Uwe Goßen und Tochter Charline hoffen, dass Spike auch weiterhin bestmöglich behandelt werden kann. © Heckmann
Antibiotika-Verbot

EU-Pläne: Halterner Tierärztin warnt vor Antibiotika-Verbot

Die EU plant ein weitreichendes Antibiotika-Verbot für Tiere. Dies könnte zu Schwierigkeiten führen, denn auch Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Pferde wären von dieser Regelung betroffen.

„Das Verbot wäre unverhältnismäßig“, wie Tierärztin Dr. Kirsten Oliver aus Haltern erläutert. „Wir könnten viele Haustiere dann nicht mehr gut behandeln.“

Die Pläne der EU sehen Folgendes vor: Sogenannte Reserve-Antibiotika sollen für die Behandlung von Tieren verboten und ausschließlich für multiresistente Keime verwendet werden.

Medizinische Versorgung von Tieren wäre eingeschränkt

Bereits jetzt bestehe allerdings eine starke Reglementierung wie solche Antibiotika verwendet werden dürfen, wie Dr. Olivier erklärt: „Mit einem triftigen Grund und nach Anwendung eines Resistenztests, dürfen im Moment diese Antibiotika noch angewendet werden. Diese nun vollständig zu verbieten, wäre ein hochgradiger Eingriff in die Behandlungsmethode.“

Betroffen von diesem Verbot wäre zum Beispiel das Medikament Baytril. Das sei laut Dr. Olivier aber häufig die einzige Behandlungsmöglichkeit bei Kaninchen, die an Torticollis erkrankt sind. Torticollis werde von einer Hirnhautentzündung verursacht. „Sollte dies verboten werden, entsteht ein großes Loch in der Versorgung von Tieren. Das ist ein Therapienotstand“, so Olivier. Baytril gehöre zur Stoffgruppe des ersten Fluoroquinolone und ist bereits seit 1983 auf dem Markt. Diese Stoffgruppe soll nun in der Behandlung von Tieren verboten und ausschließlich dem Menschen vorbehalten werden. „Dabei gibt es viele neuere Fluorquinolone, die gerne ausgeschlossen werden könnten“, meint die Tierärztin.

Unterschriftenliste für Brüssel

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte versucht ebenfalls auf das geplante Verbot aufmerksam zu machen. Bis zur finalen Abstimmung in Brüssel Mitte September mobilisiert der Verband durch eine Unterschriftenaktion Unterstützung. In der Tierarztpraxis von Dr. Kristen Olivier liegt ebenfalls so eine Liste aus.

Auch Hundebesitzer Uwe Goßen ist auf die Unterschriftenliste aufmerksam geworden. Gemeinsam mit Tochter Charline kommt er wegen Hund Spike öfter zu Dr. Olivier in die Praxis. „Spike hat Krebs. Die Medikamente haben sein Leben verlängert und ihm den Spaß daran zurückgegeben. Ein Verbot sehe ich kritisch. Ich möchte ja, dass meinem Tier so gut wie möglich mit medizinischen Mitteln geholfen wird“, sagt Goßen.

Bereits 2019 wurde eine neue EU-Tierarzneimittelverordnung verabschiedet. Nun muss in einem sogenannten Nachfolgerechtsakt durch EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und EU-Parlament festgelegt werden, welche Antibiotika künftig nur noch Menschen verabreicht werden dürfen. In der Tiermedizin wäre dessen Anwendung dann verboten.

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