Elterbreischlag: Viele seniorengerechte Wohnungen stehen noch leer

hzSeniorengerechtes Wohnen

Wohnungen sind in Haltern heiß begehrt. Trotzdem stehen im Neubau im Elterbreischlag auch drei Monate nach der Fertigstellung noch viele leer. Das hat seinen Grund.

Sythen

, 01.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Neubauprojekt im Sythener Elterbreischlag ist fertiggestellt. Seit Mai können die 35 seniorengerechten Wohnungen zwischen 67 und 111 Quadratmeter bezogen werden. Allerdings scheint die Vermietung nur schleppend voranzukommen. Bisher sind vier Wohnungen vermietet worden, zwei weitere werden im August folgen.

Das bestätigte Markus Arenskötter, der die Immobilien im Auftrag der TSC Real Estate in Berlin vermarktet. Jochen Kolk, der gegenüber der umstrittenen 70-Meter-Fassade am Eltritt ein Einfamilienhaus bewohnt, ist über diese Entwicklung nicht verwundert. Als Arzt, der im geriatrischen Bereich tätig ist, weiß er um den extrem hohen Bedarf für betreute Altenwohnungen. Die Wohnungen, die im Elterbreischlag entstanden sind, seien allerdings viel zu teuer.

Der Mietpreis ist auch für Halterner Verhältnisse hoch

Laut Immobilienscout beträgt der Mietpreis zwischen 936 und 1681 Euro. „Das können sich meine älteren Patient(inn)en im seltensten Fall leisten“, berichtet Jochen Kolk. Der Mietpreis für die 35 Wohnungen im Sythener Neubaugebiet sei tatsächlich häufig das Kriterium, das einen Vertragsabschluss verhindere, lässt Markus Arenskötter wissen. Punkten könnten dagegen die Ausstattungsqualität der Wohnungen und die Infrastruktur des Ortsteils Sythen. Anfang des Jahres war der Berliner Investor des Wohnkomplexes bei einem Termin im Halterner Rathaus noch überzeugt von seinem Konzept.

„Wir wollten es schaffen, so zu bauen, dass es auch noch realistisch vermietbar ist. Das, so glaube ich, haben wir geschafft“, sagte Thomas Poley von der TSC Real Estate, die das Grundstück in direkter Nachbarschaft des Altenheims von der Alloheim Seniorenresidenzen GmbH erwarb und die Neubauten errichten ließ.

Um Kosten zu sparen, war das Konzept für fünf geplante Einzelhäuser so verändert worden, dass zwei Häuser am Dietrich-Bonhoeffer-Weg und drei am Eltritt durch gemeinsame Treppenhäuser miteinander verbunden wurden. So entstanden die mächtigen Fassaden, die bei vielen der davon völlig überraschten Anwohner auf Ablehnung stoßen.

Die großen Wohnungen stoßen auf weniger Interesse

Bisher treffen die kleineren Wohnungen der Anlage auf Interesse, teilte Markus Arenskötter mit. In zwei Fällen seien beispielsweise Senioren ihren Kindern nach Sythen gefolgt. An das Alter oder andere Kriterien ist eine Vermietung der Wohnungen übrigens nicht gebunden. „Es gibt kein Mieterprofil“ für den Neubaukomplex, erklärt Markus Arenskötter. Er diskutiere mit dem Berliner Eigentümer über verschiedene Modelle, um die Wohnungen für den Halterner Markt attraktiver zu machen.

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Bei diesen Kontakten gehe es auch um die Nachrüstung von Motoren, um die Türen mit einem automatischen Öffnungs- und Schließmodus zu versehen.

Nachbarin Marlit Büren-Kolk hat einer Mieterin schon dabei geholfen, mit Rollator durch die Haustür zu treten, ohne dass diese ihr „in die Hacken fiel“. „Wie soll das mit Rollstuhlfahrern funktionieren?“, fragt ihr Mann Jochen Kolk. Markus Arenskötter sieht in den Haustüren nicht das größte Problem. Er will erreichen, dass vor allem die schweren Brandschutztüren im Innenbereich mit einer Automatik ausgestattet werden. Die Elektroanschlüsse seien dafür bereits vorhanden.

Was ist aus dem geplanten „Leuchtturmprojekt“ geworden?

Auf Immobilienscout wird dafür geworben, dass die Wohnanlage „bewusst als Begegnungsstätte „Jung mit Alt“ gestaltet worden sei. Nachbar Jochen Kolk hat dazu eine andere Meinung: „Die (so vom Vermieter beworbene) „beste Lage in der Nachbarschaft Elterbreischlag“ soll offensichtlich nicht zur sozialen Integration älterer Menschen dienen, sondern eher dafür herhalten, die hohen Mietpreise zu rechtfertigen um weit entfernte Investoren mit hohen Renditen zu bereichern. So viel dazu, wie die Stadt in diesem Falle die Interessen der Bürger gewahrt/vertreten hat...“

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