Die Blaue Brücke am Stausee ist marode und muss abgerissen werden. © Jürgen Wolter
Steverbrücke

Ersatz für Halterns Blaue Brücke: Ingenieur stellt zwei Entwürfe vor

Ende 2023 könnte anstelle der Blauen Brücke ein neues Bauwerk die Stever am Stausee überspannen. Mit der Vorstellung von zwei möglichen Modellen erfolgte im Rathaus der erste Aufschlag.

Die prägnante Blaue Brücke am Walzenwehr ist schon 15 Jahre nach Einweihung marode. Nach intensiven Diskussionen hat sich die Politik zu einem Neubau entschlossen. Dr. Henning Klöckner von der Münsteraner Ingenieurgesellschaft Thomas & Bökamp entwickelte zwei Ideen, wie eine neue Brücke aussehen könnte. Die Vorentwürfe stellte er am Dienstagabend im Ausschuss Bauen und Digitales im Rathaus vor.

Das war 2006 zur Einweihung der Blauen Brücke, 2023 könnte wieder das Band durchtrennt werden - auf neuer Brücke mit neuen Protagonisten.
Das war 2006 zur Einweihung der Blauen Brücke, 2023 könnte wieder das Band durchtrennt werden – auf neuer Brücke mit neuen Protagonisten.

Die Zeit drängt, damit die Stadt noch Fördermittel beantragen kann: Bestenfalls wird der Brückenbau aus dem Landestopf „Stadt und Land“ zu 95 Prozent bezuschusst, andernfalls aus dem Topf Nahmobilität zu 75 Prozent. Bis zum 1. Juni kann die Stadt den Förderantrag stellen. Die Zeit drängt, am 18. März soll der Rat ein Votum abgeben. „Ende des Jahres werden wir Gewissheit über die Höhe der Förderung haben“, kündigte Baudezernent Siegfried Schweigmann an.

Im günstigen Fall ist die neue Brücke 2023 fertig

Dr. Henning Klöckner schlägt vor, das aktuelle „filigrane Bauwerk“ (wie er die Blaue Brücke nennt) durch eine Schrägseilbrücke aus Stahl mit 79 Metern Spannweite oder eine Bogenbrücke zu ersetzen. Beide Varianten sind langlebig und so robust, dass Fahrzeuge bis zu zehn Tonnen sie passieren können. Die Traglast wird im Vergleich zum jetzigen Bauwerk um das 20-fache erhöht.

Bei günstigem Verfahrenslauf könnte die Brücke 2023 fertig sein. Die neue Brücke, egal wie sie aussieht, ist auf jeden Fall breiter (insgesamt vier Meter), damit Radfahrer und Spaziergänger sich gefahrlos begegnen können.

Das sind die beiden Varianten, die jetzt im Ausschuss Bauen und Digitales  vorgestellt wurden.
Das sind die beiden Varianten, die jetzt im Ausschuss Bauen und Digitales vorgestellt wurden. © Montage Klose © Montage Klose

„Beide Varianten sind möglich und gleichwertig“, erklärte Dr. Klöckner im von Wolfgang Kaiser geleiteten Ausschuss. Die Kosten belaufen sich je auf rund 2,2 Millionen Euro brutto. Eine Schrägseilbrücke zu bauen, würde etwa einen Monat länger dauern, weil eine Gründung mit rückwärtiger Verankerung im Hinterland notwendig ist. Außerdem wären die Folgekosten um zehn Prozent höher als bei der Bogenbrücke. Volker Klose (SPD) fragte explizit nach dem Korrosionsschutz. Der muss, so die Auskunft des Ingenieurs, alle 20 bis 25 Jahre neu aufgetragen werden.

Schrägseilbrücke oder Bogenbrücke?

„Die Schrägseilbrücke ähnelt sehr der bestehenden Brücke“, stellte Markus Ernst (CDU) fest. Eine Erinnerung, die für die WGH keine guten Assoziationen weckt. Denn die Blaue Brücke musste wegen ihrer Instabilität mehrmals vorübergehend und jetzt komplett geschlossen werden. Die FDP hingegen glaubt, gerade weil die Schrägseilbrücke der alten Form am nächsten komme, könnte sie in der Bevölkerung eine höhere Akzeptanz finden.

Die Grünen hatten in der Dezember-Ratssitzung durchgesetzt, dass bei der Planung der neuen Brücke eine Kompensation der Menge an Treibhausgasen (CO2-Äquivalente) vorzusehen ist, die durch den Abriss und Neubau entstehen. Außerdem sollen die alten Brückenbestandteile so weit wie möglich recycelt werden. Bezüglich der Berechnung der CO2-Bilanz gibt es nach Auskunft von Henning Klöckner noch keine Richtlinien, dieses Thema sei derzeit Gegenstand der Forschung. Klar ist dagegen, dass Stahl und Beton der alten Brücke recycelt werden.

Die Blaue Brücke über die Stever wurde 2006 eingeweiht und als touristisches Highlight Halterns gefeiert. Sie verbindet auf attraktive Weise die Stadt mit dem See, entpuppte sich aber sehr schnell als Sorgenkind. Immer wieder musste sie nachgebessert werden. Heute taxiert die Stadt den Renovierungsbedarf auf 2,4 Millionen Euro.

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Redaktion Haltern
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Elisabeth Schrief
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