Diese Familie musste aus Haltern wegziehen, weil die Miete zu teuer war

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Haltern ist ein teures Pflaster, wenn man sich die Mieten anschaut. Rebecca Schwerin musste deswegen mit Partner und Kind wegziehen. Ein Anwalt gibt Tipps, wie man das verhindern könnte.

Haltern

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Rebecca Schwerin ist 28 Jahre alt und hat sich den Wegzug aus Hullern nicht leicht gemacht. Hier hat sie 25 Jahre lang gelebt, weitere drei Jahre in Sythen. Viele ihrer Freunde und ein Großteil der Familie leben in Haltern am See. Ihr Vater, eine Schwester und die Neffen.

Hinzu kommt, dass ihr vierjähriger Sohn noch eine Kita in Haltern besucht hat. „Ich wollte ihn sehr ungerne aus dem gewohnten Umfeld rausreißen“, so die Mutter. Umso mehr wollte sie einen Umzug verhindern, aber ohne Erfolg. Die Halterner Mietpreise haben ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Miete war zu teuer, obwohl beide in Vollzeit arbeiten

In Hullern hat sie mit ihrem Kind in einer Zweizimmerwohnung gelebt. Die Kaltmiete betrug etwa 500 Euro, so Schwerin. Als es darum ging, mit ihrem Freund zusammen zu ziehen, suchten sie in der ganzen Stadt und das nicht zu knapp.

Sie durchforsteten über einen Zeitraum von fünf Monaten diverse Immobilienanbieter im Internet und die lokale Tageszeitung. Dabei haben sie täglich bis zu zehn Vermieter angerufen, aber ohne Erfolg. Sie suchten in Haltern, Hullern, Sythen, Hamm-Bossendorf oder Flaesheim eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon oder Garten.

Davon haben sie einige gefunden. Aber es ist vor allem am Preis gescheitert. Die Kaltmiete betrug mindestens 750 Euro. Rebecca Schwerin absolviert eine Ausbildung in der Altenpflege, ihr Lebenspartner ist gelernter Koch. Beide sind in Vollzeit beschäftigt.

In Haltern ist es teurer als in anderen Städten in der Region

Der kleinen Familie blieb nichts anderes übrig, als den Suchradius zu erweitern. Schließlich ist sie Anfang Juni nach Marl gezogen und zahlt dort für eine Vierzimmerwohnung eine Kaltmiete von 590 Euro.

Der Vorsitzende des Mieterschutzbunds Recklinghausen, Claus Deese, ist von den Schilderungen der Familie nicht überrascht. In Haltern am See sind laut dem Fachanwalt für Mietrecht die Kosten für das Wohnen höher, als in anderen Städten in der Umgebung, die von der Größe vergleichbar sind. Als Beispiele nennt er Datteln und Oer-Erkenschwick.

Aus dem Grund sind die Mieten in Haltern höher als im Umland

Gerade Einzelpersonen oder kleinere Familien mit einem Kind, hätten Schwierigkeiten etwas zu finden. Vor allem, wenn sie im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. Ein zusätzliches Problem sei, dass „Haltern den Ruf des gehobenen Standards genießt“, so Deese.

Halterns Verwaltungssprecher Thomas Gerlach bestätigt, dass „Haltern als Stadt mit hohem Wohn- und Erholungswert am Rande des Ruhrgebiets gilt“. Außerdem sprechen für die Seestadt der Stausee und die gute Verkehrsanbindung. Daraus resultiere eine hohe Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt und letztlich auch höhere Preise für die Mieten.

Verhandeln kann bei der Wohnungssuche helfen

Wer bei der Wohnungssuche an seine finanzielle Grenze gerät, dem rät der Vorsitzende des Mieterschutzbunds mit den Vermietern zu verhandeln. Das ginge mit privaten Vermietern eher als mit den Wohnungsbaugesellschaften. Es gestalte sich jedoch generell schwieriger, wenn die Nachfrage relativ hoch ist.

Einkommensschwache Personen haben außerdem die Möglichkeit einen Wohnberechtigungsschein bei der Stadt zu beantragen. Damit haben sie Anspruch auf relativ günstige Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden. Dabei handelt es sich um sogenannte Sozialwohnungen.

In diesem Jahr wurden laut Thomas Gerlach bislang 35 Wohnberechtigungsscheine beantragt, 2018 waren es 85. Sozialwohnungen seien jedoch nicht im Besitz der Stadt, sondern werden entweder von Wohnungsbaugesellschaften oder privaten Mietern angeboten.

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