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Nach Arbeitsunfall in Haltern: So sieht’s in einem Rettungshubschrauber aus

hzLuftrettung

Es geht um Leben und Tod, wenn Ulrich Weigang (43) in seinen Hubschrauber steigt. Nach einem Einsatz in Haltern am See hat er uns die Ausstattung seines fliegenden Arbeitsplatzes gezeigt.

Haltern

, 03.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Ulrich Weigang zur Arbeit geht, weiß er nie, in welche Stadt es ihn diesmal verschlägt. Der 43-Jährige ist Hubschrauberpilot bei der DRF Luftrettung, er wird gerufen, wenn Schwerverletzte schnell in Spezialkliniken gebracht werden müssen. Am Dienstag (30. April) war er in Haltern am See im Einsatz. Eine tonnenschwere Stahlplatte war auf einem Firmengelände auf einen 47-Jährigen gestürzt und hatte ihn eingequetscht.

„Ich bin schon zur Patientenverlegung in Italien gewesen“, erzählt Ulrich Weigang zwei Tage nach dem Einsatz: „Ein anderes Mal hatte ich einen Flug von Freiburg nach Enschede.“ Stationiert ist er mit seinem Hubschrauber BK117 am Dortmunder Flughafen. Im Alltag sei er in einem Radius von etwa 100 Kilometern rund um Dortmund in Einsatz.

Nach Arbeitsunfall in Haltern: So sieht’s in einem Rettungshubschrauber aus

Im Cockpit des Hubschraubers gebe es praktisch keine unwichtigen Messinstrumente, sagt Pilot Ulrich Weigang. Man müsse sich selbst eine Routine schaffen, alle nacheinander im Blick zu haben. Wird irgendwo der Druck oder die Temperatur zu hoch, muss der Pilot die Leistung drosseln. © Kevin Kindel

Im Zivildienst sei er im Rettungsdienst tätig gewesen, eine ärztliche Ausbildung hat der Pilot aber nicht, der immer mit einem Arzt oder einem Sanitäter unterwegs ist. Erste-Hilfe-Kurse sind in seinem Einsatzbereich aber regelmäßig Pflicht. „An Bord sind wir ein Team“, sagt Ulrich Weigang. Der Mediziner passt mit auf, wo der Pilot zum Beispiel landen kann, der Pilot hat auch ein Auge auf den Patienten.

Der Rettungshubschrauber ist normalerweise mit 240 km/h auf einer Höhe von etwa 500 Metern unterwegs. Während des Fluges kann der Patient übrigens nicht versorgt werden. „Wir können ihn nur überwachen und den Kreislauf aufrechterhalten“, sagt Björn Orschel, der als Rettungssanitäter zu den Einsätzen mitfliegt. Die Behandlung muss vor Abflug passieren, sodass der Zustand des Patienten stabil ist.

Beatmungsgeräte, Instrumente, die über einen festgelegten Zeitraum Medikamente abgeben, oder Verbandszeug gehören zur Standardausrüstung eines Rettungshubschraubers. „Außerdem haben wir eine mechanische Reanimationshilfe für eine laufende Herzdruckmassage“, erklärt Orschel. So kann man den Patienten am Leben halten, auch wenn das Herz nicht mehr von alleine schlägt.

Der 40-jährige Björn Orschel ist seit zwölf Jahren als Sanitäter im Hubschrauber unterwegs. Um den Job zu bekommen, muss man vorher mindestens fünf Jahre lang am Boden im Rettungsdienst gearbeitet haben. Ein spezieller Kurs für die Luftrettung ist nötig, außerdem sind einmal im Jahr Fortbildungen Pflicht. „Die Zusammenarbeit mit dem Piloten und dem Notarzt an der Einsatzstelle macht die Arbeit schon sehr besonders“, sagt Orschel.

Nach Arbeitsunfall in Haltern: So sieht’s in einem Rettungshubschrauber aus

An der Rückseite der Sitze ist jede Menge Verbandszeug befestigt. © Kevin Kindel

Eine Start- oder Landeerlaubnis braucht das Team des Rettungshubschraubers übrigens nur in sogenannten Kontrollzonen, etwa in der Nähe von Flughäfen. „In Haltern am See ist das nicht der Fall“, sagt Pilot Weigang. Beim schweren Arbeitsunfall am Dienstag an der Straße An der Ziegelei hatte die Feuerwehr vorsorglich einen Parkplatz abgesperrt, auf dem der Hubschrauber etwa 100 Meter von der Unfallstelle entfernt landen konnte.

„Wir entscheiden schlussendlich aber selbst, wo wir landen“, sagt Ulrich Weigang. Im Landeanflug dreht er immer eine große Runde, um sich das Gelände vor Ort anzusehen. In Haltern entschied er, direkt vor dem Firmengelände auf der relativ schmalen Straße eine ziemliche Punktlandung hinzulegen.

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Die Trage mit dem Patienten wird vom Heck aus in den Hubschrauber geschoben. © Kevin Kindel

„Eigentlich brauchen wir einen Sicherheitsabstand des doppelten Rotordurchmessers“, sagt der Pilot: „Weil die umstehenden Autos und Zäune aber deutlich niedriger waren als die Rotoren, war für mich deutlich, dass wir dort landen können.“ Im Halterner Fall wurde der Patient in eine Dortmunder Unfallklinik geflogen, inzwischen ist er aus dem Koma erwacht. Den ganzen Text zu dem Unfall vom Dienstag finden Sie unter diesem Artikel verlinkt.

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