Bei Marijo Pavlovic im Restaurant/Hotel am Turm, sind die Gästezahlen wieder deutlich gestiegen. © Jürgen Wolter
Gastronomie

„Es knirscht noch, aber es läuft wieder“ in Halterner Gaststätten

Eine der am meisten durch die Corona-Pandemie gebeutelten Branchen war die Gastronomie. Wie ist dort die Stimmung angesichts von Personalsuche und steigenden Inzidenzzahlen?

Sieben Monate waren die Halterner Gaststätten und Kneipen wegen Corona geschlossen. Inzwischen ist der Betrieb wieder angelaufen. Drei Wirte skizzieren die Lage: Christian Zehren (Rossini), Marijo Pavlovic (Hotel/Restaurant am Turm) und Stephan Föcker (Landhaus Föcker).

„Es knirscht noch hier und da, aber es läuft wieder“, sagt Christian Zehren, Betreiber von Rossini, Kajüte und anderen Gaststätten und Sprecher des Halterner Hotel- und Gaststättenverbandes. „Aktuell sind wir alle sehr froh, dass die NRW-Landesregierung beschlossen hat, die Inzidenzstufe 3 nicht automatisch auszurufen, wenn der Wert über 50 steigt“, so Zehren. „Denn das hätte bedeutet, dass wir dann die Innengastronomie wieder hätten schließen müssen. Das wäre eine Katastrophe gewesen.“

Viel positive Reaktionen der Gäste

Auch Zehren plädiert dafür, bei der Bewertung der Coronalage nicht nur den Inzidenzwert, sondern auch die Patientenzahlen in den Krankenhäusern zu berücksichtigen. „Dass wir die 50 wieder überschreiten werden, scheint im Moment absehbar, aber durch die Impfungen sind die Folgen hoffentlich nicht mehr dieselben wie zu Beginn der Pandemie.“

Die Reaktionen der Gäste in seinen Lokalen seien immer noch sehr positiv, sagt Christian Zehren. „Wir hören noch immer den Satz ‚Schön, dass wir wieder hier sein können.‘ Ich habe das Gefühl, dass viele Gäste den Aufenthalt in den Gaststätten jetzt bewusster genießen, weil sie ihn so lange vermisst haben.“

Bei einigen Gästen spürt Christian Zehren allerdings noch Zurückhaltung, sich in den Innenräumen bedienen zu lassen. Viele würden lieber draußen sitzen, zum Teil auch unter Wetterbedingungen, bei denen sie normalerweise eher ins Lokal gegangen wären.

Christian Zehren freut ich, das der Betrieb in seinen Lokalen wieder gut angelaufen ist.
Christian Zehren freut ich, das der Betrieb in seinen Lokalen wieder gut angelaufen ist. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Auch im Restaurant/Hotel am Turm sind die Gästezahlen wieder deutlich gestiegen. “Das hat sich wieder normalisiert. Seit die Testpflicht für den Restaurantbesuch nicht mehr besteht, sind sowohl die Hotel- als auch die Restaurantgäste wieder da“, sagt Marijo Pavlovic.

Wirklich optimistisch könne er aber noch nicht in die Zukunft blicken, so Pavlovic. „Solange viele das Impfangebot nicht annehmen, bleibt die Gefahr bestehen, dass wir in der Gastronomie wieder schließen müssen. Ich kann das nicht nachvollziehen.“ Auch die Ungleichbehandlung unterschiedlicher Branchen in der Pandemie hat ihn geärgert: „Für uns waren die Folgen besonders hart.“

Personal wird weiter gesucht

Viele Gastronomen suchen nach wie vor Personal. Christian Zehren: „Für unsere Betriebe kann ich sagen, dass wir auch neues Personal einstellen konnten. Viele haben jetzt wieder Lust, in der Gastronomie zu arbeiten. Einige haben bereits Erfahrung, andere müssen erst eingearbeitet werden. Es dauert allerdings, bis dann ein neues Team entsteht, das auf einander eingespielt ist.“

Im Landhaus Föcker in Lippramsdorf wird noch Personal gesucht. „Vor allem in der Küche könnten wir Unterstützung gebrauchen“, sagt Stephan Föcker. Marijo Pavlovic sucht aktuell Kräfte für den Service: „In der Küche ist alles ok, ich habe den Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld aufgestockt, damit sie über die Runden kommen konnten. Aber im Service ist es schwierig, Leute zu bekommen.“

Stephan Föcker vom Landhaus Föcker blickt zurzeit vorsichtig optimistisch in den Zukunft.
Stephan Föcker vom Landhaus Föcker blickt zurzeit vorsichtig optimistisch in den Zukunft. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Seit acht Wochen läuft im Landhaus Föcker der Betrieb jetzt wieder unter Volldampf. „Wir haben zum Teil sehr hohe Gästezahlen“, sagt Stephan Föcker. „Anfangs habe ich noch gedacht, die Leute haben Nachholbedarf, aber das ebbt nicht ab. Die Lust, wieder in ein Restaurant oder in den Biergarten zu gehen, bleibt ungebrochen hoch.“

Für die nächsten Monate ist Föcker vorsichtig optimistisch. „Wir sind erleichtert über den Beschluss der Landesregierung“, sagt auch er. Und hofft, dass bei der Bewertung der Coronalage in Zukunft auch andere Kriterien wie die Belegung der Intensivbetten mit einbezogen werden. „Insofern glaube ich, dass wir nicht wieder schließen müssen. Das hatte ich allerdings vor einem Jahr auch gehofft.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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