Dieter Stüber recherchierte Lebensläufe jüdischer Mitbürger

Erinnern und Gedenken

Dieter Stüber hat die Schicksale jüdischer Familien in Haltern von 1925 bis 1945 erforscht und aufgeschrieben. Sein Buch gegen das Vergessen und Verdrängen erscheint am 9. Dezember. Herausgeber ist der Altertumsverein Haltern.

HALTERN

, 27.11.2015, 18:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dieter Stüber schrieb ein Buch über das Schicksal der jüdischen Familien in Haltern. Am 9. Dezember stellt er es gemeinsam mit dem Herausgeber, dem Altertumsverein Haltern, vor.

Dieter Stüber schrieb ein Buch über das Schicksal der jüdischen Familien in Haltern. Am 9. Dezember stellt er es gemeinsam mit dem Herausgeber, dem Altertumsverein Haltern, vor.

Drei Jahre lang hat Dieter Stüber, bis 1990 Leiter der damaligen Hauptschule Drususstraße, geforscht und Quellenmaterial ausgewertet. „Erinnern und Gedenken gegen Vergessen und Verdrängen“ heißt das Werk, das er zusammen mit dem Altertumsverein am 9. Dezember (Mittwoch) um 18.30 Uhr im Foyer der Stadtsparkasse vorstellt.

Es wurde schon viel geschrieben über jüdisches Leben in Haltern. Dieter Stüber verfolgte jedoch einen anderen Ansatz: „Mich interessierten die Einzelschicksale der Familien.“ Die Lebensläufe und Lebensverhältnisse erschloss er sich durch aufwendige Recherchen. Er las unter anderem Standesamts- und Umzugsdateien, Schulakten, Briefe sowie Ratsprotokolle, forschte in Datenbanken von Museen. Eine Befragung von Halternern brachte nicht mehr als Denkanstöße: „Zeitzeugen sind verstorben oder waren Kinder.“

Legendenbildung

Das gefundene Material zeigt, welch großes Ansehen Jugend in Haltern genossen. „Sie verstanden sich als gleichberechtigter Teil der Bürgerschaft.“ Mit der Machtergreifung durch Hitler änderte sich alles. „Die Erziehung zum nationalsozialistischen Geist bedeutete Erziehung zum Rassenhass. Der Kampf gegen Demokratie und Meinungsvielfalt waren die Ursachen für dieses dunkelste Kapital unserer Stadtgeschichte“, sagt Stüber. Die Lebensverhältnisse verkehrten sich schlagartig: „Nichts war mehr gut.“

In Erinnerung der Halterner bleiben die Ereignisse des 8./9. November 1938 als ein Ausbruch von kurzem Volkszorn gegen die Juden. Die Akten sagen etwas anderes: Tagelang wurden die Judenhäuser geplündert und bewacht, rumpelten Pferdefuhrwerke mit den Besitztümern der Juden durch die Stadt, tagelang brannte es. 31 jüdische Mitbürger sind in Lagern getötet worden. Es sei eine Legende, dass angeblich niemand in der Stadt davon gewusst habe.

Ein Appell

Das Buch schließt Erinnerungslücken und bewahrt ein wichtiges Kapitel Halterner Geschichte. „Es ist aber vor allem ein Appell, den Anfängen von Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu widerstehen“, betont Dieter Stüber. Er wertete umfangreiches Quellenmaterial aus, daas bisher nicht beachtet in den Archiven schlummerte.

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