Falsche Namen im Restaurant: „Bodo Klimpel“ angeblich Dauergast

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Fake-Namen in Kontaktdatenlisten sollen mit 250 Euro Bußgeld bestraft werden. Auch in Haltern gibt es Fälle, aber wer soll das kontrollieren?

Haltern

, 05.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Land Nordrhein-Westfalen will Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung künftig härter bestrafen. Für das Nicht- oder Falschausfüllen der Kontaktdatenlisten wird ab Oktober ein Bußgeld von 250 Euro fällig. „Mickey Mouse“ und „Hoppelhäschen Hans“ werden also teuer. Wie sehen die Erfahrungen der Halterner Gastronomen mit Falschdaten aus?

„Ich kann mich gar nicht erinnern, Bodo Klimpel so oft zu Gast gehabt zu haben, wie er auf meinen Gästezetteln steht“, sagt Christian Zehren, unter anderem Betreiber von Rossini und Kolpingtreff. „Das ist bei uns gerade der Klassiker, es kommt leider immer wieder mal vor, das Leute Fake-Namen eintragen. Aber soll das der Gastronom oder die Servicekraft auch noch kontrollieren?“

„Die Erfassung dient dem Schutz der Gäste,“ sagt Christian Zehren.

„Die Erfassung dient dem Schutz der Gäste,“ sagt Christian Zehren. © Jürgen Wolter

Zehren appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Gäste. „Es liegt letztlich in der Eigenverantwortung der Besucher, sich zum Schutz aller an die Regeln zu halten.“ Insofern begrüßt er, dass auch Bußgelder für die fällig werden, die diese Regelung bewusst ignorieren.

Ein Gast namens „4711“

„Es ist schon vorgekommen, dass Gäste die Listen nicht richtig ausgefüllt haben“, sagt auch Taner Yalcin, Geschäftsführer des Cafe‘ Extrablatt. Seine Mitarbeiter sind angewiesen, diese Menschen direkt darauf hinzuweisen. Ein großes Problem sieht Yalcin allerdings nicht. „Das ist sehr selten der Fall.“

Im Café Extrablatt achten alle Mitarbeiter auf die Einhaltung der Schutzregeln.

Im Café Extrablatt achten alle Mitarbeiter auf die Einhaltung der Schutzregeln. © Jürgen Wolter

Auch Stefan Himmelmann vom Restaurant Himmelmann hat mit Fake-Namen á la „Mickey Mouse“ noch nicht viel zu tun gehabt. Alle Gäste gingen mit den Kontaktdatenlisten zur Rückverfolgung sehr verständnisvoll um, so Himmelmann.

„4711“ – das war bisher der schrägste Eintrag, den Monika Pfeiffer vom Hotel und Restaurant Pfeiffer‘s Sythener Flora in ihren Erfassungsbögen für Gäste gelesen hat. „98 Prozent der Gäste füllen die Angaben korrekt aus“, sagt die Sythener Gastronomin. „Aber es gibt natürlich ein paar, die sich besonders schlau vorkommen und Fantasienamen eintragen. Jeder, der das macht, schadet sich letztlich vor allem selbst.“

Monika Pfeiffer betont, dass der Datenschutz gewahrt bleibt. „Wir haben drei durchlaufende Ordner, die Erfassungsbögen werden nach vier Wochen geschreddert, mehr könnte ich auch gar nicht aufbewahren.“ Listen auszulegen, in die sich die Gäste nacheinander eintragen, lehnt sie allerdings ab: „Listen, das geht gar nicht in Sachen Datenschutz.“ Nach Gästen zu suchen, die sich falsch eingetragen haben, sei in den allermeisten Fällen nicht möglich, da ja keine korrekten Angaben vorliegen. „Wenn ich jemanden kenne, spreche ich ihn auch direkt an“, so Monika Pfeiffer.

Gastwirte begrüßen Ordnungsmaßnahmen

Dass es nun Strafen geben soll, hält Taren Yalcin vom Extrablatt allerdings für positiv: „Die Leute, die es vorher nicht vernünftig gemacht haben, machen es jetzt vernünftig.“ Sie hätten Angst, Strafen zu zahlen.

Stefan Himmelmann ist sich sicher: „Kontrolliert werden könnte das schon, wenn da provozierende Namen auftauchen würden.“ Bislang sei das allerdings nur sehr selten in seinem Restaurant der Fall gewesen.

„Wer soll das kontrollieren?“, fragt Christoph Peters.

„Wer soll das kontrollieren?“, fragt Christoph Peters. © Foto: Jürgen Wolter

„Ich kann das nicht alles kontrollieren“, findet Christoph Peters von Peters Bauernstube in Lavesum. „Da sehe ich das größte Problem.“ An einem guten Wochenende kommen bei ihm schnell mal 500 und mehr Namenszettel zusammen. „Die kann ich gar nicht alle gegenlesen. Wenn mir etwas auffällt, spreche ich Gäste zwar schon mal an. Aber man will seine Gäste andererseits auch nicht vergraulen“, beschreibt er sein Dilemma als Gastronom. „Das Häufigste, das ich festgestellt habe, ist, dass Leute einfach nur unterschreiben ohne ihre Daten wie Telefonnummer, Name oder Adresse zu hinterlassen.

Wer kontrolliert die Listen?

  • Wie können Namenssünder überhaupt kontrolliert werden? Sicher ist, dass Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit und Gesundheit in NRW, versprach: „Es wird Kontrollen geben.“
  • „Die Stadt ist auf jeden Fall in der Pflicht, zu kontrollieren – nicht die Gastronomen. Die Strafen gelten für die Gäste, nicht für die Gastronomen“, sagt Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Möglichkeit, richtig zu kontrollieren, hätten sie auch gar nicht. Sich einen Ausweis der Gäste zeigen lassen? „Ich sehe da rechtlich keinen Anspruch drauf“, so Hellwig.
  • Seit Beginn der Corona-Pandemie kontrolliert das Halterner Ordnungsamt, ob die Erfassungslisten in den Restaurants ausliegen und ob sie korrekt ausgefüllt wurden. „Wir überprüfen das stichprobenartig“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey. „Die Stichproben erfolgen unangemeldet, wir sind aber auch schon gezielten Hinweisen nachgegangen.“
  • Vorrangig setzt das Ordnungsamt in Haltern auf Ermahnungen. Im Wiederholungsfall werden auch Bußgelder fällig. „Die Maßnahmen sind ja nicht dazu da, die Menschen zu gängeln, sondern sie dienen dazu, Infektionsketten nachzuverfolgen. Das dient dem Schutz der Gäste, das sollte eigentlich allen klar sein“.
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