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Enorme Hilfe nach Feuer in Haltern: „Ich bin für diesen Zusammenhalt sehr dankbar“

hzMünsterstraße

Beim Brand an der Münsterstraße haben Familien ihre Existenz verloren. Petra Oelsner hat für die Familie ihrer besten Freundin auf Facebook nach Hilfe gesucht. Und ist überwältigt.

Haltern

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ich hätte mit so einer Reaktion nicht gerechnet“, sagt Petra Oelsner einen Tag nach dem Brand an der Münsterstraße. Sie wohnt in Norddeutschland, 225 Kilometer entfernt von Haltern. Und ist Haltern einen Tag nach dem verheerenden Brand an der Münsterstraße doch so nah. Denn die Mutter ihrer besten Freundin Kirsten Kröger wohnte in dem Haus, das am Mittwoch durch die Flammen zerstört wurde. Die Bewohner des Hauses haben womöglich den Großteil ihres Hab und Guts an die Flammen und das Löschwasser verloren.

Petra Oelsner startet nach dem Schicksalsschlag einen Hilfeaufruf bei Facebook. Sucht nach Kleidung, Wohnraum, Hilfe. „Die Menschen haben nur noch das, was sie am Körper haben“, sagt Oelsner. Innerhalb von Sekunden drückten die ersten ihr Mitgefühl aus. Nachricht nach Nachricht landet im Postfach von Petra Oelsner. Bisher wurde ihr Beitrag 99 Mal geteilt, weitere Menschen bieten in den Kommentaren ganz konkrete Dinge an.

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Mit ihren Hausschuhen an den Füßen und der Kleidung, die sie gerade trug, sei ihre Mutter am Mittwochmorgen aus dem Haus gestürmt, erzählt ihre Tochter Kirsten Kröger am Tag nach dem Brand. „Meine Mama hat nur ihr Portemonnaie in ihre Tasche geschmissen und ihr Handy genommen“, sagt sie. Kurz darauf steht sie draußen vor dem brennenden Haus und ruft ihre Tochter an, die in Marl wohnt. Kirsten Kröger fährt nach Haltern, lässt ihren Sohn bei der Nachbarin. Als sie in Haltern eintrifft, nimmt sie ihre Mutter in den Arm. Vor dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist, und dessen Dach nun in Flammen steht. Dann meldet Kirsten Kröger sich bei ihrer Freundin Petra. „Das Haus von Mama steht in Flammen“, erinnert sich Petra Oelsner an die Sprachnachricht ihrer Freundin. Kurz darauf fahren Kirsten Kröger und ihre Mutter nach Marl.

„Das ist das Schlimmste, was ein Mensch erleben kann“

Petra Oelsner weiß, sie muss etwas tun. Für ihre beste Freundin, die die Patentante ihrer Tochter ist. Die als Trauzeugin anwesend war, als sie ihrem damaligen Mann das Ja-Wort gab. Die sich viel um ihren jüngeren Sohn gekümmert hat. Und auch für deren Mutter, die von ihrer Tochter liebevoll Oma genannt wird. „Weil ich nicht vor Ort bin, habe ich mich gefragt, was ich aus meiner Situation heraus tun kann“, sagt Petra Oelsner. Am Mittwochabend veröffentlicht sie den Aufruf an die Halterner in der Gruppe „Haltern am See“. Seither erreichen Petra Oelsner Nachrichten. „Viele fragen, was benötigt wird.“ Sie erstellt für ihre Freundin eine Liste, aufgeteilt in Kleidung, Möbel und Wohnungsangebote, zusammen mit den Kontaktdaten der Anbieter. „Die Situation berührt mich sehr. Wenn man sich vorstellt, dass man nichts mehr besitzt. Das ist das Schlimmste, was ein Mensch als Schicksalsschlag erleben kann. Da bricht eine Welt zusammen. Man hat keine Identität mehr.“

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Kirsten Kröger sitzt der Schock des Brandes noch immer in den Knochen. „Es ist alles so traurig, man hat nichts mehr“, sagt die Halternerin über die Situation ihrer Mutter und die der Nachbarn. „Die haben alles verloren, das ist alles so schlimm.“ Aber sie ist auch dankbar: „Es wird ganz viel Hilfe angeboten, ich bin so erstaunt, wie lieb alle sind“, sagt sie. Auch dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr ist sie sehr verbunden. „Ich kann alle einfach nur für ihre Hilfe und Unterstützung loben. Ich bin sehr sehr glücklich.“

„Das ist keine Selbstverständlichkeit heutzutage“, sagt Petra Oelsner. Liebevolle Worte, Anteilnahme, Kleidung, Esstische - die Hilfsbereitschaft und die Anteilnahme der Halterner sei enorm. „Ich bin sehr dankbar zu sehen, was für einen Zusammenhalt es in Haltern gibt.“

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