Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ehemaliges Truppenübungsgelände bleibt geschlossen - Sandabbau „kein Thema“

hzLavesumer Truppenübungsplatz

An einem Sandabbau auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lavesum scheint kaum Interesse zu bestehen. An einer Öffnung ebenso wenig. Zumindest erklären das die beteiligten Parteien.

Lavesum

, 16.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Er zählt zu den wertvollsten Naturlandschaften Nordrhein-Westfalens, die eine besonders große Artenvielfalt aufweisen. Der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge mit seinen Heide- und Moorgebieten steht als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und EU-Vogelschutzgebiet unter höchstem europäischem Naturschutz. Er besteht aus zwei Teilen.

Der insgesamt 1570 Hektar umfassende Gebietsteil Borkenberge zwischen Sythen, Dülmen und Lüdinghausen-Seppenrade ist bereits 2015 als „Nationales Naturerbe“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) übergeben worden. Die gemeinnützige Tochter der DBU, die DBU Naturerbe GmbH, übernahm das Gelände. Zwei Strecken sind dort bekanntlich bereits der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Auch 350 Hektar des zweiten Geländes im Lavesumer Bruch - die gesamte Teilfläche südwestlich des Hülstener Wegs - wurden inzwischen der DBU Naturerbe GmbH überschrieben. Über die Zukunft der dort noch verbleibenden, mit 1100 Hektar mehr als dreimal so großen Fläche dieses zweiten Truppenübungsplatzes, die derzeit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehört, streiten sich die Geister allerdings noch. Eine öffentliche Nutzung des Geländes ist überhaupt nicht in Sicht.

Gerichtsverhandlungen sind noch nicht beendet

Es gibt Verhandlungsgespräche. Und Gerichtsverhandlungen. Ende offen.

Bei Fragen zu dem riesigen Gelände, das sich von der Granatstraße aus oberhalb des Ketteler Hofs Richtung Sythen bis zur Autobahn 43 zieht, hält sich die Bima bedeckt. Aufgrund der laufenden Verfahren und der parallel geführten Verhandlungen könne die Bima derzeit keine näheren Angaben machen, erklärte Sprecher Thorsten Grützner in Bonn.

Nur so viel: „Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben führt zurzeit Verkaufsverhandlungen über Teilflächen mit rückerwerbsberechtigten Alteigentümern und mit Inhabern von privatrechtlichen Sandabbaurechten“, ließ der Sprecher die Halterner Zeitung wissen. Die Klärung einiger in diesem Zusammenhang aufgeworfener Fragestellungen sei momentan auch Gegenstand gerichtlicher Verfahren. Thorsten Grützner: „Ob und wann die Verhandlungen beendet sein werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen.“

Mehrere Parteien streiten sich

In den Streit sind einige Parteien verwickelt. Zum Beispiel der Herzog von Croy. Dem hatte die Bima schon vor zwei Jahren rund 740 Hektar des ehemaligen Truppenübungsplatzes in Lavesum zum Verkauf angeboten. Die Fläche ist allerdings deutlich größer als die damals vom Herzog für das Truppenübungsgelände zur Verfügung gestellte Fläche. Auch einige Landwirte, die ihren Grund und Boden damals günstig verkauft hatten, damit britische Streitkräfte dort ihre Soldaten ausbilden konnten, kämpfen jetzt um ihr Rückkaufsrecht.

Und dann sind da noch die Quarzwerke. „Wir sind dabei, „Eigentumsfragen zu klären und Verhandlungen zu führen“, sagte Dr. Thomas Pütter, im Konzern Leiter der Rohstoffsicherung, jetzt auf Anfrage. Das Unternehmen hatte bereits im Jahr 2000 Probe- und Erkundungsbohrungen in dem Gebiet durchgeführt. Die Ergebnisse waren stets zufriedenstellend. „Lavesum ist eine gute Lagerstätte“, stellte Pütter fest.

