Energiegenossenschaft baut ein Windrad und will E-Autos zum Teilen auf die Straße bringen

Mehr Halterner beteiligen

Die Energiegenossenschaft baut ein Windrad in den Tannenberger Wald und will Car-Sharing mit E-Autos in Haltern populär machen. Dieser Einsatz für die Umwelt kostet viel Geld.

Haltern

29.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Energiegenossenschaft baut ein Windrad und will E-Autos zum Teilen auf die Straße bringen

Die Energiegenossenschaft hat eine Photovoltaik-Anlage mit 200 Modulen und einer Leistung von 61 kWp (Kilowatt peak) auf dem Dach der Grundschule Sythen installiert. Diese Anlage wurde ab Oktober 2018 für 18 Jahre an die Stadt Haltern verpachtet. © Ingrid Wielens

„Die Energiegenossenschaft baut ihre Geschäftsaktivitäten für den Umweltschutz deutlich aus“, kündigte Vorsitzender Henning Henke auf der Mitgliederversammlung am Mittwochabend an. Zwei Projekte stehen in den kommenden zehn Jahren im Fokus: der Bau eines 5,5 Millionen Euro teuren und 238,5 Meter hohen Windrades und - zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum - ein Car-Sharing mittels Elektro-Mobilität.

Gute Erträge

Mit dem Wind macht die Energiegenossenschaft gute Geschäfte. Obwohl sich das Windaufkommen im vergangenen Jahr um zehn Prozent verringerte, wurden die Prognosewerte für die drei Windräder in Lavesum, an denen die Genossenschaft beteiligt ist, übertroffen. Diese Anlagen, so Henning Henke, dürfen inzwischen rund um die Uhr laufen und werden damit im optimalen Modus betrieben. Derart beflügelt, plant die Energiegenossenschaft eine eigene Anlage. Das Votum der Mitglieder hatte sich der Vorstand bereits 2017 geholt.

Partner in Bergbossendorf?

In der Verlängerung der Wilhelm-Koch-Straße (nördlich der Bundesstraße 58) baut neben der Genossenschaft auch die Windenergie Ennenberg eine Anlage in den Nadelholzwald. Die Genossenschaft hat ein 251.000 Quadratmeter großes Grundstück erworben, davon müssen bis zu 9000 Quadratmeter gerodet werden. Dafür wird an anderer Stelle wieder aufgeforstet.

Die Anlage vom Typ Nordex N 149 soll auch bei niedrigen Windgeschwindigkeiten eine hohe Leistung schaffen. Für den Bau der Anlage möchte die Energiegenossenschaft Partner gewinnen: Direkte Nachbarn sollen sich ebenso wie die 96 Bergbossendorfer einbringen können, außerdem wird eine weitere Energiegenossenschaft aus dem Umland mit fünfprozentigem Anteil aufgenommen. Die Stadtwerke Haltern sind auch mit im Boot.

Liefer-Engpässe

Mit der Genehmigung der Windkraftanlage rechnet Henning Henke im August, doch vor 2021 kann nicht gebaut werden. Nordex liefert in viele Länder der EU und hat inzwischen eine Lieferzeit von 18 Monaten.

Mit E-Autos am Start

Ein ganz neues Betätigungsfeld braucht noch viel Vorbereitung und da möchte die Genossenschaft gern viele Bürger in zwei Arbeitsgruppen mit einbinden, ob Genosse oder nicht. Das Car-Sharing von Elektroautos könnte für Halterner Unternehmer, Wochenend-Heimkehrer oder Studenten beispielsweise lukrativ werden. In drei Monaten findet eine erste Marktanalyse statt, im Dezember steht das grobe Konzept, ab Januar 2020 ist Mitwirkung gefragt. „Im Sommer 2020 könnten wir an den Start gehen“, sagte Henning Henke, „vorausgesetzt, das Projekt ist wirtschaftlich.“

Die Verantwortlichen der Genossenschaft

Neue Mitglieder sind willkommen

Die 2010 gründete Energiegenossenschaft Haltern am See eG hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bürgern die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv für eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung einzusetzen. Neue Mitglieder sind immer willkommen. Ein Geschäftsanteil beträgt 250 Euro; Mehrzeichnungen sind möglich. Den Vorstand der Genossenschaft bilden Henning Henke, Carsten Schier, Christian Hovenjürgen und Olaf Büchter, den Aufsichtsrat Bodo Klimpel, Jutta Kuhn und Phil Feldmann. Franz-Josef Wessels kandidierte nicht mehr für den Aufsichtsrat. „Er hat maßgeblich zum bisherigen Erfolg der Genossenschaft beigetragen“, würdigte Bodo Klimpel die Verdienste von Franz-Josef Wessels. Informationen zur Energiegenossenschaft: www.energiegenossenschaft-haltern.de

Denn natürlich wollen die 607 Genossen auch Nutzen aus ihren Anteilen ziehen. Wie Carsten Schier vom Vorstand mitteilte, wird eine Dividende von vier Prozent ausgeschüttet. Er erinnerte an die vielen Investitionsobjekte und nannte explizit die drei Photovoltaik-Anlagen, die im vergangenen Jahr 106.805 Kilowatt Strom produzierten, was einer CO2-Einsaprung von rund 88 Tonnen entspricht. „Wir sind auf einem guten Kurs“, stellte Aufsichtsratsvorsitzender Bodo Klimpel fest.

Strom für die Schule

In Sythen zeigt sich das als Beispiel. Dort hat die Energiegenossenschaft in eine Photovoltaik-Anlage für die Grundschule investiert und für die nächsten 18 Jahre zum Preis von 8740 Euro an die Stadt verpachtet. Der erzeugte Strom reicht nicht nur für die Schule, die Stadt kann darüber hinaus auch noch Sonnenstrom ins Netz einspeisen. Die Klimabilanz ist gut, wie Carsten Schier betont: Die jährliche CO2-Minderung liegt bei 39.543 Kilogramm.

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