Straßen.NRW macht Raupen mit Gift den Garaus - das gefällt nicht jedem

hzEichenprozessionsspinnerraupen

Straßen.NRW ist nicht zimperlich bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinnerraupen. Der Einsatz von Bioziden gefällt nicht jedem. Nicht der Stadt Haltern, nicht den Halterner Grünen.

Haltern

, 20.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eichenprozessionsspinner (EPS) haben sich in ganz Nordrhein-Westfalen pestartig ausgebreitet. Die EPS-Raupen bilden in einem ihrer Entwicklungsstadien die für Menschen gefährlichen Haare aus - deshalb hat Straßen.NRW den Kampf mit Biozideinsatz gegen die Falter aufgenommen, die sich wegen der trockenen heißen Jahre in unserer Region rasant vermehrt haben.

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Was Straßen.NRW indes als Erfolg feiert - durchschnittlich 70 bis 90 Prozent weniger Nester habe man nach dem Einsatz der Biozide verzeichnet - sehen die Halterner Grünen kritisch. Sie sorgen sich um den Fortbestand anderer Arten. Und auch die Stadt Haltern ist nicht für den Einsatz von Bioziden auf ihrem Stadtgebiet.

Ulrike Doebler, Fraktionsgeschäftsführerin der Halterner Grünen, erwartet Antworten. Sie sagt: „In der Vergangenheit haben sich Biozideinsätze immer noch als unkalkulierbare Freilandversuche mit erst nachträglich erkennbaren Ökosystemschäden erwiesen.“ Doebler möchte gerne wissen, welches Mittel genau eingesetzt worden ist, um die EPS-Raupen zu bekämpfen.

Bacillus Thuringiensis lässt Raupen austrocknen

Straßen.NRW verweist auf eine Mitteilung aus dem Frühjahr. Aus ihr geht hervor, dass das Bodenbakterium Bacillus Thuringiensis einer Flüssigkeit zugesetzt wird, die dann in den befallenen Bereichen aus den Düsen der Spezialfahrzeuge der Behörde versprüht wird. Laut Waldwissen net wirke sich dieses Biozid nur auf einige wenige Arten tödlich aus. Diese Arten müssten dazu noch eine spezielle Disposition mitbringen, damit das Mittel seine toxische Wirkung entfalten kann.

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Menschen müssten bei der Anwendung allerdings Sicherheitsvorkehrungen beachten, um keine Schäden davonzutragen. Insektenarten wie Bienen oder Nutzinsekten wie Florfliegen, Schlupf- und Erzwespen sowie Raubmilben könne das Biozid bei bestimmungsgemäßem Gebrauch aber nichts anhaben, heißt es auch.

Stadt setzt keine Biozide im Kampf gegen EPS ein

Eine Nachfrage von Ulrike Doebler bei der Stadtverwaltung Haltern ergab, dass die Stadt keine Biozide im Kampf gegen die Schädlinge einsetzt. Sie sei allerdings im Vorfeld auch nicht von Straßen.NRW über den Einsatz mit diesem speziellen Mittel informiert worden. Die Landesbehörde müsse das auch nicht tun, räumte die Stadt auf Nachfrage von Doebler ein.

Ob und wie der Einsatz von Straßen.NRW mit den Naturschutzbehörden abgestimmt worden ist, konnte nicht abschließend beantwortet werden. In einer früheren Stellungnahme sagte eine Sprecherin von Straßen.NRW, dass sie davon ausgehe. Die Stadt hat Straßen.NRW angeschrieben und wartet auf Antwort, teilte Stadtsprecher Thomas Gerlach mit.

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