Das Schulzentrum in Haltern. Auch hier findet seit Monaten kein normaler Präsenzunterricht mehr statt. © www.blossey.eu
Schulumfrage

„Digitaler Unterricht kann nur gut sein, wenn er überhaupt stattfindet“

Überforderte Lehrer, instabiles W-Lan, abgehängte Schüler, genervte Eltern: In unserer Umfrage fällt die Bewertung der Digitalisierung an den Halterner Schulen mau aus. Ein Überblick.

Seit fast einem Jahr stellt die Corona-Pandemie unser bisher gekanntes Leben auf den Kopf. Im Alltag davon besonders betroffen sind schulpflichtige Kinder. Ihr Lernen findet seit Monaten – mal mehr, mal weniger – hauptsächlich im Distanzunterricht statt. Wir haben in einer großangelegten Umfrage Eltern, Lehrer und auch Schüler gefragt, wie ihre Schule beziehungsweise die Schule ihrer Kinder sich während der Pandemie digital aufgestellt hat.

Das Ergebnis in Haltern zeigt: Es ist noch viel Luft nach oben. Es hängt viel vom persönlichen Einsatz der Lehrer ab, vom Engagement der Eltern, von der technischen Ausstattung der Schule – auch schon vor Corona. 92 Prozent der Umfrageteilnehmer halten die Digitalisierung an den Schulen auch ohne die Pandemie für essenziell, lediglich 8 Prozent fanden, dass es dringendere Aufgaben gebe. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Umfrage zusammengestellt. Sie ist nicht repräsentativ, aber taugt als Stimmungsbild.

Die Lehrer in unserer Umfrage bewerteten ihren eigenen digitalen Unterricht besser als die Schüler. Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend) gaben sich die Lehrer durchschnittlich eine 7, während die Schüler sie mit 5 bewerteten. Die Eltern gaben dem Digital-Unterricht der Lehrer eine 6.

  • Ein Elternteil aus Haltern kommentierte das folgendermaßen: „Digitaler Unterricht kann nur gut sein wenn er überhaupt stattfindet. Einige Lehrer halten in jeder Schulstunde eine Videokonferenz. Sehr gut! Manche aber nur ausnahmsweise. Es entsteht der Eindruck, dass das an der persönlichen Motivation des Einzelnen liegt. Das darf nicht sein. Wer hier nach einem Jahr immer noch Probleme mit der Technik hat, sollte sich helfen lassen.“
  • Das sieht auch ein weiterer Elternteil so: „Unabhängig von der Ausstattung der Schule, hängt die Qualität des Online-Unterrichtes am Engagement des Lehrers. Es gibt innerhalb der Schule riesige Qualitätsunterschiede.“

Etwas mehr als die Hälfte der teilnehmenden Lehrer gaben an, dass sie vom Schulträger entsprechende Fortbildungen angeboten bekommen hätten, 47 Prozent hingegen hatten keinerlei solcher Angebote bekommen. Mehr als 40 Prozent erklärten, sich alles selbst beigebracht zu haben, 26 Prozent hielten sich hingegen für nicht genügend ausgebildet.

Insgesamt nahmen 136 Halterner Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer an der Umfrage teil. Darunter waren 21 über 16 Jahre alte Schüler, 94 Elternteile (Mutter oder Vater eines schulpflichtigen Kindes) und 21 Lehrerinnen und Lehrer, über alle Schulformen hinweg (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Berufsschule).

Beim Einsatz digitaler Hilfsmittel kristallisierte sich der Einsatz von Emails als bevorzugtes Mittel vor der Corona-Pandemie heraus (63 Prozent), dicht gefolgt von Lernsoftware und Apps (58 Prozent). Weiter hinten lagen Messengerdienste wie Whatsapp oder Telegram (42 Prozent), Lernplattformen (32 Prozent), digitale Arbeitsblätter (21 Prozent) und Videokonferenz-Tools (10 Prozent).

Wenig überraschend: In der Pandemie liefen die Videokonferenz-Tools Emails und Lernplattformen mit 86 Prozent den Rang ab – Mails landeten mit 65 Prozent auf Platz 3 hinter Lernplattformen (68 Prozent). Apps und digitale Arbeitsblätter wurden auch häufiger genutzt als vorher. Messengerdienste landeten auf den hinteren Rängen.

Insgesamt 114 Personen bewerteten den allgemeinen Stand der Digitalisierung an der Schule auf der Skala von 1 bis 10 mit durchschnittlich 5.

Die Frage nach der Qualität des W-Lans an der jeweiligen Schule ergab ein trauriges Bild. Knapp 37 Prozent gaben an, es nicht zu wissen. Knapp 30 Prozent nannten es „instabil und schlecht“, gefolgt von 21 Prozent, die dem W-Lan immerhin eine mittelmäßige Geschwindigkeit und Stabilität bescheinigten. Lediglich 3,5 Prozent wussten von einem „pfeilschnellen Breitbandanschluss“, während knapp 9 Prozent angaben, dass es an der Schule keines gebe.

Bei der Bewertung der Frage, ob die Schule genug tue, um einen guten digitalen Unterricht zu ermöglichen, waren sich die Teilnehmer nicht einig: 33 Prozent antworteten mit „Ja“, 28 Prozent mit „eher ja“, „nein“ bzw. „eher nein“ antworteten 17 bzw. 13 Prozent. 9 Prozent wollten das nicht beurteilen. Sie glauben zudem nicht, dass der digitale Unterricht an Schulen ein vollwertiger Ersatz für den normalen Unterricht sein kann.

  • Ein Elternteil kommentierte wie folgt: „Es fehlt an einem einheitlichen didaktischen Grundsystem. Jeder Lehrer jede Schule handhabt das anders. An der Grundschule hat man das Gefühl, dass die Lehrerschaft der Meinung ist, nach Corona geht das alles wieder normal weiter wie bisher. Das ist aber weit gefehlt und weit entfernt von dem, wo sich unsere Nachbarstaaten bereits befinden in punkto Digitalisierung des Unterrichts.“

Eindeutiger fiel die Antwort bei der Frage nach dem Einsatz der Politik für einen guten digitalen Unterricht aus: 40 Prozent glauben, dass die Politik nicht genug dafür tue. Mit „eher nein“ stimmten 29 Prozent. Lediglich 7 Prozent fanden, die Politik tue genug.

Auch ohne die Corona-Pandemie halten über 60 Prozent der Befragten die Digitalisierung der Schulen für sehr wichtig. Knapp 32 Prozent finden sie wichtig, lediglich 8 Prozent fanden, dass es dringendere Aufgaben gebe.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald
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