Der Mann hatte sich am Silbersee 2 in Haltern einen komplizierten Trümmerbruch zugezogen. © Ingrid Wielens
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Dorstener Sportler sollte für Rettungseinsatz am Silbersee in Haltern zahlen

Ein 20-Jähriger aus Rhade zieht sich im verbotenen Bereich des Silbersees 2 einen Trümmerbruch zu. Jetzt sollte er die Kosten für seine Rettung zahlen. Aber das muss er nicht.

Das war schmerzhaft: Vor knapp einem Jahr hat sich ein Parkour-Sportler aus Rhade am Silbersee 2 einen komplizierten Trümmerbruch zugezogen. Da er sich im verbotenen Bereich aufgehalten hatte, sollte er nun die Kosten für den Rettungseinsatz zahlen. Doch das muss er nicht.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat am Freitag klar signalisiert, dass die Stadt Haltern die Kosten selber tragen muss. Daraufhin haben die Behördenvertreter die Forderung wieder zurückgezogen. Insgesamt ging es um 829,13 Euro, die dem 20-Jährigen in Rechnung gestellt worden waren.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen: Hier wurde über den Rettungseinsatz verhandelt.
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen: Hier wurde über den Rettungseinsatz verhandelt. © Jörn Hartwich © Jörn Hartwich

Salto auf dem Strand

Es war im Juli des vergangenen Jahres, als sich der Rhader mit Freunden am Strand des ehemaligen Betriebsgeländes aufhielt. Da er in seiner Freizeit gerne über Treppen, Geländer und Mauern springt, wollte er sein besonderes Talent offenbar auch an diesem Tag vorführen. Ein Salto aus dem Stand, den er eigentlich perfekt beherrschte. Was er jedoch übersehen hat beziehungsweise gar nicht sehen konnte: Direkt unter dem Sand befand sich ein Felsen. Genau darauf ist er gelandet. Die Ärzte stellten später einen Trümmerbruch der Ferse fest.

Feuerwehr kam mit dem Boot

Weil der 20-Jährige vor Schmerzen nicht mehr in der Lage war, sich zu bewegen, hatten seine Freunde die Feuerwehr alarmiert, die ihn mit einem Boot abholte und zum legalen Südstrand brachte. Von dort ging es weiter ins Krankenhaus.

Die Stadt Haltern hatte dem Rhader später vorgeworfen, grob fahrlässig gehandelt zu haben, weil er sich an einem gefährlichen und zudem noch verbotenen Teil des Silbersees 2 aufgehalten habe.

Dass der Bereich offiziell gesperrt ist, ist laut Gericht auch richtig. Die Frage war allerdings, ob der 20-Jährige das auch unbedingt erkennen musste. „Daran kann man Zweifel haben“, so der Richter im Prozess.

Der Parkour-Sportler war nach eigenen Angaben über Trampelpfade an den See gelangt. Dabei sei er zwar an einer Schranke vorbeigekommen, doch die sei offen gewesen.

Strand sieht harmlos aus

Und auch der Richter hatte auf den Fotos, die ihm eingereicht worden waren, keine Verbotsschilder erkennen können. Außerdem mache der Bereich einen eher harmlosen Eindruck. „Der Strand sieht nicht gefährlicher aus als ein gewöhnlicher Strand.“

Der Rhader habe zwar möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit begangen, weil er sich in einem verbotenen Bereich aufgehalten habe. Aber das bedeute nicht automatisch, dass er bei einem Notfall auch die Kosten des Rettungseinsatzes tragen müsse.

Neben den 829,13 Euro muss die Stadt nun auch die Kosten für das Gerichtsverfahren übernehmen. Er selbst konnte sich nach dem Unfall damals monatelang nur humpelnd und auf Krücken fortbewegen.

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Gerichtsreporter

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