Es regnet viel zu wenig: Stadt Haltern muss viele Bäume fällen

hzKlimawandel Ursache

Kaum Niederschlag und viel Hitze: Darunter leiden besonders die Bäume. Zahlreiche Bäume auf städtischem Gebiet wurden bereits gefällt, um vor herabfallenden Ästen zu schützen.

Haltern

, 25.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein trockener Sommer 2018, nochmal viel Hitze im Sommer 2019, dann die vergangenen Wochen im Sommer 2020: Die Bäume im Halterner Stadtgebiet und den angrenzenden Wäldern leiden. „Das Wasser fehlt mittlerweile auch in tieferen Bodenschichten“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey, „deshalb trifft die Trockenheit auch öfter starke Bäume mit tiefen Wurzeln.“ So seien auch vereinzelte Buchen, Birken und Kastanien gefährdet - nicht mehr nur die Nadelbäume, die sich die Trockenheit schnell ansehen lassen.

Stadt will Gefährdung der Bürger vermeiden

Die Schäden an einigen Bäumen im Stadtgebiet gingen so weit, dass sie eine Gefahr für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellten. „Bevor da jemandem ein Baum oder Ast auf den Kopf fällt, müssen wir die Bäume fällen“, erklärt Bockey die „Verkehrssicherungspflicht“ der Stadt. Etwa 30 Bäume habe die Stadt diesen Sommer deshalb bisher gefällt. Nach der trockenen Zeit werden an den betroffenen Stellen dann wieder neue Bäume gepflanzt.

Bitte an die Bürger: Städtische Bäume regelmäßig gießen

„Wir versuchen aber natürlich, früh genug gegenzusteuern und zu wässern.“ Daran knüpft die Stadt auch die Bitte an Anwohner, Bäume in städtischen Beeten regelmäßig zu gießen.

Gießen hilft im Wald allerdings kaum weiter. Harald Klingebiel ist als Förster beim Regionalverband Ruhr (RVR) für den östlichen Teil der Haard rund um Haltern zuständig. „Ich versuche zwar, punktuelle Bewässerungssysteme einzusetzen“, sagt er, „aber das ist keine Lösung für die gesamte Haard - geschweige denn für den gesamten sommergrünen Wald in Europa.“

Wenn die Bäume zu trocken sind, können herabfallende Äste zur Gefahr für Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer werden.

Wenn die Bäume zu trocken sind, können herabfallende Äste zur Gefahr für Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer werden. © Pia Stenner

Denn der leide nicht erst seit den vergangenen Wochen. „Es hat zwar in den letzten Tagen wieder etwas Wasser gegeben, aber der Jahresniederschlag 2018 und 2019 lag mit etwa 600 Millimetern weit unter den normalen 750 Millimetern“, erklärt Klingebiel. Wenn es dann mal regne, sei der Niederschlag viel ungleicher auf Sommer und Winter verteilt - „eine Folge der Klimaerwärmung“, sagt der Förster.

Steppen statt Wälder, auch Buchen inzwischen betroffen

Viele Fichten habe er schon im vergangenen Jahr fällen müssen, weil es zu trocken war. „Eigentlich stammen die Fichten aus nord- oder osteuropäischen Nadelwäldern und sind hier in einem zu trockenen Klima angepflanzt worden. Dass jetzt aber auch Buchen erste Absterbe-Erscheinungen zeigen, macht mir Sorge“, so Klingebiel. Er versuche nun vermehrt Schwarzkiefern oder Roteichen zu pflanzen, die in wärmeren Regionen heimisch sind.

„Entscheidend ist aber, die Klimaerwärmung aufzuhalten. Wenn der Niederschlag unter 500 Millimetern liegt, sprechen wir nicht mehr von Wald, sondern von einer Steppe. Wir müssen unsere Lebensweise endlich nachhaltig verändern“, sagt Klingebiel. Das sei die einzige Chance, langfristig Steppen in Mitteleuropa und damit auch in Haltern zu verhindern.

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