Dramatische Bilder von Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer

Ruby Hartbrich

Die aus Haltern stammende Ärztin Ruby Hartbrich war mehrfach an Rettungsaktionen für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer beteiligt. Ihr Vortrag im Alten Rathaus rüttelte die Besucher auf.

Haltern

, 08.10.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dramatische Bilder von Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer

Die Ärztin Ruby Hartbrich berichtete von der Arbeit der Rettungsorganisation Seawatch im Mittelmeer. © Foto: Jürgen Wolter

Das Rettungsschiff Seawatch 2 ist vollkommen überfüllt, rundherum befinden sich weitere Boote mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, die Menschen ertrinken vor den Augen der Retter: Es sind schreckliche, beklemmende Videos, die Ruby Hartbrich (30) den Besuchern im Alten Rathaus am Sonntagmorgen zeigt. Die aus Haltern stammende Ärztin war mehrfach mit der Organisation Seawatch bei Rettungseinsätzen vor der libyschen Küste.

In Haltern berichtet sie auf Einladung des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt über ihre Erlebnisse und entwirft ein realistisches und schonungsloses Bild der Situation.

Flucht aus Libyen

Immer wieder kommen Flüchtlinge in Booten vor allem aus Libyen, einem Land, in dem sie zuvor in Lagern kaserniert, gefoltert, vergewaltigt und wie Sklaven gehalten worden sind. Nachdem sich Italien und die EU-Staaten aus der Seenotrettung komplett zurückgezogen hätten, zu der sie eigentlich verpflichtet wären, haben es unter anderem private Organisationen wie Seawatch (gegründet 2015) zur Aufgabe gemacht, wenigstens einen Teil der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zu bergen, berichtet Ruby Hartbrich in Haltern.

„Die Passage ist die tödlichste auf den gesamten Weltmeeren“, verdeutlicht Ruby Hartbrich die Situation. Die Menschen können nicht schwimmen, treiben auf völlig überfüllten Schlauchbooten, die nicht seetauglich sind. Sie sitzen in einer Mischung aus Benzin, Urin und Erbrochenem dicht an dicht aneinander gepfercht, sind krank, erschöpft und verzweifelt.

Küstenwache treibt die Flüchtlinge zurück

Es wäre eine humanitäre Selbstverständlichkeit, ihnen zu helfen, aber die Politik geht einen anderen Weg, so Ruby Hartbrich. Die Rettungsschiffe werden behindert, dürfen sichere Häfen nicht mehr anlaufen, inzwischen sind fast alle beschlagnahmt und können nicht mehr auslaufen, auch das aktuelle Schiff der Organisation, die Seawatch 3. Die EU finanziere stattdessen libysche Milizen, die den Auftrag haben, als sogenannte Küstenwache die Flüchtlinge wieder zurück nach Libyen zu treiben, oder sie auf dem Meer sterben lassen, wie es von Seawatch mehrfach dokumentiert worden sei.

„Dass zurzeit keine Bilder von Geflüchteten zu sehen sind, bedeutet nicht, dass es keine gibt“, sagt Ruby Hartbrich. „Weil keine Rettungsschiffe mehr vor Ort sind, sterben sie jetzt ungesehen.“

Große Betroffenheit unter den Besuchern

Der Vortrag löste bei den Besuchern im voll besetzten Saal des Alten Rathauses große Betroffenheit aus. Warum sie selbst sich engagiert, begründet Ruby Hartbrich so: „Weil ich privilegiert in Haltern aufgewachsen bin, und das ist nicht mein Verdienst. Ich möchte davon etwas mit den Menschen teilen, die dieses Glück nicht hatten.“

„Was können wir hier vor Ort tun, um unterstützend tätig zu werden?“, lautete eine der Fragen. Neben Spenden seien öffentlichkeitswirksame Aktionen wichtig, findet Ruby Hartbrich.

Der Moderator der Diskussion, Prof. Werner Nienhüser, informierte darüber, dass das Forum die Initiative ergriffen hat, einen Antrag in den Rat der Stadt Haltern einzubringen, dass auch die Seestadt mehr Flüchtlinge aufnimmt und sich als „Sicherer Hafen“ deklariert, um die Unterstützung für die Rettungsaktivitäten zu signalisieren. Weitere Informationen dazu auf der Homepage des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt: www.forumdrv.de.

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