Endstation Gefängnis: Über sechs Jahre Haft für Drogendealer

hzLandgericht

Es war der Traum von einem schönen Leben, der einen jungen Mann zum Drogendealer werden ließ. Jetzt ist er zu über sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Haltern/Ahaus/Essen

, 06.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel riskiert – und alles verloren: Nach einem Ausflug in die Drogendealer-Szene ist ein Mann aus Ahaus am Donnerstag zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte monatelang einen Zwischenhändler in Haltern beliefert. Verkauft wurde das Rauschgift anschließend in Marl.

Exklusive Urlaube, einen dicken BMW (wenn auch ein älteres Modell): Es war eine schöne Zeit, die sich der Angeklagte zwischen 2015 und 2016 gemacht hat. Tagsüber ging er ganz normal arbeiten, abends lieferte er Rauschgift aus – zumindest einmal in zwei Wochen.

"Viel gehabt, aber auch viel verloren"

Inzwischen scheint er die Zeit aber wohl lieber wieder zurückdrehen zu wollen. „Man hat viel gehabt, aber auch viel verloren“, sagte der 30-Jährige kurz vor der Urteilsverkündung am Essener Landgericht. „Rückblickend bereut man natürlich.“

Es war im November 2016, als alles zusammengebrochen ist. Damals hatte er mehrere Kilo Marihuana im Kofferraum, war auf dem Weg von Ahaus nach Haltern. In der Nähe von Reken geriet er jedoch in eine Polizeikontrolle. Auch, weil er viel zu schnell unterwegs war. Der 30-Jährige hatte zwar noch angehalten, dann aber Vollgas gegeben. Was folgte, war eine wilde Verfolgungsjagd, die erst endete, als der Angeklagte kurz vor Haltern mit seinem 7er-BMW aus einer Kurve „flog“. Sein Wagen durchbrach einen Telefonmasten, überschlug sich mehrfach und kam erst nach 150 Metern auf dem Dach zum Liegen.

Zwischenhändler und Endabnehmer bereits verurteilt

Doch daran hat der 30-Jährige keine Erinnerung mehr. Als die Polizisten ihn befreiten, war er schon im Koma. Wochenlang sah er nach dem Unfall doppelt.

Danach hatte es dann auch nicht mehr lange gedauert, bis die gesamte Dealer- und Verkäuferkette aufgeflogen ist. Der Zwischenhändler aus Haltern ist bereits in einem früheren Prozess zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, gegen den Endabnehmer aus Marl wurden sogar neun Jahre Haft verhängt. Er hatte allerdings auch noch Kokain aus Brasilien geschmuggelt.

Woher der nun Angeklagte das Marihuana bezogen hat, wollte er vor Gericht nicht verraten. Das Urteil hat er aber sofort akzeptiert. Verteidiger Jens-Gunnar Cordes: „Er will endlich mit der Sache abschließen.“

Der Angeklagte hatte im Prozess ein weitgehendes Geständnis abgelegt, die ursprünglich angeklagten Mengen aber bestritten. Auch die Zeugen hatten kein Licht in den Umfang der illegalen Geschäfte bringen können oder wollen.

Rund 20.000 Euro soll der Angeklagte mit den Drogengeschäften verdient haben. Diese Summe muss er dem Staat nach seiner Haftentlassung zurückzahlen.

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