Fischstäbchen von Halterner Maschinen: Marktführer Nienstedt investiert

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Neun von zehn weltweit produzierten Fischstäbchen werden mit Maschinen der Firma Nienstedt aus Haltern hergestellt. Das Unternehmen stellt sich für die Zukunft digital neu auf.

Haltern

, 09.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über 3,4 Milliarden Fischstäbchen werden allein in Deutschland jährlich auf Maschinen aus Haltern hergestellt. Diese werden bei der Nienstedt GmbH im Gewerbegebiet am Prozessionsweg entwickelt, geplant und montiert. Das Unternehmen ist mit seinen ca. 50 Mitarbeitern am Standort Haltern weltweit Marktführer bei der Herstellung von Fischblocksägen, Portioniersystemen und Umformmaschinen für die Tiefkühllebensmittelproduktion.

Ein Flexi-Säge zum Portionenschneiden kurz vor der Fertigstellung.

Ein Flexi-Säge zum Portionenschneiden kurz vor der Fertigstellung. © Jürgen Wolter

Heinz Nienstedt gründete die Firma 1948 im Kreis Recklinghausen. Zunächst stellte Nienstedt Holzverarbeitungsmaschinen für den lokalen Bergbau und später auch für den Gleisbau her. In den 70er-Jahren gelang der Wechsel in die Lebensmittelbranche, wobei anfänglich der Schwerpunkt bei der Verarbeitung von Tiefkühl-Fischblöcken lag. In dieser Zeit führte Nienstedt die erste vollautomatische Fertigungslinie für Fischstäbchen ein.

Kunden in der ganzen Welt

Heute setzen renommierte Lebensmittel-Marken aus der ganzen Welt auf Verarbeitungsanlagen von Nienstedt. Innovative Prozesse erschließen ganz neue Möglichkeiten, wie beispielsweise die Verarbeitung von Thunfisch, Shrimps, Geflügel, Kebab-Fleisch, Backwaren und Agrarprodukten. „Unsere Anlagen stehen in der ganzen Welt, von den USA über Südafrika, Russland, China bis Australien“, so Geschäftsführer Jan Groneberg. Bis zu vier Tonnen Fischstäbchen in der Stunde kann so eine Anlage portionieren.

So sieht eine fertige Fischstäbchenmaschine aus.

So sieht eine fertige Fischstäbchenmaschine aus. © Dietrich Hackenberg

Anfang des Jahres hat das Unternehmen eine Digitalisierungsoffensive gestartet, um die Produktionsprozesse und -strukturen für die Zukunft zu optimieren. „Insgesamt werden wir eine Summe von über einer Million Euro investierten, für die bereits eine entsprechende Digitalisierungsförderung beantragt ist“, skizziert Geschäftsführer Jan Groneberg den Umfang des Vorhabens.

Er führt seit Anfang 2019 nach Petra Groneberg-Nienstedt das Unternehmen in dritter Generation als Geschäftsführer, gemeinsam mit Jörg Rosenberger. Das Familien-Unternehmen hat das Nachbargrundstück bereits erworben, um dort zu erweitern. „Bevor wir aber die räumliche Erweiterung angehen, wollen wir zunächst unsere Strukturen modernisieren und digitalisieren, um dann die Erweiterung unter den neuen Vorzeichen angehen zu können“, sagt Jan Groneberg.

Die Digitalisierungsoffensive greift auf drei Ebenen. „Sie betrifft unter anderem die Fernwartung unserer ausgelieferten Maschinen“, so Jan Groneberg. Der Prozess ist bereits im Gange. „Inzwischen haben wir in unserem Servicenetzwerk digital Zugang zu den Schaltschränken unserer Maschinen in den Produktionsbetrieben.“

Produktionsabläufe werden digitalisiert

Des Weiteren werden interne Abläufe neu gesteuert. „Wir wollen unsere Prozesse straffen“, sagt Jan Groneberg. In Zuge dieser Umstrukturierung gibt es auch schon räumliche Veränderungen im Betrieb. Drei neue automatisch gesteuerte Hochlager ersetzen das alte Lager. „Hier gewinnen wir Raum für eine Produktionserweiterung, Montage und eine erweiterte Qualitätskontrolle“, so Jan Groneberg. Ein viertes Hochlager soll noch außerhalb der Produktionshalle angebaut werden. Die Teile werden in Zukunft Laser-markiert, um eine bessere Nachverfolgbarkeit zu erreichen.

Diese Säge sägt Fischstäbchen in rasanter Geschwindigkeit.

Diese Säge sägt Fischstäbchen in rasanter Geschwindigkeit. © Dietrich Hackenberg

Außerdem werden die Produktionsabläufe digitalisiert. „Es wird keine Papierfassung mehr geben, die Mitarbeiter werden mit Tablets ausgestattet“, so Jan Groneberg. „Ziel ist auf lange Sicht der papierlose Produktionsablauf.“

Die Coronakrise hat auch das Halterner Unternehmen kurzfristig beeinträchtigt. „Nach einer anfänglichen Unsicherheit und „Schockstarre“ gab es dann, nach dem Run auf Tiefkühlprodukte, auch einen gesteigerten Bedarf an Produktionskapazitäten der Lebensmittelhersteller. Deshalb bin ich weiterhin vorsichtig optimistisch, was die Zukunftserwartungen angeht“, sagt der Geschäftsführer. Bis Ende 2021 sollen die Digitalisierungsprozesse abgeschlossen sein. „Danach werden wir die Produktionserweiterung angehen“, so Jan Groneberg.

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