Disko-Schlägerei: Hauptangeklagter äußert sich zum ersten Mal - Opfer stürmt aus dem Saal

hzLandgericht Essen

Im Prozess um das Drama in der Halterner Diskothek Stadtmühle, bei dem ein Security-Mann aus Olfen ein Auge verloren hat, spricht erstmals auch der Hauptangeklagte.

Haltern/Olfen/Essen

, 06.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der Moment, auf den alle gewartet haben. Im Prozess um das unfassbare Prügeldrama in der Halterner Diskothek Stadtmühle hat sich nun auch der Hauptangeklagte zu den Vorwürfen geäußert. An den Moment, als Security-Mitarbeiter Sascha B. aus Olfen sein linkes Auge verloren hat, will er sich jedoch nicht mehr erinnern können.

„Ich habe die Türsteher vor meinem Bruder gesehen“, heißt es in einem von ihm selbst verlesenen Schreiben. „Es war eine laute Diskussion. Dort bin ich hin. Dann kommt ein kompletter Blackout. Ich kann mich an nichts erinnern, was mir vorgeworfen wird.“

„Wünsche das nicht mal meinem größten Feind“

Und direkt an Sascha B. gewandt: „Ich weiß, dass es für das, was passiert ist, keine Entschuldigung gibt. Nicht mal meinem größten Feind würde ich das wünschen. Ich bewundere dich dafür, dass du trotzdem weitermachst und nicht aufgibst.“

Was dann jedoch folgte, waren versteckte Vorwürfe. Der 21-Jährige berichtete, dass seiner Freundin zweimal die Reifen am Auto zerstochen worden sind. „Ich will dich damit nicht verdächtigen, aber es ist halt komisch“, heißt es in dem Schreiben, das er vor Gericht verlesen hat. Und weiter: „Ich bitte dich darum, meine Familie da rauszuhalten.“

Opfer verließ wutentbrannt den Verhandlungssaal

Zur Befriedung der Situation trugen diese Worte natürlich nicht bei. Sascha B., der nur wenige Meter von den Angeklagten entfernt saß, sprang wutentbrannt auf, stürmte aus dem Saal. Es dauerte mehrere Minuten, bis ihn sein Anwalt Norbert Drees wieder so weit beruhigt hatte, dass die Verhandlung fortgesetzt werden konnte.

Nach den zuletzt bekannt gewordenen Drohungen hat das Gericht bereits reagiert und die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Direkt vor dem Saal wurde von den Wachtmeistern eine zweite Kontrolle eingerichtet. Wer den Prozess verfolgen möchte, muss nun auch einen Ausweis vorlegen.

Auch der Verteidiger erhielt eine bedrohliche E-Mail

Der Hauptangeklagte stellte allerdings klar, dass von seiner Seite keinerlei Drohungen ausgesprochen worden sind. Weder er noch sein Bruder hätten etwas damit zu tun. Inzwischen ist auch bei einem der Verteidiger eine bedrohliche E-Mail eingegangen. Die Staatsanwaltschaft ist bereits eingeschaltet.

Den beiden angeklagten Brüdern wird vorgeworfen, in der Nacht auf den 11. August 2019 über den Türsteher hergefallen zu sein. Dabei war auch ein Glas geworfen worden, das direkt im Auge des 48-Jährigen zersprang. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

Lesen Sie jetzt