder den Tanzkurs für Pudel; skurrile Situationen, die die Akteurinnen in einem Fluss genialer Blitzideen mitreißend präsentierten.

„Zu Beginn waren wir eine reine Männergesellschaft“

Thomas Schulzek, langjähriger ehemaliger VHS-Leiter, erinnerte sich an die Anfänge der Halterner Volkshochschule vor 41 Jahren: „Zu Beginn waren wir eine reine Männergesellschaft.“ Schon von Anfang an konnte die VHS auf gut 100 Dozenten, oft ausgebildeten Lehrern, zurückgreifen. „Wir waren ursprünglich in den Räumen des Alten Rathauses untergebracht. Dann waren wir kurz im Richthof und seit ‚89 konnten wir unsere eigenen Räume in der Muttergottesstiege beziehen. Dann konnten wir auch endlich vormittags Kurse geben,“ erinnerte sich Schulzek.

„Die Nachfrage nach Sprachkursen war immer hoch. Schon zu Beginn gab es viele Deutsch-als-Fremdsprache Kurse, vor allem für Einwanderer aus Russland und Polen. In den 90ern gab es dann den Computerboom. Da war die Nachfrage so groß, dass wir immer zwei Personen an einen Computer setzen mussten. Gearbeitet wurde damals auf MS-DOS-Systemen.“ Schulzek wendete sich an die langjährige VHS-Mitarbeiterin Gunda Mühlenfeld-Anders: „Gunda, wie hieß nochmal das Projekt, das wir damals gestartet haben?“ Die Antwort kam prompt: „FATZ - Frauen, Arbeit, Technik, Zukunft!“.

Die Anzahl der Dozenten stieg auf rund 200

In den 90ern stieg die Anzahl weiblicher hauptamtlicher Mitarbeiter. Das Organisationsteam wuchs, das Kursangebot wurde vielfältiger und dementsprechend stieg die Anzahl der Dozenten und Dozentinnen auf gut 200. Die Bereiche Kunst und Kultur, Gesundheit, unter anderen mit autogenem Training und Yoga, und den Englischkursen für Berufsrückkehrerinnen wurden ausgebaut.

„Wir mussten oft viele bürokratische Hürden nehmen um Fördergelder von den diversen Behörden zu bekommen“ rekapitulierte Schulzek. „Wir haben meterlange Listen ausgefüllt und vor allem die BAMF-Mitarbeiter haben alles ganz genau kontrolliert. Aber die 80 prozentige Erfolgsquote für Festanstellungen nach Praktika gab uns natürlich aussagekräftige Argumente.“

Nach einem leckeren türkischen Buffett, gezaubert von den Damen der VHS-internen Kochrunde und ausgestattet mit zu 100 Prozent kompostierbarem Geschirr, sorgten Juan Carlos Sabater und Band für ausgelassene Stimmung im Festzelt. Draußen prasselte der Regen, drinnen wurde getanzt, die VHS hatte sich die großartige Feier nach einem anstrengenden Jahr verdient.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt