Ernst Lossa-Haus II ist eingeweiht

Dank ging zu Herzen

Ein großer Druck ist gewichen, das Ernst Lossa-Haus II ist bezogen und macht 19 Bewohner glücklich. Über 180 Mitdenker und Entscheider waren beteiligt. Samstag feierte der Verein "Behinderte wohnen in Haltern" als Bauherr mit vielen Gästen Einweihung.

HALTERN

, 01.02.2015, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit dem Herzen angekommen: Im neuen Quartier fühlen sich die Bewohner ausgesprochen wohl.

Mit dem Herzen angekommen: Im neuen Quartier fühlen sich die Bewohner ausgesprochen wohl.

Außen ist es zeitlos und schlicht, innen bunt wie ein Papagei. Zimmer mit suppengrünen, zartrosa oder postgelben Anstrichen übersetzen Gefühle, die Daniela und ihre Mitbewohner auf der Einweihungsfeier auf Bannern und in Worten ausdrückten: „Wir fühlen uns wohl, weil hier unsere Freunde sind.“

Gäste aus Politik, Kirche, Vereinen und Verbänden gratulierten am Samstagmorgen zur Fertigstellung des Ernst Lossa-Hauses II am Lohkamp 8. Gisela Schmitt und ein kleines Veeh-Harfen-Orchester stimmte sie musikalisch auf den Tag mit Reden, Gesprächen, Hausbesichtigung und Mittagsmahlzeit ein. „Wir feiern heut’ ein Fest“ lag als Melodie über diesem besonderen Tag.

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Einweihungsfeier Ernst-Lossa-Haus II

Gäste aus Politik, Kirche, Vereinen und Verbänden gratulierten am Samstagmorgen zur Fertigstellung des Ernst Lossa-Hauses II am Lohkamp 8.
01.02.2015
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Mit deftigen Suppen beköstigten Eltern die Gäste der kleinen Feierstunde im Ernst Lossa-Haus II.
Wolfgang und Ute Schmidt freuen sich mit ihrem Sohn Dennis über das neue Zuhause.
Marion Stock (2.v.l.) zeigte ihrer Mutter Ingrid sowie Pfarrerin Regine Vogtmann und Christine Oldemeyer ihr neues Zimmer im Ernst Lossa-Haus II.
Gratulanten und Gastgeber: stellv. Bürgermeisterin Hiltrud Schlierkamp, Pfarrerin Regine Vogtmann, SPD-Fraktionschefin Beate Pliete, Architektin Andrea Gauß, Erster Beigeordneter Hajo Böing, Hildegard Smektalla (Schatzmeisterin im Verein Behinderte wohnen in Haltern), CDU-Fraktionschef Franz Schrief, Ulrich Müller (Vorsitzender Behinderte wohnen in Haltern) und seine Ehefrau.
Christoph Lange, Klaus Wohlfahrt und Karl-Heinz Koop brachten als Geschenk des Technischen Hilfswerks ein Vogelhäuschen für den Garten des Ernst Lossa-Hauses II mit.© Foto Elisabeth Schrief
Architektin Andrea Gauß überreichte der Ehefrau von Ulrich Müller einen Blumenstrauß. In der Bauphase musste sie manchmal ihren Mann bis zu 50 Stunden wöchentlich zugunsten der ehrenamtlichen Aufgabe entbehren.
Mit dem Herzen angekommen: Im neuen Quartier fühlen sich die Bewohner ausgesprochen wohl.
Mit Transparenten demonstrierten die neuen Bewohner, was ihnen das Haus bedeutet: Wohlfühlen, Leben, Mensch sein.
Mit Musik stimmten sich die Gäste, Architektin Andrea Gauß und Ulrich Müller (Vorsitzender Behinderte wohnen in Haltern) auf den besonderen Tag ein.
Gisela Schmitt hatte mit Bewohnern des Ernst Lossa-Hauses Musikstücke zum Mitsingen einstudiert.
André Schröder (stehend, 4.vl.) begrüßte die Gäste, die mit einem kleinen Veeh-Harfen-Konzert unter Leitung von Gisela Schmitt auf die Einweihung des Ernst-Lossa-Hauses II eingestimmt wurden.
Wir feiern heut' ein Fest - so klang es zur Einstimmung im Ernst Lossa-Haus. Dort feierten die Bewohnern mit vielen Gästen die offizielle Einweihung ihres neuen Quartiers.
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Bereits am 15. November letzten Jahres hatten 19 Bewohner im Alter zwischen 30 und 59 Jahren Einzug gehalten. Sie sollten sich erst in Ruhe einleben. „Dass sich heute alle über ein behagliches neues Zuhause freuen, empfinden wir als schönstes, eindrucksvollstes Dankeschön“, sagte Ulrich Müller, Vorsitzender des Vereins „Behinderte wohnen in Haltern“. Er dankte vielen, die dem Verein während der Planung und Bauausführung zur Seite standen: Architektin Andrea Gauß ebenso wie seiner Ehefrau Angelika, die ihm den Rücken freigehalten habe, und nicht zuletzt den Nachbarn, die selbst bei Bauwassermangel in die Bresche gesprungen seien.

Hoher Aufwand

„Die größte Herausforderung für die Planung“, so führte Architektin Andrea Gauß aus, „war, ein Wohnhaus zu schaffen, das alles zulässt: wohnen, zusammen leben, sich gegenseitig helfen und sich auf Wunsch auch zurückziehen zu können.“ Ein solches Projekt bewältige man nicht allein. Andrea Gauß erwähnte besonders Statiker Stephan Gerlach, das städtische Bauamt, Ulrich Müller sowie Hausleiter André Schröder.

„Ein weiteres Gebäude dieser Art wird es wohl nicht noch einmal geben, der zeitliche Betreuungs-Aufwand, um alle bürokratischen Anforderungen und Richtlinien zu erfüllen, ist einfach zu groß.“ Hiltrud Schlierkamp, stellvertretende Bürgermeisterin, würdigte die Anstrengungen: „Sie haben ein großes Projekt hervorragend gestemmt.“ Christoph Sebbel (Volksbank) betonte, sein Institut habe dieses respektable Projekt gern begleitet.

Gutes Zusammenleben

Pfarrerin Regine Vogtmann erinnerte an die Losung 2015 der evangelischen Kirche: "Nehmet einander an wie Christus auch euch angenommen hat." Damit tue eine Gesellschaft sich oft schwer, sagte sie erinnernd an die Morde in Paris oder die "unseligen Demonstrationen" in Deutschland.

"Auch im kleinen Umfeld tun wir uns mit Unterschieden schwer", gab die Pfarrerin zu bedenken. Sie lud ein, einander anzunehmen in Gegenseitigkeit und wünschte ein gutes Zusammenleben im Haus und in der Nachbarschaft. Jede Gemeinschaft müsse sicherlich auch mal Zoff aushalten. Für den ersten Zoff aber wollte sie nicht sorgen. Deshalb brachte sie extra den fair gehandelten Kaffee ohne Schalke-Aufdruck als Geschenk aus dem Eine-Welt-Laden mit.

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