Disko-Randale in Haltern: Angeklagter fordert erneut seine Freilassung

hzLandgericht Essen

Im Prozess um die brutale Disko-Schlägerei in Haltern, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verlor, müssen sich die Richter erneut mit der Haftfrage beschäftigen.

Haltern/ Olfen/ Essen

, 03.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist bereits der zweite Anlauf: Im Prozess um die brutale Disko-Schlägerei in Haltern, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verlor, hat einer der Angeklagten am Freitag erneut seine sofortige Freilassung beantragt. Entschieden haben die Richter aber noch nicht.

Ein erster Antrag von Verteidiger Jens Tuschhoff war bereits im März abgelehnt worden. Jetzt also der zweite Versuch. Hintergrund ist die zwischenzeitliche Aussage einer Rechtsmedizinerin aus Münster. Sie hatte im Prozess erklärt, dass die schwere Augenverletzung des Security-Mitarbeiters auch allein durch den Wurf eines Cocktailglases zu erklären sei.

Handy-Video zeigt brutale Faustschläge

Wer es geworfen hat, steht zwar noch nicht fest – der ältere der beiden angeklagten Brüder aber wohl nicht. Das hat bisher niemand behauptet – weder Opfer noch Zeugen.

Genau für ihn hat Verteidiger Jens Tuschhoff nun die Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Begründung: Die Beweisaufnahme habe aus seiner Sicht zwingend ergeben, dass der Glaswurf nicht durch seinen Mandanten erfolgt sei. Auch die schwere Augenverletzung könne ihm nicht zugerechnet werden.

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Fakt ist allerdings auch: Auf einem Handyvideo, das von einem anderen Disko-Gast gemacht und am Freitag im Prozess gezeigt wurde, ist zu sehen, wie der ältere der beiden Brüder mit Fäusten auf den Türsteher einprügelt – und zwar, als dessen Gesicht bereits blutüberströmt war.

Nur Beteiligung an einer Schlägerei?

Diese Schläge seien laut Verteidigung nach Angaben der Rechtsmedizinerin aber offenbar ohne sichtbare Folgen geblieben. Hämatome habe die Ärztin nicht feststellen können. Dem 27-Jährigen könne daher nur eine Beteiligung an einer Schlägerei nachgewiesen werden – keinesfalls ein versuchter Totschlag, wie angeklagt. Aus diesem Grund sei die seit über einem halben Jahr andauernde Untersuchungshaft nicht mehr angemessen. „Ein solcher Vorwurf rechtfertigt für einen nicht vorbestraften, arbeitenden und fest in Familienstrukturen verankerten Angeklagten keine weitere Untersuchungshaft“, so Tuschhoff.

Anklägerin fordert weitere U-Haft

Die Staatsanwältin sieht das allerdings anders. Aus ihrer Sicht darf eine Entlassung aus dem Gefängnis nicht erfolgen. „Das Handy-Video spricht eine deutliche Sprache“, so die Anklägerin im Prozess am Essener Landgericht. „Es handelt sich um heftigste Faustschläge ins Gesicht.“ Das Opfer sei nur noch getaumelt.

Auch Norbert Drees, Anwalt des Olfener Ex-Securitymitarbeiters hat gefordert, den Antrag auf Haftentlassung zurückzuweisen. Die Richter wollen nun beraten.

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