26 Ratten hat Günter Althoff in seinem Garten schon gefangen. Und noch ist kein Ende der Plage in Sicht. Was Ratten anlockt, und wie man sie am besten bekämpft, weiß ein Experte.

Flaesheim

, 28.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit einigen Wochen zieht der Flaesheimer Günter Althoff täglich bewaffnet mit Spaten und einer modernen Rattenschlagfalle in den Kampf gegen die Plagegeister, die sich in seinem Garten an der Arenbergstraße eingenistet haben. „Ich bin mittlerweile zu einem echten Spezialisten bei der Spurensuche geworden“, sagt er.

Zwischen seinen akkurat ausgerichteten Gemüsebeeten erkennt er sofort die immer wieder neuen Laufspuren der Tiere. Genau dort stellt er seine Falle auf, und hat so in den letzten sechs Wochen sage und schreibe 26 Ratten gefangen. „Allerdings nur Jungtiere, die Alten sind zu schlau für die Falle“, so Althoff.

Trockenfutter in der Garage verteilt

Angefangen hat alles im vergangenen Frühjahr, als sein Hund „Bernie“ starb. Einige Tage nach diesem Schicksalsschlag bemerkte Günter Althoff zum ersten Mal, das Reste von „Bernies“ Trockenfutter nicht mehr in der Tüte, sondern an verschiedenen Stellen in seiner zum Garten offenen Garage lagen. Hinzu kamen Exkremente. „Das können nur Ratten gewesen sein“, dachte sich der Flaesheimer. Der Verdacht erhärtete sich wenig später. Vom Küchenfenster aus beobachtete er, wie Ratten sich sogar tagsüber am Futter in seinem Vogelhaus bedienten. Ausgelegte Rattenköder brachten keinen Erfolg. Schließlich stellte er eine Falle mit einem Stück geräuchertem Speck als Köder auf. Schon am nächsten Tag war die erste Beute in der Falle. Zunächst schien damit Ruhe zu sein.

Als Althoff dann in diesem Jahr die gemauerte Kompostmulde im Garten entleerte, traute er zuerst seinen Augen nicht. „Da tummelten sich doch tatsächlich zwei junge Ratten“, erinnert er sich. Wieder stellte er die Falle auf, als Köder diente diesmal eine süße Schokoladencreme. Zwei weitere Nager wurden so gefangen.

Routine im Spurenlesen

Althoff blieb von da an wachsam und hat schon eine gewisse Routine im Spurenlesen entwickelt. Er sucht tagsüber im Garten die neuralgischen Punkte, wo sich die Spuren der Laufwege kreuzen, markiert diese und stellt anschließend genau dort seine mit neuem Köder bestückte Falle auf. Doch nach der Fangstrecke mit den Jungtieren wurde es immer schwieriger. Günter Althoff sieht zwar täglich neue Spuren, aber die Fangerfolge bleiben aus. „Die alten Ratten haben gelernt, um die Falle herum zu laufen“, sagt er und versucht mit neuen Strategien der Plage doch noch Herr zu werden. So hat er beschlossen, kein Futter mehr für Eichhörnchen und Vögel auszulegen um damit als einzige mögliche Futterquelle den gefräßigen Nagern nur noch das Lockfutter in der Falle zu überlassen. “So versuche ich, die Ratten doch noch zu überlisten“.

Stadt lässt regelmäßig Köder auslegen

Panik haben Günter und Bernadette Althoff zwar noch nicht, aber die erneute Rattenplage sorgt schon für gezielte Verhaltensänderungen. Terrassen- und Kellertüren bleiben geschlossen und auch die Fenster bleiben nachts zu. Ratten klettern mühelos auch die Wände hoch und Althoff sagt: “Im Garten kann ich ja noch damit leben, aber in der Wohnung auf keinen Fall“.

Eine vermehrte Rattenplage hat die Stadt Haltern aktuell nicht feststellen können, trotzdem hat die Verwaltung das Thema im Blick. „Zweimal im Jahr lassen wir durch eine externe Firma Rattenköder in den Schächten der Kanalisation auslegen“, sagt dazu Stadtsprecher Georg Bockey auf Anfrage. „Außerdem werden wir auch aktiv, wenn vermehrtes Rattenaufkommen gemeldet wird.“

Die Stadt rät grundsätzlich dazu, keine Essenreste draußen zu entsorgen und sie auch nicht in die Toilette zu schütten. „Selbst ein weggeworfener Pizzakarton kann schon reichen, um die Nager anzulocken“, so Georg Bockey.

Schädlingsbekämpfer rät zu Ködern mit zeitversetzter Wirkung

Ein Befall mit Ratten sei immer von mehreren Standortfaktoren abhängig, sagt Ralf-Peter Loewen, Schädlingsbekämpfer aus Lippramsdorf. Eine Rolle spiele dabei unter anderem die Kanalisation. Wenn die Ratten im Garten Nahrung vorfinden, wie auch etwa Vogelfutter, könne dies die Plage befördern.

Fallen aufzustellen, davon hält Loewen wenig. „Die Ratten lernen die Gefahr, so kann man sie nicht ausrotten. „Abhilfe bringen nur Köder, die zeitverzögert wirken, dann können die Tiere den Zusammenhang mit dem Köder nicht erkennen.“ Loewen rät, einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu Rate zu ziehen. „Dann kann die beste Lösung gefunden werden.“

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