Quarzwerke nehmen andere Flächen ins Visier

Wie der Konzernsprecher aber ausführte, sei ein geplanter Sandabbau inzwischen eher an anderer Stelle als in dem umstrittenen Gebiet das Ziel. Ausgehend vom Silbersee I, wo der Tagebau seit geraumer Zeit betrieben wird, wolle sich das Unternehmen mit dem Sandabbau nun nach Nordosten und Süden ausweiten. Dazu laufe bereits ein bergrechtliches Verfahren. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung solle schon bald erfolgen, so Pütter weiter.

„Mit einem erfolgreichen Ausgang des Verfahrens rechnen wir im Jahr 2021“, hieß es. Pütter: „In dem Fall wäre die Rohstoffversorgung der Quarzwerke in Haltern für die nächsten 25 Jahre gesichert.“ Aus diesem Grund stehe der ehemalige Truppenübungsplatz Lavesumer Bruch nicht mehr im Fokus der Quarzwerke.

Herzog von Croy denkt nicht primär an Sandabbau

Auch der Sprecher der von Croy´schen Verwaltung in Dülmen räumte Sandabbau-Plänen eine eher untergeordnete Rolle ein. „Nach der damaligen Enteignung gehe es nun vornehmlich darum, ehemalige Eigentumsflächen zurückzubekommen“, erklärte der Generalbevollmächtigte Joachim Menke. Die Förderung von Sand halte er in dem FFH-Schutzgebiet „selbst bei optimistischer Betrachtung für nahezu undenkbar“. Trotzdem stehe der Sandabbau grundsätzlich nicht in Widerspruch zum Naturschutz, meinte er. Mit weiteren Ausführungen hielt sich auch Joachim Menke zurück - mit Hinweis auf das derzeit schwebende Verfahren.

Jetzt lesen

Naturschützer machen sich große Sorgen über die künftige Nutzung des Geländes vor den Toren Halterns. Es handele sich um naturschutz-fachlich bedeutsame Flächen, hatten die Halterner Grünen stets betont. Mit dem Abbau von Sand seien sie gefährdet.

DBU denkt nicht an Öffnung in Lavesum

Die DBU Naturerbe GmbH hat noch keine konkreten Planungen hinsichtlich der 350 Hektar großen Fläche. Derzeit läuft dort noch die Biotoptypenkartierung. Hinsichtlich weiterer Gebietsöffnungen auch nach Öffnung der zweiten Radstrecke im nur sechs Kilometer entfernten Gebiet Borkenberge macht sich die DBU-Tochter aber keine Gedanken. „Schon gar nicht in Lavesum“, war von Betriebsmanager Michael Diekamp zu hören. Zunächst einmal mache es überhaupt keinen Sinn, dieses Thema vor dem Ausgang der zahlreichen Verfahren anzugehen. Darüber hinaus hielt Diekamp eine baldige Öffnung des Truppenübungsplatzes im Lavesumer Bruch auch aus einem anderen Grund für relativ utopisch: „Die Flächen sind wie in den Borkenbergen auch mit Munition und Granaten belastet“, sagte er. Für die Öffentlichkeit sei das schlicht zu gefährlich.

Lavesumer Bruch, Borkenberge und Heubach-Teiche

Ein ausgewiesenes europäisches Schutzgebiet

Die Borkenberge gehören zusammen mit der Heubachniederung Lavesumer Bruch und den dortigen Teichen zum EU-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie/FFH). Auf beiden Übungsplätzen konnten sich großflächige, halb offene Heide- und Moorlandschaften erhalten, wie sie für die vorindustrielle Kulturlandschaft des Münsterlandes charakteristisch waren. Es gibt eine ausgeprägte Artenvielfalt, darunter Brutbestände von Heide- und Feldlerche, Ziegenmelker, Wiesenpieper und Falkenarten. Auch Amphibien und Reptilien wie Moorfrosch, Kleiner Wasserfrosch, Kreuzkröte, Zauneidechse und Schlingnatter kommen hier vor.
Lesen Sie jetzt