Für Nachbar Jochen Kolk ist das Wohnprojekt im Elterbreischlag „eine in Beton gegossene Sinnlosigkeit“. © Silvia Wiethoff

Elterbreischlag: Ein neuer Anlagespezialist bestimmt jetzt in Sythen

Die Stadt Haltern sucht noch einen Weg, die Nachbarn des Wohnprojekts im Elterbreischlag zu befrieden, da kündigt sich neue Unbill an. Die Eigentumsverhältnisse haben sich geändert.

Kaum sind die Schlagzeilen rund um die rechtswidrigen Genehmigungen der Stadt Haltern beim Bau des seniorengerechten Wohnkomplexes im Elterbreischlag verdaut, steht die Immobilie schon wieder wegen eines neuen Ereignisses in den Schlagzeilen.

Die Eigentumsverhältnisse des Objektes haben sich geändert. Im Elterbreischlag haben jetzt auch die Swiss Life Asset Managers mit Standorten in ganz Europa und einer Niederlassung in Frankfurt am Main Einzug gehalten. Der Anlagespezialist bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass er sowohl den seniorengerechten Wohnkomplex als auch das Altenheim samt der beiden Grundstücke in Sythen erworben habe.

Einen Kaufpreis wollte das Unternehmen nicht nennen. Swiss Life bestätigte außerdem einen Bericht in der Immobilien Zeitung, nach dem der neue Gesundheitsimmobilienfonds ESG Health Care Deutschland V insgesamt mit einem Portfolio von 27 Pflegeimmobilien aufgefüllt wurde.

„Der Healthcare-Fonds umfasst nach dem Kauf damit inzwischen 37 Immobilien, die ein beurkundetes Immobilienvermögen von rund 515 Mio. Euro auf die Waage bringen. Die Zielmarke des verwalteten Vermögens des Fonds liegt bei 1 Mrd. Euro, Eigenkapitalzusagen in Höhe von 350 Mio. Euro gibt es bereits“, schreibt die Immobilien Zeitung.

Die Stadt Haltern bestätigte die geänderten Besitzverhältnisse auf Anfrage. Sie stehe mit dem neuen Ansprechpartner in Kontakt.

Das Vertrauen der Nachbarn ist erschüttert

Diese Nachrichten dienen nicht dazu, das erschütterte Vertrauen der Nachbarn im Elterbreischlag wiederherzustellen. „Man verliert den Glauben in den Rechtsstaat“, fasst Jochen Kolk seine Gemütslage zusammen. Zwar ist erwiesen, dass der Wohnkomplex in gleich drei Belangen rechtswidrig errichtet wurde (Gebäudehöhe, Anzahl der Geschosse und Material der Treppenaufgänge), aber nach jetzigem Stand wird diese von einem unabhängigen Gutachter festgestellte Tatsache keine Konsequenzen haben.

Die Nachbarn haben einen Fachanwalt für Baurecht in Münster zu Rate gezogen. Dieser macht ihnen so gut wie keine Hoffnung, dass ein Rückbau oder eine Entschädigung gerichtlich durchzusetzen sind. „Es wird nichts mehr verändert werden, höchstens etwas Grünes drangehängt“, ist Jochen Kolk maßlos enttäuscht.

Die Stadt habe sich bereit erklärt, für die Beratungskosten der Nachbarn beim Fachanwalt aufzukommen. Im Gespräch mit der Stadtspitze, zu dem Anwohner des Elterbreischlags am Freitag (5. März) eingeladen waren, habe er wahrgenommen, dass sich Bürgermeister Andreas Stegemann „sehr darum bemüht, Wiedergutmachung zu leisten“.

„Die Mitarbeiter im Bauamt waren außen vor“

Zur Verantwortlichkeit für die rechtswidrigen Genehmigungen sei den Nachbarn am Freitag mitgeteilt worden, die Entscheidungen hätten der ehemalige Bürgermeister Bodo Klimpel in Absprache mit der damaligen Baudezernentin Anette Brachthäuser getroffen. Die Mitarbeiter im Bauamt seien außen vor gewesen. „Das wurde par ordre du mufti angewiesen“, erklärte Jochen Kolk.

Die Stadt kann den betroffenen Nachbarn des umstrittenen Wohnprojekts als Haushaltssicherungsgemeinde keine Entschädigung anbieten.

Jochen Kolk will mit seiner Familie auf Dauer nicht am Eltritt wohnen bleiben, sondern sich eine andere Bleibe suchen. „Am liebsten in Sythen.“

Der seniorengerechte Wohnkomplex im Elterbreischlag ist für ihn eine „in Beton gegossene Sinnlosigkeit“, denn die eigentliche Klientel könne sich die teuren Wohnungen gar nicht leisten.

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