Mit dem Rettungsschirm, der nicht funktioniert, macht Peter Heckmann auf die ausbleibenden Hilfen für den Einzelhandel aufmerksam. © Jürgen Wolter

Dramatischer Appell eines Halterner Einzelhändlers an die Politik

Zweiter langer Lockdown und die Staatshilfen kommen nicht an: Modeunternehmer Peter Heckmann befürchtet eine massive Insolvenzwelle im Einzelhandel - und macht einen Vorschlag.

Mit einem dramatischen Appell hat sich der Haltener Mode-Einzelhändler und -Unternehmer Peter Heckmann bei Facebook an die Politik und die Öffentlichkeit gewandt: Wenn jetzt nichts passiert, rechnet er mit einer massiven Insolvenzwelle. „Erfüllen Sie endlich Ihre Aufgaben!“, fordert Peter Heckmann und spricht dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz sowie den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet direkt an.

Peter Heckmann hat sich der überregionalen Initiative „Wir machen auf – merksam“ des Einzelhandels angeschlossen. Sie weist darauf hin, dass viele Einzelhändler am Ende sind. „Die Läden werden sterben, die Innenstädte veröden“, heißt es dort.

„Was ist das bitte für ein Chaos?“

Peter Heckmann schildert die Situation in seinem Video mit dem Titel „Ehrliche und offene Worte“ am eigenen Beispiel. “Im Frühjahr haben wir alle notwendigen Hygienevorschriften erfüllt, haben inzwischen die Altersvorsorge für mich und meine Familie in die Waagschale geworfen.“ Durch neu aufgenommene KfW- Kredite seien in Zukunft über 70.000 Euro an Zinsen zu zahlen. „Wir haben diesen Weg angenommen, weil wir davon überzeugt waren, dass alles irgendwie gut wird“, so Peter Heckmann.

Video

Interview Peter Heckmann – Einzelhandel-Situation

Dabei habe man die Zukunft des Unternehmens, der 60 Mitarbeiter und ihrer Familien im Blick gehabt. „Wir haben uns auf Sie verlassen“, spricht Peter Heckmann die Politiker an. Im zweiten Lockdown im Dezember seien wieder Milliarden an unbürokratischer Unterstützung zugesichert worden, aber: „Wir haben jetzt Mitte Januar und passiert ist bisher nichts!“ Anträge auf Dezemberhilfe könnten bis heute im Internet nicht gestellt werden. „Was ist das bitte für ein Chaos?“, fragt Peter Heckmann.

„Erfüllen Sie endlich ihre Aufgaben!“

„Wir werden zahlreich in die Insolvenz schlingern, wenn Sie, liebe Politiker, ihre Aufgaben nicht vernünftig lösen“, so Heckmann weiter. „Das, was Sie von uns verlangt haben, verlangen wir auch von Ihnen: Erfüllen Sie endlich Ihre Aufgaben!“ Der Textilhandel müsse im Dezember und Januar die Liquidität erwirtschaften, um die Frühjahrsware bezahlen zu können. Dies sei jetzt nicht möglich: „Unsere Kriegskassen sind leer“, so Peter Heckmann. Eine Verlängerung des Lockdowns bis Ostern werde sein Modehaus und die gesamte Branche nicht überleben, wenn nicht schnell und unbürokratisch geholfen werde. „Reden alleine hilft nicht, machen ist notwendig“, so Heckmann.

Der Halterner Unternehmer fordert, die Hilfen jetzt schnell und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen, sonst würden tausende von Geschäften und hunderttausende von Mitarbeitern von Insolvenzen betroffen sein. „Das, was morgen passiert, können Sie heute beeinflussen.“

Vorschlag: Ware spenden an Bedürftige

Dazu macht Peter Heckmann einen konkreten Vorschlag: Da die Ware, die jetzt nicht verkauft wird, nicht einfach eingelagert werden kann, könnte sie zu einem Wert von 50 Prozent der erlittenen Umsatzverluste gespendet werden: an Flüchtlingsunterkünfte, an sozial Bedürftige oder Obdachlose. Wenn die Hilfseinrichtungen dafür Belege ausstellen würden, die die Unternehmer dann direkt über ihre Steuerberater einreichen könnten, sei sowohl bedürftigen Menschen als auch vielen Unternehmern geholfen „Klingt einfach? – Ist einfach!“, sagt Peter Heckmann. „Dafür braucht man keine komplizierten Programme. Das ist eine Maßnahme mit einfachem Menschenverstand und vor allem: mit Herz!“

Große Resonanz bei Medien und Kollegen

Inzwischen hat der Halterner Unternehmer zahlreiche Reaktionen auf sein Video erhalten. Er hatte sich entschlossen, es zu drehen, „weil mal einer sein Gesicht hinhalten muss dafür“, sagt er im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Nicht nur Hörfunk und Fernsehen haben das Thema inzwischen aufgegriffen, es gab auch viele Reaktionen von Kollegen. „Viele kenne ich gar nicht“, sagt Peter Heckmann.

Was ihn dabei erschreckt hat, ist die weit verbreitete Resignation. „Das ist gut, dass du das machst, aber es bringt nichts mehr“, heiße es oft. Heckmann hofft aber nach wie vor, dass den Worten der Politiker jetzt auch endlich Taten folgen. Über Branchendienste des Textileinzelhandels hat er erfahren, dass eine Lenkungsrunde bei Wirtschaftsminister Peter Altmeier auch sein Video zur Kenntnis genommen hat und dort über die Berücksichtigung der Warenbestände bei den Hilfen diskutiert wird.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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