Das kleine Wäldchen (Mitte) zwischen Wohnsiedlung Erikastraße und Münsterstraße soll teilweise für neue Häuser abgeholzt werden. © 3dRuhr
Bebauung in Sythen

„Ein Naturparadies in Haltern wird neuer Wohnbebauung geopfert“

Die geplante Bebauung an der Erikastraße in Sythen gefällt Anliegern gar nicht. Zumal dafür teilweise ein Wäldchen gerodet wird. Die Stadt aber hat keine Bedenken gegen eine Baugenehmigung.

Ein kleines Wäldchen schirmt die Erikastraße in Sythen von der Münsterstraße ab. Nun soll dort gebaut werden. Jörg Jäger (Ingenieurbüro für Baumanagement, Haltern) plant und baut dort ein Reihenhaus mit drei Parteien und ein Doppelhaus. Investor und Vermarkter ist Wessel Immobilien aus Haltern-Lavesum. Junge Bauwillige haben bereits Grundstücke für sich reservieren lassen.

Die Bauvoranfrage ist von der Stadt positiv beschieden worden. Im Oktober soll die Fläche für die Projekte vorbereitet werden. Die Investoren werden aber, so Jörg Jäger, nicht komplett abholzen.

Petra Drong, eine gebürtige Sythenerin, ist ziemlich verärgert: Ein über Jahrzehnte gewachsenes Naturparadies werde aus kommerziellen Gründen abgeholzt. Sie erzählt aus der Vergangenheit. „Ich bin in den 50er und 60er Jahren in einem Haus gegenüber dem Wäldchen aufgewachsen. Dieser angeblich wilde Wald stand damals schon genauso da. Lediglich ein paar Birken überlebten die trockenen Sommer nicht. Dafür sind Buchen und Eichen inzwischen zu beachtlichen Bäumen herangewachsen.“

Flächennutzungsplan weist eine Wohnbaufläche aus

Entstanden sei ein ökologisch besonders wichtiger, durchaus nicht wilder Mischwald. An seiner Grundfläche habe sich, bis auf einen, mit einem Einfamilienhaus bebauten Streifen an der Wacholderstraße, bis heute nichts geändert.

1972 hatte ein Privatmann das Grundstück gekauft, um dort einen Kohlenhandel aufzumachen. Daraus ist allerdings nie etwas geworden. Die nachfolgende Generation hat nun die bewaldete Fläche veräußert. Aus dem Areal werden Erbpachtgrundstücke zugeschnitten, die je Haus zwischen 650 und 700 Quadratmeter groß sind. Zum Garten gehört immer ein kleiner Waldanteil zur Münsterstraße hin. Zwei Grundstücke sind im Besitz der Stadt.

Die Stadt sieht keinen Grund, die Bautätigkeit abzulehnen. Wie Stadtsprecher Thomas Gerlach mitteilt, stellt der Flächennutzungsplan diesen Bereich als Wohnbaufläche dar. „Außerdem liegt die Fläche innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile.“ Gerlach betont auch, dass die Bäume deshalb ersatzlos abgeholzt werden dürften. Die Stadt spricht davon, dass der Wald seit vielen Jahren dort bestehe und sich vermutlich wild weiterentwickelt habe.

Sythenerin möchte nicht, dass das „Kleinod“ zerstört wird

Petra Drong kann sich mit dem Bauprojekt nicht anfreunden. „Heute freuen sich Meisen, Rotkehlchen und Heckenbraunellen über Brombeeren, Schlehen, wilde Pflaumenbäume und anderes vogelfreundliche Gesträuch, mehrere kleine Eichen sind zu finden.“ Der Planer nenne das „minderwertigen Aufschlag“, wohl um das Projekt schön zu reden.

Die gebürtige Sythenerin möchte wie andere Anwohner nicht, dass dieses Kleinod zerstört wird. Neue Bauvorhaben gebe es augenblicklich genug. Warum, fragt sich Petra Drong, richtet sich die Stadt nach einem Flächennutzungsplan aus den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals hätten noch ganz andere Maßstäbe in Sachen Natur- und Umweltschutz gegolten.

Bauamt: „Wir haben die Anwohner informiert“

„Wann erkennt die Stadt Haltern endlich, dass auch sie ihren Beitrag zum Erreichen wichtiger CO2-Ziele leisten muss, gewiss nicht durch das Roden von Waldflächen.“

Eine formelle Öffentlichkeitsbeteiligung hat es in diesem Fall nicht gegeben, weil kein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden musste. Thomas Gerlach: „Trotzdem hatten die Anwohner Einsicht in die Entwurfsplanung und wurden durch das Bauamt entsprechend informiert.“

Sandra Lindemann hat eine Petition an den Bürgermeister der Stadt Haltern am See gestartet: „Lasst uns das Wäldchen retten!“ Über 240 Unterschriften hat sie bislang gesammelt.

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Elisabeth Schrief

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