Mit dem Hissen der Regenbogenfahne will die katholische Kirche in Haltern klarstellen: Alle Menschen sind willkommen - unabhängig davon, wie sie ihre Liebe zueinander ausdrücken. © Antje Bücker
Sixtus-Pfarrei

Erstmals in Haltern: Pfarrer segnet gleichgeschlechtliches Paar

Das Sakrament der Ehe ist nach katholischem Verständnis Mann und Frau vorbehalten. In St. Lambertus erhielt jetzt ein homosexuelles Paar den kirchlichen Segen - zum ersten Mal in Haltern.

Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland staatlich heiraten und sind damit heterosexuellen Partnerschaften gleichgestellt. Ob die Eheleute ihren Bund aber auch vor einem Pfarrer besiegeln können, hängt sehr von der Kirche vor Ort ab. Im Zwiespalt der Meinungen von Kirchenoberen fehlt es an einer gemeinsamen Haltung. Die Glaubenskongregation des Vatikans hat sogar vor Kurzem die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verboten. Das hat bei zahlreichen Gemeinden und Kirchenmitgliedern eine Welle des Protestes ausgelöst.

„Es war eine schöne und liebevolle Feier“

Haltung zeigt der katholische Pfarrer Michael Ostholthoff. Er erteilte zwei Männern aus Haltern in der Lippramsdorfer Lambertus-Kirche den Trausegen. „Kirchenrechtlich war es kein Sakrament, das gespendet wurde. Vom Ablauf der Feier haben wir uns aber ganz an dem Ablauf einer kirchlichen Trauung orientiert“, berichtet er von dem besonderen Tag. Es sei dem Paar ein Anliegen gewesen, vor dem Altar gegenseitige Versprechen zu geben und vor dem Altar gesegnet zu werden. „Es war ein sehr schöne, liebevolle und sehr festliche Segensfeier“, schwärmt das Paar auch im Nachhinein noch.

„Dieser Segen, den wir empfangen durften, ist eine bleibende Verbundenheit mit Gott, der Gemeinde und dem Menschen, den man das Ja-Wort gegeben hat. Wir haben ein Versprechen vor Gott gegeben, dass wir uns die Treue geben, in guten sowie in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit. Das wir uns achten und ehren alle Tage unseres Lebens. Ein größeres Versprechen kann man nicht einen Menschen geben“, begründen die beiden Männer, warum ihnen der kirchliche Segen so wichtig war.

Pfarrer Ostholthoff: „Hoffe, es ist ein Anfang gemacht“

Nur theologischen Experten wäre der eine oder andere Unterschied im Ritus oder in der einzelnen Formulierung aufgefallen. „Es war ein öffentlicher Gottesdienst mit besonders eingeladenen Gästen, wie das auch ansonsten bei kirchlichen Hochzeiten üblich ist“, sagt der leitende Pfarrer von St. Sixtus. Als die beiden Männer ihre Hochzeit planten, gingen sie von strengen Coronaregeln aus. Folglich luden sie 50 Gäste ein, die in der Lambertus-Kirche entsprechend den Vorschriften Platz nehmen durften. „Beim Begrüßen der Gäste läuteten die Glocken, unsere Aufregung stieg mit jedem Schlag“, erzählt das Paar, das mit Namen nicht genannt werden möchte. Mit einem 60 Jahre alten Cadillac war es nach der standesamtlichen Trauung in Haltern auf dem Kirchplatz vorgefahren.

„Wir hätten platzen können vor Nervosität“

Es sei auch für ihn eine besondere Feier gewesen, sagt Michael Ostholthoff. Im Gottesdienst habe er eine erfrischende Normalität und Authentizität erlebt. „Er ist mit uns von hinten durch den Haupteingang zu dem Lied ‚Das einer mit mir geht‘ in die Kirche eingezogen“, schildert das Paar bewegende Gänsehaut-Momente. Später bei der Bereitschaftsfrage hätten sie fast platzen können vor Nervosität. Nach der Ringe-Segnung und dem Treueschwur hatten die Brautleute Bammel, sich zu verlesen oder die Ringe fallen zu lassen…

„Ich hoffe, dass nun der Anfang gemacht ist und sich auch andere gleichgeschlechtliche Paare ermutigt fühlen, eine kirchliche Segnung ihres Lebensbundes zu feiern“, betont Michael Ostholthoff.

Segensfeier sollte nicht instrumentalisiert werden

Beim Bistum hat er nicht um Erlaubnis gebeten. Was ihm wichtig ist: Die Feier hatte keinen politischen Charakter. Er habe sowohl die Vorbereitung und Durchführung der Segensfeier als unaufgeregt und überhaupt nicht politisch aufgeladen erlebt, betont der Seelsorger. „Eine solche Segensfeier sollte von keiner Seite instrumentalisiert werden, im Mittelpunkt stehen schließlich die Liebe und das Leben zweier Menschen, die mit der Zuversicht aus dem Gottesdienst herausgegangen sind, dass Gott Teil ihres Lebensbundes ist.“

Genau so erlebte es das frisch vermählte Paar: „Ganz ehrlich, es war wunderbar!“

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Elisabeth Schrief

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